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CD-Besprechung

Los Angeles Street Concerto

Michala Petri plays Thomas Koppel

dacapo 8.226021

1 CD • 51min • 2004, 2005

29.06.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Komponisten machen ihre Karriere oft dadurch, dass sie gewissen vorgeprägten stilistischen und gesellschaftlichen Erwartungen entweder entsprechen oder umgekehrt die damit entstehenden Hohlräume nutzen, wobei ein gewisser intellektueller Trend und ein je nach den Gegebenheiten progressives Image meist hilfreich ist. Ausnahmen wie Scelsi, Ives oder Satie werden irgendwann als solche registriert und vielleicht verstanden – der dänische Komponist Thomas Koppel dürfte gewiss zu ihnen zählen!

Koppel wurde 1944 in einem schwedischen Flüchtlingslager geboren (sein Vater war wegen seiner jüdischen Herkunft aus dem besetzten Dänemark geflohen), war als Pianist und Komponist eine herausragende Frühbegabung, bis er 1967/68 die Rockgruppe „Savage Rose“ gründete, mit ihr vor allem in Skandinavien und Amerika Erfolg hatte, bis er in den 90er-Jahren schrittweise wieder „Partituren“ schrieb, seit 1996 in Los Angeles lebte und zehn Jahre später in Puerto Rico starb, wohin er gerade seinen Wohnsitz verlegt hatte. Ein von Gidon Kremer bestelltes Violinkonzert kam über Skizzen nicht hinaus, aber seine hier eingespielten Konzerte geben über eine ungewöhnlich originelle und konsequente Komponisten-Persönlichkeit Auskunft. Es sind – und auch das passt ins Bild – Konzerte für ein lang tabuisiertes Instrument, die Blockflöte, und es sind Werke, die auf den ersten Blick eine filmmusikartige Aura mit romantischen und barocken Einschlägen haben, die aber bei allem Filigran, bei aller virtuoser Verspieltheit eine innere Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit ausstrahlen.

Das 1999 entstandene Los Angeles Street Concerto für Sopraninoblockflöte, neun Streicher und Celesta ist das hinreißende Abbild einer vibrierenden Großstadt, inspiriert von den Klängen, Figuren und Sounds musikalisch wirr verwirbelter Straßenmusiker, gewiss konventioneller im musikalischen „Material“, aber damit auch realistischer als Ligetis San Francisco Polyphony. Zusammen mit Gidon Kremer und seiner Kremerata Baltica zeichnet Michala Petris geisterhaft fliegende, flirrende und singende Blockflöte ein ebenso liebevolles wie präzise konturiertes Bild der Metropole. Hier und in den beiden anderen jeweils fast zwanzigminütigen Werken präsentiert sich Michala Petri nicht nur als eine Ausnahmesolistin, die das zwielichtige Image der Blockflöte mit akrobatischem Charme und größter seelischer Intensität auf den Müllhaufen der Vorurteile befördert, nein, sie ist hier auch die Initiatorin, die sich für einen Komponisten einsetzt, der die pathetischen Selbstzerstörungen der Musikgeschichte mit ihren U-E-Pop-und Avantgarde-Spaltungen nicht respektiert. Auch dafür muss ihr hier ein engagierter Dank ausgesprochen werden!

Hans-Christian v. Dadelsen [29.06.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Thomas Koppel
1Konzert für Blockflöte und Orchester (Moonchild's Dream)
2Nele's Dances für Blockflöte und Erzlaute (1991)
3Los Angeles Street Concerto für Sopraninoblockflöte, Streicher und Celesta (1999)

Interpreten der Einspielung

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