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CD-Besprechung

Richard Wagner: Tristan und Isolde

Warner Classics 4 CD 2564 62964 2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 4

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 4

Besprechung: 25.09.06

Warner Classics 2564 62964 2

4 CD • 4h 09min • 2002, 2003

Man nehme einen sogenannten Heldentenor mit mehr „Macken“ als Vorzügen, eine überforderte, tremolierende Sopranistin, einen passablen, aber uncharakteristischen und zu jung klingenden Bass, einen unterbesetzten, profillosen Bariton, einen farbarmen, langweiligen Mezzo, ein durchschnittliches Orchester, einen soliden Dirigenten, der brav den Noten entlangdirigiert, das Ganze kostengünstig konzertant, dafür atmosphärelos aufgeführt – und erhalte? Richtig: einen Tristan wie diesen, so überflüssig wie viele andere unzureichend besetzte Opernlivemitschnitte, die derzeit erscheinen. Und das angesichts von fast sechzig (!) bis heute vorliegenden Tristan-Aufnahmen, davon über fünfzig Livemitschnitte, von denen derzeit immerhin rund zwanzig erhältlich sind, darunter exzellente Einspielungen wie die unter Karajan und Furtwängler, Böhm und C. Kleiber. Marktpolitisch scheinen die CD-Firmen nichts hinzuzulernen, sonst würde man nicht nach wie vor nach dem Prinzip produzieren: Auch ich brauche einen Tristan im eigenen Katalog, egal wie groß und gut das Konkurrenzangebot auch aussehen mag. Man fragt sich schon, wer auf die Idee kommt, einen Tristan mit einem Tenor wie John Treleaven zu besetzen, der zu Zeiten, da Heldentenöre noch nicht zu den so gut wie ausgestorbenen „Dinosauriern“ zählten, über Zwischenfachpartien in der Provinz nicht hinausgekommen wäre. Christine Brewer mag eine talentierte jugendlich-dramatische Sopranistin sein, eine Isolde ist sie jedenfalls (noch) nicht; und wie ihr bedenklich flackriges Vibrato anzeigt, wird sie das wohl auch nicht werden, da ihr die Partie zu viel Dramatik abverlangt. Peter Rose als Marke schneidet noch gesanglich am Besten ab, wenn auch sein Bass zu wenig unverwechselbare Timbrecharakteristik bietet. Boaz Daniel und Dagmar Pecková hingegen sind beide für ihre anspruchsvollen Rollen als Kurwenal und Brangäne zu leichtgewichtig und gestalterisch zu blass. In Runnicles’ zur Überbreite tendierendem Dirigat sind gewiss gelungene Passagen zu entdecken, insgesamt wirkt seine Orchesterführung doch zu wenig kohärent, defensiv und nachgiebig.

Walter Fritz [25.09.2006]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 R. Wagner Tristan und Isolde

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
John Treleaven Tristan - Tenor
Christine Brewer Isolde - Sopran
Dagmar Pecková Brangäne - Mezzosopran
Boaz Daniel Kurwenal - Bariton
Peter Rose König Marke - Baß
Jared Holt Melot - Baßbariton
Eugene Ginty Ein Hirte - Tenor
Jonathan Lemalu Steuermann - Bariton
Mark Le Brocq Ein junger Seemann - Tenor
Apollo Voices Chor
BBC Symphony Orchestra Orchester
Donald Runnicles Dirigent
 
2564 62964 2;0825646296422

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