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CD-Besprechung

Composers Art Label cal-13013

1 CD • 50min • P 2004

23.06.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Der englische Komponist Brian Ferneyhough gilt als Schöpfer der rhythmisch und strukturell komplexesten Partituren der Gegenwart. Seine Musik verschleiert dabei zumeist auch jedes Maß an strukturierter Durchhörbarkeit, im Mittelpunkt steht ein an wild wuchernde Pflanzen oder sprudelndes Wasser gemahnendes Ineinanderfließen von Klängen.

Die vorliegende CD gibt durch die unterschiedlichen Besetzungen und den breiten Spielraum hinsichtlich der Entstehungszeit (1966 bis 1996) eine Übersicht über das Schaffen des 1943 in Coventry geborenen Komponisten.

Die CD beginnt mit dem 1996 geschriebenen Allgebrah für Oboe und neun Solostreicher. Und gleich zu Beginn entfaltet sich jenes für Ferneyhough so typische Wuchern, formen sich zahlreiche Strudel und gewebeartige Strukturen. Das Ohr dringt in diese schäumende Musik mit einer Neugier ein, die jener beim Beobachten von Naturschauspielen im Zeitrafferformat gleicht, wobei sich hinter dem offensichtlichen Chaos ordnende Strukturen offenbaren. Die von Peter Veale mit großer Virtuosität geblasene Oboe und das von James Avery geleitete Ensemble SurPlus verzahnen sich mit scheinbarer Selbstverständlichkeit ineinander, alles wirkt organisch aufgelöst und in gewisser Weise selbstverständlich.

Das bereits 1981 geschriebene Stück Lemma-Icon-Epigram für Klavier solo setzt die Geschwindigkeit und Impulsivität des vorangegangenen Werkes fort, es bleibt aber insgesamt überschaubarer und konventioneller. Ferneyhough orientiert sich hier eigenen Angaben zufolge an bewegenden Mustern aus Schattenwürfen geometrischer Figuren und setzt so eine Tradition fort, die bereits 1924 mit Edgar Varèses Intégrales begonnen hatte. Doch auch ohne diese sehr abstrakte Vorstellung besitzt das von James Avery gespielte Stück seine Reize. Rein pianistisch betrachtet ist es ein hochvirtuoses Stück Klavierliteratur, welchem Avery durch seinen klaren und percussiven Anschlag Klarheit und Transparenz verleiht. Gegen Ende scheint die Musik schlichtweg unter den Händen des Spielers zu versickern.

Auch die 1966 entstandene Coloratura für Oboe und Klavier besitzt bereits ansatzweise jenen zerfahrenen und impulsiven Charakter, der den später entstandenen Werken eigen ist. Veale und Avery spielen hier den kompositorischen Ansätzen gemäß nicht mit- sondern gegen- bzw. nebeneinander. Das Ergebnis gleicht verblüffend einer freien Improvisation.

Eine Sonderstellung nimmt das 1996 entstandene Incipits für Solo Viola, obligates Schlagzeug und Ensemble ein, denn wesentlich stärker als zuvor konzentriert sich Ferneyhough hier auch auf klangliche und räumliche Aspekte. Die von Bodo Friedrich gespielte Viola korrespondiert mit dem sie umgebendem Ensemble und schafft so eine intensive Dialogsituation. Klang, Struktur und Raum ergänzen sich gegenseitig, der Musik bleibt Zeit zum Atmen. Die Klangsprache freilich trägt der typisch Ferneyhough’schen Lust an struktureller Komplexität Rechnung, dennoch offenbart sich hier so etwas wie ein durch die Viola sprechender und vom Schlagwerk aufgegriffener Humor.

So sehr diese Musik die Imagination des Hörers beansprucht, so trocken sind die Kommentare. Ferneyhough schrieb sie selbst, und wie bei fast allen Komponisten, welche über ihr Werk schreiben, beschränkt er sich auf technisch-strukturelle Parameter.

Kaum Wünsche offen lässt dagegen die Klangqualität. Der Klavierklang in Lemma-Icon-Epigram besitzt Referenzcharakter, und auch die Ensemblestücke überzeugen durch ihr ausgeglichenes Maß an Räumlichkeit und Transparenz.

Robert Spoula [23.06.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Brian Ferneyhough
1Allgebrah für Oboe und 9 Solostreicher (1996)
2Lemma-Icon-Epigram für Klavier (1981)
3Coloratura für Oboe und Klavier (1966)
4Incipits für Solo-Viola, obligates Schlagzeug und Ensemble (1996)

Interpreten der Einspielung

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