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CD-Besprechung

Touch! Don't Touch! Music for Theremin

wergo WER 6679 2

1 CD • 60min • 2005

12.09.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Nur die wenigsten dürften wissen, was ein Theremin ist. Gottlob erklärt der ausführliche Booklettext von Produzent Rolf W. Stoll umfassend, um welches Instrument es sich dabei handelt: Erfunden und vorgestellt wurde es 1921 von Léon Theremin, seinerzeit Leiter des Labors für elektrische Schwingungen am physikalisch-technischen Institut der Universität Petrograd. Das ursprünglich "Aetherophon" genannte Instrument besteht im Prinzip aus zwei Hochfrequenz-Generatoren, einem Drehkondensator und zwei Antennen. Die Schwingungen beider Generatoren (eine feststehend, eine variabel) überlagern sich und erzeugen so einen Sinuston. Der Spieler, der geerdet sein muß, bedient mit je einer Hand eine Spiel- und eine Lautstärke-Antenne. Bei Annäherung bzw. Entfernung der Hand an die Spiel-Antenne ändert sich die Differenz-Frequenz und damit die Tonhöhe. Das später nach seinem Erfinder "Theremin" genannte Instrument wurde zwar zunächst bestaunt und von verschiedenen Komponisten auch eingesetzt, aber die Entwicklungen auf dem Gebiet elektronischer Instrumente seit den fünfziger Jahren überholten es bald; im Bereich der Orchestermusik hatten sich inzwischen die in manchem ähnlich klingenden, jedoch über eine Klaviatur zu bedienenden Ondes Martenot durchgesetzt (prominent etwa bei Messiaen und Koechlin).

Die eigentliche Theremin-Renaissance leitete Lydia Kavina in den siebziger Jahren ein, die das Spiel noch vom Erfinder selbst, ihrem Großonkel, erlernt hatte. Seit 1995 unterrichtet sie das Theremin am Moskauer Konservatorium. Dort lernte auch die Musikerin und Performerin Barbara Buchholz dieses Instrument, dem sie sich mit Leib und Seele verschrieben hat. Ihren Anregungen sind inzwischen einige Weiterentwicklungen zu verdanken, insbesondere ein "Midi-Theremin", mit dem sich Loops und Samples durch Handbewegungen in der Luft auslösen, wodurch sich die Klangmöglichkeiten des Instruments erheblich erweitern.

Das Label Wergo gilt seit langem als Vorreiter in der Verbreitung neuer Musik. Mit dieser Produktion festigt es nachdrücklich seinen Ruf als Wegbereiter: In Zusammenarbeit mit Deutschlandfunk Köln, dem Deutschen Musikrat und der Kunststiftung NRW legt Wergo hier erstmals acht brandneue Auftragskompositionen vor, die zwei Theremine auf ganz unterschiedliche Weise mit anderen Instrumenten kombinieren. Erfreulicherweise kommen im Booklet alle Komponistinnen und Komponisten auch mit kurzen Beschreibungen ihrer Werke zu Wort. Das Resultat beglückt mit einer großen Vielfalt neuer, beeindruckender Klänge in tadelloser Aufnahmetechnik und ist hoffentlich dazu geeignet, das Interesse an diesem Instrument zu vertiefen, welches auf einzigartige Weise Unterhaltungselektronik vermenschlicht – denn das Besondere am Theremin etwa gegenüber den Ondes Martenot ist, daß durch das berührungslose Spiel der Klang ganz der persönlichen Vorstellung des Spielers und seiner Art der Handführung unterworfen ist; dieses elektronische Instrument klingt also bei jedem Spieler anders.

Dr. Benjamin G. Cohrs [12.09.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Olga Bochihina
1Canto Ostinato für 2 Theremine, Klavier und Schlagzeug
Caspar Johannes Walter
2Vakuum-Halluzinationen für 2 Theremine, Violine und Violoncello
Nicolaus Richter de Vroe
3Thereminskie ostrova für 2 Theremine, Klavier und Schlagzeug
Michael Hirsch
4Rezitativ und Arie für 2 Theremine, Violine, Violoncello, Klavier und Schlagzeug
Juliane Klein
5Se vuoi für Theremin, Violine, Violoncello, Klavier und Schlagzeug
Vladimir Nikolaev
6Schwarz-weiße Musik für 2 Theremine, Violine, Violoncello, Klavier und Schlagzeug
Moritz Eggert
7The Son of the Daughter of Dracula versus the Incredible Frankenstein Monster für 2 Theremine, Violine, Violoncello, Klavier und Schlagzeug
Iraida Yusupova
8Kitezh-19 für Theremin und Tonband

Interpreten der Einspielung

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