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CD-Besprechung

Naxos 8.557991

1 CD • 72min • 2005, 2006

29.08.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Auf der neuesten Veröffentlichung der Grieg-Edition aus dem Hause Naxos gilt es eine Sinfonie zu entdecken, die nach dem Wunsch Edvard Griegs in ihrer Gesamtheit nie hätte aufgeführt, geschweige denn veröffentlicht werden dürfen. Zeitgenossen und Schüler des norwegischen Komponisten waren gar der Meinung, allein die Komposition der c-Moll-Sinfonie sei schon ein Fehler gewesen: zu uneinheitlich, nicht norwegisch genug, zu sehr sich an den Vorbildern Beethoven, Mendelssohn, Schumann und Niels Gade orientierend sei dieser sinfonische Missgriff des damals zwanzigjährigen Grieg. Wenngleich einzelne Sätze, nie aber die komplette Sinfonie in den Jahren 1864 bis 1867 öffentlich gespielt wurden, teilweise unter der Leitung des Komponisten selbst, so folgte dann doch vermutlich im Herbst 1867 das kategorische Aufführungsverbot durch Edvard Grieg – aufgrund der genannten Parallelen und eines nicht erkennbaren eigenen Personalstils. Nach über hundertjährigem Schlaf erweckte der russische Dirigent Vitaly Katayev 1980 das Werk zu neuem Leben, und zwar nach einer Partiturkopie aus dem Nachlass eines Grieg-Schülers. 1981 folgte eine Aufführung im norwegischen Bergen, im Druck veröffentlicht wurde die Sinfonie c-Moll schließlich 1984.

Auch heute gehen die Meinungen über dieses Werk auseinander und man findet es nur äußerst selten auf den internationalen Spielplänen; Einspielungen auf CD kann man gar an zehn Fingern abzählen. Die Sinfonie totzuschweigen, wie es etliche Konzertführer immer noch tun, hieße der unverbrauchten Energie, den frischen Ideen und faszinierenden Klangfarben ihrer Musik Unrecht tun. Und wer diesem Werk mangelnde Originalität bescheinigt, der höre sich noch ein Mal unvoreingenommen das selbstbewusste Intermezzo und Finale an und achte auf das gleichermaßen energisch wie anmutig musizierende Malmö Symphony Orchestra. Unter der Leitung des Norwegers Bjarte Engeset demonstriert dieses schwedische Elite-Ensemble eine Lehrstunde in orchestraler Brillanz und subtiler Klanggebung, die noch so hohen Ansprüchen genügt. Bereits im ersten Satz beeindruckt das Orchester mit machtvollem Blech, strahlkräftigen und warmen Streichern sowie delikaten Holzbläsern, betont wunderbar das motorische Element und gelangt im Adagio espressivo schließlich zu einer mustergültigen und unwiderstehlichen Klanglichkeit. Man spürt, dass sich die Schweden mit Grieg auf heimischem Terrain bewegen, dass sie mit Herzblut spielen, dabei aber nicht kraftstrotzend, sondern mit jugendlichem Elan, Leichtigkeit und sicherem stilistischem Gespür zu Werke gehen.

Das zeigen auch die drei höchst originellen Orchesterstücke op. 56 zu Björnstjerne Björnsons Historiendrama Sigurd Jorsalfar. In der marschartigen Aufzugsmusik des Vorspiels („In der Königshalle“), dem dramatischen Intermezzo („Borghilds Traum“) und dem grandiosen Huldigungsmarsch kostet Bjarte Engeset alle nur erdenklichen Farbgebungen und dynamischen Schattierungen lustvoll aus und verleiht somit der Klangfarbe als eigenständiger Dimension besonderes Gewicht. Ungemein blühende poetische Bilder beschwört das Malmö Symphony Orchestra in dem ursprünglich für zwei Klaviere geschriebenen großen Variationszyklus op. 51 über die alte norwegische Romanze Sjugurd a Trollbrura („Sjugurd und die Trollbraut“) herauf. Ähnlich den Haydn-Variationen von Johannes Brahms führen die zwischen Ausgelassenheit und Schwermut sich bewegenden Variationen zu einem majestätisch-choralartigen Höhepunkt, stürzen sich anschließend aber in einen wahrhaft dämonischen Taumel, bevor das idyllische Thema das Werk leise verklingend beschließt. Wenn man der Ausführung der Variationen am Ende doch ein winziges Pünktchen abziehen muss, dann aufgrund eines die Schärfen der Partitur hin und wieder einebnenden Bades in purem Wohlklang. Trotzdem: Eine im Beiheft hervorragend kommentierte, fesselnde, unbedingt zu empfehlende und den Tonträgermarkt bereichernde Einspielung, bei der nicht nur Grieg-Liebhaber die Ohren spitzen werden.

Christof Jetzschke [29.08.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Edvard Grieg
1Sinfonie Nr. 1 c-Moll 00:32:48
5Alte Norwegische Romanze mit Variationen op. 51 00:22:14
24Drei Orchesterstücke aus Sigurd Jorsalfar op. 56 00:16:30

Interpreten der Einspielung

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