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CD-Besprechung

Naxos 8.555860

1 CD • 62min • 2001

03.07.2003

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Wer Arvo Pärt folgen will auf dem Weg in die „freiwillige Armut“, muß sich vorbehaltlos verabschieden von den Idealen der letzten 300 Jahre, von Drama und Diskurs, von den Nachtwanderungen der Psychologie und jeglicher Anwandlung zur Selbstbespiegelung. Der Brite Antony Pitts hat sein Ensemble Tonus Peregrinus ebenso gründlich wie akribisch auf diese geistige Herausforderung vorbereitet: auf die gemeinsame Aufnahme der von Pärt 1982 vollendeten Johannes-Passion. Mit beachtlicher Strenge und Lauterkeit, mit asketischem Spiel und schmucklosem Gesang versenken sich die Musikerinnen und Musiker in die Exerzitien des estnischen Komponisten. Einzig der Tenor Mark Anderson durchbricht die Regel und trägt ein Moment des Darstellerischen in die Rolle des Pilatus, eine Subjektivität, wie sie Pärts Kunst fundamental fremd bleiben muß. Der Bassist Robert Macdonald dagegen singt die Worte Jesu zwar etwas rauhkehlig, doch mit unbeirrbarer Autorität. Die Tontechnik rückt seine nur von der Orgel begleitete Stimme in einen weiten Raum und verleiht der vox Christi mit dezenter Klangregie eine eigentümliche Würde und Majestät, „nicht von dieser Welt“.

Die anderen Partien, das Volk und die Nebenfiguren, sind in Pärts Passionsmusik durchweg dem Chor anvertraut, der unter Antony Pitts’ akkurater Leitung in kleiner, achtköpfiger Besetzung mit Klarheit, Schlichtheit und tadelloser Intonation musiziert. Ausgerechnet aber der Evangelist enttäuscht. Arvo Pärt komponierte dessen Part für ein Doppelquartett: für vier Instrumente, die auf dieser CD allerdings nur recht schwach und undeutlich zu vernehmen sind (von der Oboe einmal abgesehen); und für Sopran, Alt, Tenor und Baß. Die vier Solisten des Tonus Peregrinus bewähren sich zwar im uneitlen Dienst am Wort, auf die Dauer jedoch kann der Respekt, den die kluge stilistische Selbstkontrolle gebietet, für den spröden, dünnen, schütteren Stimmklang der vier Sänger und den Mangel an vokaler Schönheit und Leuchtkraft nicht entschädigen.

Bei der kargen Gestaltung des Begleitheftes allerdings hätte man am Prinzip der „freiwilligen Armut“ nicht festhalten müssen. Der lateinische Gesangstext wird lediglich von einer englischen Übersetzung flankiert, und der lesenswerte Artikel des Dirigenten Antony Pitts erscheint nur in der Originalsprache.

Susanne Stähr [03.07.2003]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Arvo Pärt
1Passio

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