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CD-Besprechung

Hungaroton HCD 32301

1 CD • 75min • 2005, 2006

20.06.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Daß ich ohne die Musik von Pancho Vladigerov senior nicht leben könnte, kann ich nicht sagen. Und das, obwohl ich gegen einen guten Eklektizismus weitaus weniger einzuwenden habe als gegen eine grausige Originalität. Wenn es allerdings schwer wird, hinter der äußeren Imitation die innere künstlerische Überzeugung und Notwendigkeit auszumachen, dann erlahmt das Interesse rasch – so erbaulich manches Detail auch geraten sein mag.

Nicht zu bestreiten ist freilich, daß der Komponist, wo er sich des spätromantischen Vokabulars und/oder folkloristischer Elemente bediente, einige Unwiderstehlichkeiten geschaffen hat. Sein Welterfolg, die (hier im Original für Violine und Klavier aufgenommene) Rhapsodie Vardar, ist solch ein Stück, das in die Füße geht, die Reflexe trifft und zum großen Beifall reizt. Doch was einen eben noch mitreißt, ist, kaum daß es geendet hat, auch schon wieder in der bodenlosen Wühlkiste der Historie verschwunden, und denselben Effekt haben bzw. machen die meisten der hier versammelten Kammermusikwerke, ob sie nun aus der Jugendzeit stammen wie die disparaten Impressionen op. 7, die mit Debussy und Bartók jonglieren, oder späteren Datums sind wie die teils recht salonorientierten Deux Morceaux op. 20.

Eine entschiedene Ausnahme bildet das frühe Klaviertrio op. 4 des siebzehnjährigen Jünglings, das nicht nur wegen seiner Besetzung und Dimensionen, sondern auch seines musikalischen Gewichtes wegen am Ende eines sonst von je zwei Musiker(inne)n bestrittenen Programms zu stehen kam. Das ist eine wirklich schlüssige, in sich geschlossene, keineswegs geschwätzige Komposition, die aus ihrer Brahms-Begeisterung keinen Hehl macht und in dieser Aufrichtigkeit nun ihrerseits rundum zu begeistern vermag. Selbst das mit scharfen balkanischen Zutaten zubereitete Finale wirkt hier nicht wie mit zu schwachen Nieten angeheftet, sondern ist die schwungvolle Konsequenz eines alle Sinne belebenden romantischen Vollbads. Da scheint mir Pancho Vladigerovs künstlerische Heimat zu sein, und entsprechend glaubwürdig gelingt auch die Interpretation des kraftvollen Stückes.

Abzüge gibt es für die editorische Leistung: Dem Sparzwang, an den inzwischen offenbar die ganze Welt glaubt, sollte nicht die Qualität des Inhalts und der Übersetzungen geopfert werden. Gerade, wenn nur wenig Geld zur Verfügung steht, sollten die Liebe zum Detail und zur Musik für den Ausgleich sorgen ...

Rasmus van Rijn [20.06.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Pancho Vladigerov
1Rhapsodie Bulgare op. 16 für 2 Klaviere (Vardar)
2Deux Improvisations op. 7
3Deux Morceaux op. 20
4Ratschenitza op. 18 No. 2
5Klaviertrio op. 4

Interpreten der Einspielung

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