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Besprechung CDHans Winterberg

Hans Winterberg

Chamber Music Vol. 3

eda records 057

1 CD • 65min • 2025

09.10.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Schaffte es zu Lebzeiten Hans Winterbergs (1901–1991) kein einziges Werk seines umfangreichen Schaffens in den Druck, hat der Verlag Boosey & Hawkes in Zusammenarbeit mit dem Exilarte Zentrum in Wien nach der Wiederentdeckung des ab 1947 in Bayern lebenden Prager Komponisten inzwischen seine gesamte Kammermusik herausgegeben; und das ist erst der Anfang. Ebenso erfreulich sind die immer zahlreicheren Aufführungen und neuen CD-Einspielungen. Drei der vier hier vorgestellten Stücke sind wieder Erstaufnahmen.

Winterbergs frühestes Kammermusikwerk

Erst kürzlich entdeckt und nicht Teil von Winterbergs offiziellem Nachlass im Sudetendeutschen Musikinstitut (Regensburg), ist das Quintett (1935) mit der ungewöhnlichen Besetzung Violine, zwei Klarinetten, Horn und Klavier wohl sein erstes Kammermusikstück. Schon hier wird die Bedeutung des Komponisten als Bindeglied zwischen Mahler, Zemlinsky und Janáček einerseits und der Zweiten Wiener Schule andererseits klar; ebenso, dass sich Winterberg über seine Auseinandersetzung mit Janáček und Schönberg schnell emanzipiert haben muss. Das klanglich ungemein ansprechende Werk nutzt im ersten und dritten Satz die für Winterberg so typische Technik, Ostinati mit kurzen motivischen Zellen rhythmisch recht komplex zu verbinden. Über Strecken entwickelt sich so ein apart-unaufdringlicher Drive, der von angedeutet jazzartigen wie volkstümlichen Elementen geprägt wird. Das mittlere Andante hat mit seinen sehnsüchtig-träumerischen Abschnitten und einer kurzen, rascheren Episode viel von der Expressivität Schönbergs, ohne ein harmonisches Fundament ganz aufzugeben – wirklich faszinierend.

Kriegswirren und neue Sicherheit

Als mit einer „Volksdeutschen“ verheirateter Prager Jude entging Winterberg bis Ende 1944 vorerst der Deportation nach Theresienstadt, litt jedoch unter den Maßnahmen der Rassengesetze und musste etwa Zwangsarbeit leisten. Sein Streichquartett Nr. 2 entstand 1942, im Jahr, in dem die Nazis seine Mutter ermordeten. Äußerlich klassisch in vier Sätze gegliedert, die freilich alle ihre eigenen formalen Gesetze entfalten, erreicht das recht umfangreiche Werk eine enorme Ausdruckstiefe, was vom Adamello Quartett mit Sinn für die konsequente Entwicklung auf das abschließende, befreiend wirkende Rondo hin überzeugend vorgetragen wird. Für die Einspielung des Werks mit dem Amernet String Quartet (Toccata) stand übrigens das Manuskript des Finales noch nicht zur Verfügung, so dass nun hier dieses Quartett erstmals vollständig aufgenommen wurde. In der Rhapsodie für Posaune und Klavier (1951) – eher eine Art Sonatine – spiegelt sich Winterbergs Wertschätzung für Hindemith. Klanglich intelligent und dankbar geschrieben, ergibt sich ein echter, unkomplizierter Dialog.

Ein spätes Klarinettenquintett

Das Quintett für Klarinette plus Streichquartett von 1982/82 ist Winterbergs letztes Kammermusikwerk, und tatsächlich ein wunderbares. Der Komponist muss sich hier nichts mehr beweisen, verzichtet auf äußere Virtuosität und vertraut einer abgeklärten, unmittelbar berührenden Innigkeit. Die solistische Rolle der Klarinette wird nicht infrage gestellt. Der zweite Satz wird als schlichte Liedform gestaltet. Im heiteren Finale finden sich nochmals Winterbergs rhythmische Polyphonie und ein unerwartetes Zitat aus dem Quintett von 1935; hier schließt sich ein Kreis. Die Darbietungen aller Stücke werden der hohen Qualität dieser Musik absolut gerecht und sind in jedem Moment zwingend. Mittlerweile scheinen nicht nur die schon an beiden vorausgegangenen Folgen beteiligten Künstler ein untrüglich feines Gespür für das spezielle Idiom von Winterbergs Musik entwickelt zu haben. Der Booklettext von Frank Harders-Wuthenow, der auch die Notenausgaben bei Boosey & Hawkes betreut, ist umfassend informativ und die Aufnahmetechnik ebenfalls tadellos.

Vergleichsaufnahme (Streichquartett Nr. 2): Amernet String Quartet (Toccata TOCC 0683, 2022)

Martin Blaumeiser [09.10.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Hans Winterberg
1Quintett für Violine, 2 Klarinetten, Horn und Klavier 00:18:50
4Streichquartett Nr. 2 00:25:02
8Rhapsodie für Posaune und Klavier 00:07:41
9Quintett für Klarinette und Streichquartett 00:13:29

Interpreten der Einspielung

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