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DVD-Video-Besprechung

cpo 777 194-2

1 DVD-Video • 2h 15min • 2005

21.08.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Das Wiener Musikfest „Klangbogen“, das alljährlich zur Zeit der Theater-Sommerferien abgehalten wird, bescherte im Jahr 2005 eine ungewöhnliche Operetten-Produktion, die sich vom ersten Tag an als richtiger „Renner“ herausstellte und nun auch als DVD-Aufnahme zugänglich ist: Franz Lehárs Der Graf von Luxemburg in einer vollständig neuen Textbearbeitung, die der Schauspieler, Regisseur und Theaterdirektor Michael Schottenberg verfaßt hat. Statt Paris 1909, wie es im Libretto vorgesehen ist, ist hier Wien der Handlungsort, und zwar in der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, in jener zwielichtigen „Dritte Mann“-Epoche, mit ihrer Mischung aus Schäbigkeit und Glückssuche, aus falschem Glitzer und Schiebertum. Aus dem originalen Grafen wurde ein Schriftsteller namens René Graf, aus dem Maler Armand ein Manfred, der den Wien-typischen Zunamen Prskawetz trägt, aus Angéle und Juliette wurden Sängerinnen des Apollo-Theaters. Besonderer Tiefsinn ist in diesem neuen Text nicht enthalten, aber es ging ja wohl nur darum, dem Publikum einen Riesenspaß zu bereiten. Dieses Ziel wurde auch vollkommen erreicht, nicht zuletzt dadurch, daß drei der Hauptrollen mit Gesangskünstlern besetzt waren, denen man ansonsten als Opern-, Oratorien oder Liedersänger begegnet, also mit ausgesucht untypischen Kräften.

Der Bariton Bo Skovhus besitzt zwar einige Operettenerfahrung, aber diesmal muß er gesanglich weit mehr als sonst geben und sich in Tenorhöhen aufschwingen, die ihm nicht immer zugänglich sind. Mit seiner schlaksigen Darstellung, seinem eigenwillig-spröden Charme erzielt er jedoch gute Wirkung. Als Angèle (hier Angelika) erscheint die Sopranistin Juliane Banse – eine geradezu unglaubliche Besetzung. Diese Sängerin, die stets etwas Puritanisches ausstrahlt, die wesentlich in der keuschen, romantischen Tonwelt von Schumann und Brahms zu Hause ist – als Operettendiva! Sie ist es nicht, ganz abgesehen von ihrer stets umflort klingenden Stimme, sie ist es nicht, auch wenn sie sich „verführerisch“ gibt und in einer Szene sogar bauchfrei erscheint. In diese spezielle Produktion paßt sie jedoch perfekt hinein, denn dieses Nicht-Passende, Nicht-Stimmende stellt ja eine der Haupt-Pointen der Aufführung dar. Die ganze turbulente Szenenfolge, an der wahre Heerscharen von Klein- und Kleinstrollen mitwirken, wird mit viel Selbstironie vorgetragen, es regiert der unbekümmerte, derbe, auch billige Spaß. Wer mitlachen kann, kommt dabei auf seine Rechnung.

Erfreulich ist, daß bei den lyrischen Szenen zwischen Graf und Angelika dann doch eine wohltuend ruhige und gefühlvolle Operettenstimmung eintritt. Rainer Trost ist der dritte aus dem „seriösen“ Fach, er findet sich als Tenor-Buffo gesanglich und schauspielerisch erstaunlich gut zurecht, seine Partnerin Gabriela Bone bleibt dagegen etwas untergewichtig. Massive und unbekümmerte Komik wird sozusagen mit vollen Händen von Andreas Conrad (Basil) und Eva Maria Marold (Anastasia) ausgeteilt. Die Bühnenausstattung von Hans Kudlich und Erika Navas sowie Michael Schottenbergs Regie ziehen ihre stärksten Effekte aus der Persiflage der Nachkriegs-Tristesse. Unter der Leitung von Alfred Eschwé wird mit heiterem Schwung musiziert, was besonders für das Radio-Sinfonie-Orchester Wien gilt.

Ob diese wienerische „Hetz“, die voll von lokalbedingten Anspielungen steckt, auch außerhalb der regionalen Zone verstanden und akzeptiert wird, muß sich erst herausstellen.

Clemens Höslinger [21.08.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Lehár
1Der Graf von Luxemburg (Operette)

Interpreten der Einspielung

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