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CD-Besprechung

Johann Sebastian Bach

Organ Works Vol. 18

cpo 777 135-2

1 CD • 74min • 2005

02.11.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Es ist wohl eines der schlichtesten CD-Covers, das je erschienen ist. Monochromes, lediglich am unteren Rand durch einen schwarzen Balken etwas aufgelockertes Dottergelb, darauf das für diese Serie typische informelle Schriftbild. Und doch ist diese Zurücknahme sinnvoll, verlässt Gerhard Weinsberger mit dem Volume 18 seiner J.S. Bach-Orgelserie doch den gesicherten Hafen der „Originalwerke“, um sich nun Werken zuzuwenden, deren Herkunft nicht eindeutig Bach zugewiesen werden kann.

Der Beihefttext gibt dabei ausführlich über die verschiedenen Grade an Authentizitätsskepsis bzw. die Quellen dieser Zweifel Auskunft. Diese reichen von nicht genau zuzuweisenden Handschriften über singuläre Werke wie etwa das „Kleine harmonische Labyrinth BWV 591“, bei denen vergleichende Textanalysen nicht greifen, bis hin zu Ergänzungen im Notentext, so etwa einem Fragezeichen hinter der Autorenzuweisung an J. S. Bach bei der Fuge in F-Dur BWV Anhang II 42.

Als Hörer ist diese CD also in doppelter Hinsicht spannend. Nicht alleine die Interpretation, sondern auch die Frage, ob denn wirklich Bach hinter diesen Werken steckt, fordert die Konzentration und zeigt, wie schwierig die Frage nach zweifelsfreier Echtheit von historischen Werken zu beantworten ist.

In interpretatorischer Hinsicht setzt Weinberger seinen Weg einer schlichten, aber kraftvollen, und phantasievoll, aber transparent registrierten Werkpräsentation fort. Die Orgeln, die Weinberger auch im Booklet ausführlich präsentiert, sind die gleichstufig temperiert gestimmte Zacharias Hildebrandt-Orgel (1722–23) in der Kreuzkirche Störmthal sowie die nach Werckmeister gestimmte Johann Scheibe-Orgel (1744–46) in der Kirche St. Nicolai in Zschortau, beide in Sachsen.

Die CD beginnt mit der Fantasie in G-Dur BWV 571. Wird der Kopfsatz von Weinberger ganz nach vorne drängend, rhythmisch prägnant und mit mächtig polterndem Pedal gespielt, so lässt der zweite Satz durch seine harmonischen Kühnheiten aufhorchen. Im vollen, festlich Klanggewand und mit zügigem Tempo erklingt der dritte Satz.

Bei den folgenden Orgelchorälen aus einer heute in Berlin verwahrten Handschrift der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist der Grad der Authentizität sehr unterschiedlich. Weinberger spielt die insgesamt zehn aufgenommenen Choräle mit viel Zurückhaltung und sparsam, aber sehr bewusst auf die Textebene hin registriert. So etwa mit luftigem, flötenartigem Klang bei Vom Himmel hoch, da komm ich her BWV Anhang II 64 oder mit reicher Registrierung bei Ein feste Burg ist unser Gott BWV Anhang II 49.

Die Partita O Vater, allmächtiger Gott BWV 758 und die Orgelchoräle aus der Rudorff-Sammlung Leipzig Ms R 24 sind großteils sehr kurze, oft kaum eine Minute lange Miniaturen. Weinberger spielt sie mit viel Zurückhaltung hinsichtlich Ausdruck und Agogik, als wolle er die Zweifel über die Echtheit der Werke nicht zusätzlich durch die Subjektivität seines Spiels belasten.

Mit dem Kleinen harmonischen Labyrinth beginnt der zweite, auf der Johann Scheibe Orgel gespielte Teil der CD. Durch die leichte, helle Registrierung und das schreitende Tempo bleibt der Satz trotz seiner harmonischen Auffälligkeiten transparent und offen.

Ähnlich wie zuvor schafft Weinberger bei den folgenden elf Orgelchorälen aus unterschiedlicher Überlieferung bzw. aus der Sammelhandschrift Yale LM 4843 durch die phantasievolle Registrierung einen verständlichen Textbezug. Hervorgehoben werden kann hier etwa der Gegensatz zwischen dem klaren, luftigen Klangbild in Jesu, meine Freude BWV Anhang II 58 und dem dunklen, bedrohlichen Ton in Durch Adams Fall ist ganz verderbt BWV 705 werden.

Abgeschlossen wird diese nicht nur für Organisten interessante CD durch die Fuge in F-Dur BWV Anhang II 42. Klar in der Phrasierung und in ausgewogenem Tempo verdichtet sich zunehmend das Klangbild.

Die beiden Orgeln wurden sehr direkt aufgenommen, der Kirchenraum ist vor allem bei der Johann Scheibe-Orgel stark reduziert. Dies schafft ein sehr reines, den Orgelklang unverfälscht einfangendes Klangbild, reduziert andererseits aber auch etwas die Atmosphäre.

Robert Spoula [02.11.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Fantasie G-Dur BWV 571
2Erhalt uns Herr bei deinem Wort BWV Anh. II 50 (aus der Berliner Sammelhandschrift Mus. ms. Bach P 285)
3Freu dich sehr o meine Seele BWV Anh. II 52 (aus der Berliner Sammelhandschrift Mus. ms. Bach P 285)
4Es ist gewißlich an der Zeit BWV 755 (aus der Berliner Sammelhandschrift Mus. ms. Bach P 285)
5Ein feste Burg ist unser Gott BWV Anh. II 49 (aus der Berliner Sammelhandschrift Mus. ms. Bach P 285)
6Vom Himmel hoch, da komm ich her BWV Anh. II 64 (aus der Berliner Sammelhandschrift Mus. ms. Bach P 285)
7Vom Himmel hoch, da komm ich her BWV Anh. II 63 (aus der Berliner Sammelhandschrift Mus. ms. Bach P 285)
8Herr Jesu Christ, dich zu uns wend BWV 749
9Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht BWV 750
10Nun ruhen alle Wälder BWV 756
11Sei Lob und Ehr BWV Anh. II 62a (aus der Berliner Sammelhandschrift Mus. ms. Bach P 285)
12O Vater, allmächtiger Gott BWV 758
13Herr Jesu Christ, wahr' Mensch und Gott BWV deest (aus der Rudorff-Sammlung Leipzig Ms. R 24)
14Kleines harmonisches Labyrinth BWV 591
15Wir glauben all an einen Gott BWV 765
16Das Jesulein soll doch mein Trost BWV 702
17Jesu, meine Freude BWV Anh. II 58
18Durch Adams Fall ist ganz verderbt BWV 705
19Ich hab mein Sach Gott heimgestellt BWV 707
20Ich hab mein Sach Gott heimgestellt BWV 708
21Ich hab mein Sach Gott heimgestellt BWV 708a (Choralvorspiel)
22Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ BWV deest (aus der Sammelhandschrift Yale LM 4843)
23Komm heiliger Geist, erfüll die Herzen BWV deest (aus der Sammelhandschrift Yale LM 4843)
24Auf meinen lieben Gott BWV deest (aus der Sammelhandschrift Yale LM 4843)
25Herr Christ, der einig Gottes Sohn BWV deest (aus der Sammelhandschrift Yale LM 4843)
26Fuge in F BWV Anh. II 42

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