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CD-Besprechung

Carus 83.161

1 CD • 65min • 2004

11.03.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Daß der französische Großmeister des 19. Jahrhunderts, Charles Gounod (1818-1893), zu Lebzeiten ein hochgeschätzter Kirchenmusiker war, gilt heutzutage fast als Geheimwissen. Tatsache ist aber auch, daß der Welterfolg seiner großen Faust-Oper Margarethe vieles andere in den Schatten stellte. Aus dieser Oper wurde der berühmte Mephisto-Walzer zu einer Art Weltschlager, allenfalls übertrumpft von der als Ave Maria bekannten und durch kitschige Arrangements oft genug entstellten Méditation sur le 1er prélude de Bach. Von einem ganz anderen Gounod zeugt das vorliegende geistliche Programm des Komponisten, der in seinen jungen Jahren Geistlicher werden wollte. Als hochbegabter Rom-Stipendiat hatte er im Vatikan nicht nur eine Art religiöser Erleuchtung erfahren, sondern war von den in der Sixtinischen Kapelle zelebrierten Werken Palestrinas fasziniert. Die Summe der dortigen Erfahrungen sollten – im Zeitalter des Historismus und des musikalischen Cäcilianismus – seinen eigenen Stil nach der Rückkehr in die Heimat prägen. Als Kirchenmusiker und Direktor des Orphéon, dem großen Verband der Pariser Männergesangvereine und Musikschulen, schuf er viele geistliche Chorwerke. Deren Mischung aus romantisierend gläubiger Frömmigkeit, aus Palestrinas Harmonieseligkeit und einer schulpädagogischen Schlichtheit für den Hausgebrauch kirchlicher Laienchöre muß geradezu genial genannt werden.

Es ist ein Verdienst des Carus-Verlages, diese Schätze nicht nur in Notenausgaben der Praxis zurückgewonnen zu haben, sondern den Kammerchor I Vocalisti unter der Leitung seines Gründers Hans-Joachim Lustig als künstlerischen Partner für eine stilgerechte Werkwiedergabe ausgewählter Musica-sacra-Raritäten Gounods zu verpflichten. Ein Gewinn! Darüber hinaus trifft auch Tobias Götting als Organist an der pneumatischen Taschenladen-Orgel von Furtwängler und Hammer aus dem Jahre 1912 in der Evangelischen Kirche St. Gorgonius in Niedernstöcken mit sachkundiger Registerwahl den richtigen, stilgetreuen, andächtig-stimmungsvollen Ton dieser Werke. Die meisterhaft umgesetzte Schlichtheit der Vokalsätze, fern jeder kompositorischen Unbekümmertheit oder gar satztechnischen Naivität, hat alle Interpreten mit spürbarer Hingabe und Versenkung zu überzeugenden Leistungen angespornt. Folgerichtig verdient diese CD rundum eine Spitzenbewertung für alle Mitwirkenden, voran für das rund 30köpfige Vokalensemble mit einem erreichten Höchstmaß an Textpräzision, Klangschönheit und jugendlichem Timbre. Selbst die räumliche Balance der aus dem Chorganzen herausklingenden Solostimmen von Raphaela Mayhaus mit ihrer engelhaft klaren Sopranstimme und der gleichrangigen Altistin Christa Bonhoff neben den Chorsolisten in den Sept paroles du Christ und den Messen bestechen mit ihrer ausgewogenen Dynamik und Agogik. Fazit: das Gesamtergebnis ist von einem Chorgeist gläubiger Hingabe und werkgerechter Makellosigkeit geprägt.

Dr. Gerhard Pätzig [11.03.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Charles Gounod
1Messe brève in C aux chapelles Nr. 7 C-Dur
2Noël (Chant des Réligieuses)
3Béthléem (Pastorale sur un Noël du 18e siècle)
4Les sept paroles du Christ sur la croix
5Messe brève in C aux séminaires Nr. 5 C-Dur
6An evening service
7Pater noster

Interpreten der Einspielung

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