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CD-Besprechung

Johann Sebastian Bach: Goldberg-Variationen BWV 988

OehmsClassics 1 CD/SACD OC 625

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 04.02.08

OehmsClassics OC 625

1 CD/SACD • 80min • 2007

Daß Werke Johann Sebastian Bachs bearbeitet werden, ist seit langem eine Normalität. Dennoch unternimmt Hansjörg Albrecht einige argumentative Anstrengungen, um seine Transkription der Goldberg-Variationen BWV 988 für Orgel zu rechtfertigen. Natürlich kann man, wie Albrecht, auf Bachs eigene Übertragungspraxis verweisen: Der Komponist hatte sogar originale Werke für Orchester für das klanglich und dynamisch weitaus weniger flexible Instrument Orgel gesetzt, so daß die Übertragung von einem Tasteninstrument auf ein anderes eher weniger gewagt erscheint. Doch eigentlich wären solche Rechtfertigungen nicht unbedingt nötig; selbst wenn es die Beispiele aus der eigenen Zeit Bachs nicht gäbe, haben doch große Transkriptionen in der Musikgeschichte immer wieder demonstriert, daß es weniger auf historische Angemessenheit denn auf das ästhetische Gelingen, auf Stimmigkeit und Interessantheit der Ausführung, ankommt.

Genau in dieser Hinsicht wäre zu fragen, ob die Interpretation Hansjörg Albrechts genügend auf die sich ändernden Ausführungsbedingungen reagiert. Dadurch, daß die Goldberg-Variationen nun anstatt auf dem Cembalo oder gar dem hyperintimen Clavichord auf dem offiziellen Kircheninstrument gespielt werden, ergibt sich eine radikal modifizierte Vortragssituation. In der Atmosphäre der Stille, wie sie ein barockes Kammerinstrument – oder aber, wie in den brillanten Einspielungen von Pianisten wie Glenn Gould oder auch Murray Perahia – natürlich auch der moderne Konzertflügel herstellt, kann die Aura einer privaten Selbstunterredung erscheinen; auf der Orgel ist der gleiche Effekt nicht in vergleichbarer Form möglich. Bescheidene Registrierungen, wie Albrecht sie ein wenig zu konsequent durchhält, bringen das filigrane kontrapunktische Gewebe des originalen Klavierwerkes viel weniger eindrucksvoll heraus als die Klanglichkeit von Cembalo oder Klavier. Die Aria und viele ihrer Veränderungen, besonders im ersten Teil, erscheinen durch eine zu schlichte Registerwahl eher blaß. Zudem können somit in einzelnen Stücken, etwa der 2. oder der 9. Variation, die Mittelstimmen nicht klar hervortreten, so daß die Stücke weniger als polyphone Kunstwerke wirken, denn als tendenziell biedere Genrestücke.

Andererseits verfolgt Albrecht recht deutlich die Strategie, die Ausdrucksskala des Zyklus’ bei zunehmendem Fortgang auch einmal durch massivere Registrierungen anzureichern. So überzeugt die Illustration des Giguen-Typus durch die französische Registrierung mit Cornett/Cromorne oder die Interpretation der Fughetta (Variation 10) als quasi-militärische Repräsentationsmusik, welche die Pracht der Mühleisen-Orgel der Stiftskirche in Bad Gandersheim eindrucksvoll zeigt. Überhaupt ist Albrechts an sich sehr sorgfältige Spielweise dann am reizvollsten, wenn er – auch in seinem Begleittext – die einzelnen Variationen quasi bildlich ausdeutet. Würden nicht einzelne Teile im Unverbindlichen verbleiben, könnte man diese Übertragung der Goldberg-Variationen auf die Orgel als vollständig gelungen bezeichnen.

Dr. Michael B. Weiß [04.02.2008]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.S. Bach Goldberg-Variationen BWV 988

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Hansjörg Albrecht Orgel
 
OC 625;4260034866256

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