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CD-Besprechung

Naxos 8.570253

1 CD • 58min • 2005

27.04.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Giovanni Battista Sammartini (1700/01-1775) gilt gemeinhin als der „Vater der europäischen Sinfonie", beeinflussten seine Sinfonien die Entwicklung des Genres im 18. Jahrhundert doch in weitaus stärkerem Maß als die nordalpinen Musikzentren Mannheim oder Wien. Über sein sinfonisches Schaffen hinaus war Sammartini in seiner Heimatstadt Mailand noch in vielfältiger Weise aktiv und hinterließ ein breit gefächertes Gesamtopus. Es finden sich in seinem überlieferten Werk auch acht Kantaten für die Fastenzeit, darunter auch die vorliegende mit dem Titel Gersualemme sconoscente ingrata (Verleugnendes, undankbares Jerusalem). Ein weiterer Titel ist für dieses Werk überliefert, der in seinem Antisemitismus noch weiter geht: La perfidia giudaica (Die jüdische Schlechtigkeit). Das Libretto schildert, wie Maria Magdalena und Maria Cleophas der Maria Salome erschüttert von der stürmischen Szene vor Pilatus berichten, während der das aufgebrachte Volk die Freilassung des Barrabas und die Verurteilung Jesu zum Tode fordert; dasselbe Volk, das noch vor weniger als einer Woche Jesus bei seinem Einzug nach Jerusalem mit Palmwedeln huldigte. So wird die alte Schauermär vom jüdischen Volk als Gottesmörder hier ausgenutzt, um opernhafte Dramatik mit meditativen Betrachtungen über den leidenden Christus aus dem Munde der erschütterten Jüngerinnen zu verbinden. Man vergegenwärtige sich, dass die Juden, wenn auch im 18. Jahrhundert in Westeuropa nicht direkt von Pogromen bedroht, in den Städten fast ausnahmslos immer noch in Ghettos wohnen mussten und keine Bürgerrechte besaßen. Und alle Jahre wieder zur Passionszeit wurde bei Protestanten wie Katholiken an ihre unauslöschliche Schuld am Tod Jesu Christi erinnert. Erst die Aufklärung (beispielsweise Lessing mit seinem Stück Nathan der Weise) trat für eine Gleichberechtigung der Juden ein.

Sammartini konnte sich natürlich über den rassistischen Sprengstoff nicht im Klaren sein, der sich im Laufe des 19. Jahrhunderts aus der langen Tradition der Verleumdung der Juden ergeben sollte. So serviert er mit seiner Fastenkantate ein gefälliges religiöses Drama, dessen Musik man beifällig lauschen konnte, ohne auf den Text zu achten.

Als eine solchermaßen wohlklingende geistliche Kammeroper bringt auch Daniele Ferrari mit seinem Symphonica Ensemble und drei gut disponierten Vokalsolisten Gerusalemme nebst einem Confitebor und zwei Sinfonien hier zu Gehör. Das mit modernem Instrumentarium aufspielende Instrumentalensemble hält eine angemessene Distanz zur Barockseligkeit, wie sie einst von den Musici di Roma oder gar den Solisti Veneti verbreitet wurden, bei aller Gelöstheit und Musizierfreude ist dem Spiel des Symphonica Ensemble doch anzumerken, dass sie um den veränderten Kontext in der Barockrezeption der letzten vierzig Jahre wissen. Somit ist diese CD eine charmante Bereicherung des Katalogs, wenn sie auch keine bahnbrechende Neuentdeckung im Repertoire bringt.

Detmar Huchting [27.04.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Giovanni Battista Sammartini
1Gerusalemme sconoscente ingrata J-C 122 (La perfida giudaica nella SS. Passione di Gesù Christo)
2Confitebor J-C B-5
3Sinfonie Es-Dur J-C 25
4Sinfonie g-Moll J-C 56

Interpreten der Einspielung

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