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CD-Besprechung

RCA 82876 52737 2

1 CD • 56min • 2001

10.10.2003

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Nach den Paganini-Variationen op. 35 von Johannes Brahms erschließt sich Evgeny Kissin weitere Werke eines Komponisten, der in den Repertoire-Überlegungen seiner russischen Kollegen von einst, aber auch jener der mittleren Generation stets eine wichtige Rolle eingenommen hat – freilich mit überraschenden Lücken, ja bewußten Auslassungen. So zeigte sich Sviatoslav Richter niemals bereit, das d-Moll-Konzert oder die f-Moll-Sonate op. 5 aufzuführen. Und von Gilels ist mir keine einzige Einspielung (bzw. Konzertwiedergabe) einer der drei Sonaten bekannt. Auch von Pletnev, Gawrilow oder Krainew habe ich keine Sonatenaufnahmen auffinden können, von Sokolov hingegen schon (op. 5). Dies nur als Fußnote, wenn Kissin mit der monumentalen f-Moll-Sonate vor allem auf mitteleuropäische und amerikanische „Konkurrenz“ wie Kempff (DG), Klien (Vox), Oppitz (RCA) und Katchen (Decca) stößt. Hier fällt es nicht schwer, das aufs Neue überragend zuverlässige, auch in den expressiven Grenzwerten beherrschte, zum Glück niemals „bellende“ Agieren Kissins einzuordnen. Im Vergleich zu Kempffs lockerer, lichtdurchfluteter Kraftentfaltung – Brahms sozusagen auf Arkadienrundreise! – entfaltet sich bei Kissin der Kopfsatz stämmiger, aber nicht ohne jene Portion Elastizität, die der Brahms’schen Dramatik ihre Logik im unverzichtbaren Verbund mit Mühelosigkeit sichert. Die leisen, lyrischen Passagen kommen ohne übertriebene Gestik, schlicht im Sinne von zurückgenommener Passion. Dies gilt auch für den langsamen Satz, dessen finale Steigerung (ffff!) zwingend vorbereitet wirkt – etwas weniger heißfingrig zu Ende gestanzt als in der Katchen-Version. Alles im Folgenden hat Kontur, Farbe und Aroma. Besonders klar und wirbelnd gelingen Kissin die schikanösen Passagen der rechten Hand im Schlußsatz, mit denen Kempff seine liebe Mühe hatte, Katchen eine etwas undeutliche Freude, während Oppitz in diesen Phasen vielleicht zu sehr an reines Klavierspiel dachte. Dies gilt für Kissin auch, wenn er das sprunglebendige Capriccio op. 76,2 nicht schwebend, nicht mehrdeutig genug, für mein Empfinden zu realistisch vorbeiziehen läßt. Imponierend dann in Eigensinn und Brillanz dann die „Ungarischen Tänze“, die seit Katchens ungeschminkt vitaler Einspielung auf Tonträgern nicht so prickelnd, so waghalsig dargeboten worden sind.

Vergleich-aufnahme(n): Ungarische Tänze: Katchen (Decca 430053-2 ZD, bzw. Philips 456 856-2), Biret (Naxos 8.550355)

Peter Cossé † [10.10.2003]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johannes Brahms
1Klaviersonate Nr. 3 f-Moll op. 5
2Intermezzo a-Moll op. 76 Nr. 7
3Capriccio h-Moll op. 76 Nr. 2
4Ungarischer Tanz Nr. 1 g-Moll – Allegro molto
5Ungarischer Tanz Nr. 3 F-Dur – Allegretto
6Ungarischer Tanz Nr. 2 d-Moll – Allegro non assai
7Ungarischer Tanz Nr. 7 F-Dur – Allegretto
8Ungarischer Tanz Nr. 6 Des-Dur – Vivace

Interpreten der Einspielung

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