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CD-Besprechung

J.S. Bach • A. Marcello • B. Marcello • A. Vivaldi

naïve 1 CD OP 30301

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 19.10.04

naïve OP 30301

1 CD • 60min • 2000

Grundsätzlich ist es sinnvoll, Johann Sebastian Bachs Konzerte im Kontext dessen zu betrachten, was ab 1700 an italienischen Drucken nach Nordeuropa drang und stilprägend wirkte. Wir wissen, daß Bach einige Konzerte von Vivaldi und Marcello für Cembalo solo bearbeitete, um sich bestimmte Kompositionstechniken anzueignen. Ebenso wissen wir, daß er eigene Violin- und Oboenkonzerte der Köthener Zeit später in Leipzig für Cembalo und Orchester bearbeitete, um passende Werke für seine Konzerte im Café Zimmermann zu haben. Vor diesem Hintergrund ist es auch nicht abwegig, das berühmte „Concerto nach italiänischem Gusto“ BWV 971 aus dem zweiten Teil der Clavier-Übung für Violine und Orchester zu instrumentieren. Eine solche Bearbeitung aber als Rekonstruktion, also als hypothetische Wiederherstellung einer ehemals existierenden Version, zu bezeichnen, geht entschieden zu weit. Dies ist nicht das erste Mal, daß Rinaldo Alessandrini seinen musikalisch durchweg legitimen freien Umgang mit den Quellen wissenschaftlich unredlich verbrämt.

Das Geigenspiel von Francesca Vicari ist übrigens nicht so tonschön, daß man dieser Version von Bachs Italienischem Konzert bleibenden Wert bescheinigen möchte. Ebenso hinterläßt das Concerto Italiano in den Werken von Antonio Vivaldi, Benedetto Marcello und Alessandro Marcello keinen bemerkenswerten Eindruck: Zwar sind seine Artikulation und seine Tongebung nicht so unkultiviert wie bei manch anderen italienischen Ensembles (z. B. L’Europa galante oder Il Giardino armonico), doch sein Abstand zu wirklich sehr guten Orchestern (z. B. zum Venice Baroque Orchestra) bleibt hörbar groß. Da mag es schon eine Quisquilie sein, daß ein Kontrabaß bei den hier ausgewählten venezianischen Stücken im streng historischen Sinne fehl am Platz ist und zumindest bei Alessandro Marcellos berühmten Oboenkonzert regelrecht stört.

Dr. Matthias Hengelbrock [19.10.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 B. Marcello Concerto a cinque e-Moll op. 1 Nr. 2
2 A. Vivaldi Concerto grosso d-Moll op. 3 Nr. 11 RV 565 für 2 Violinen, Violoncello und Streicher (L' estro armonico)
3 A. Marcello Konzert d-Moll op. 1 für Harfe und Orchester
4 J.S. Bach Italienisches Konzert F-Dur BWV 971
5 A. Vivaldi Concerto g-Moll op. 4 Nr. 6 RV 316a für Violine, Streicher und Basso continuo
6 Flötenkonzert Nr. 13 g-Moll op. 10 Nr. 2 RV 439 (La Notte)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Concerto Italiano Ensemble
Rinaldo Alessandrini Leitung
 
OP 30301;0709861303014

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