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Besprechung CDJohanna Summer

Johanna Summer

Dialoge

Act 8024-2

1 CD • 41min • 2025

04.07.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Die Jazzpianistin Johanna Summer, geboren 1995 in Plauen als Johanna Summerer, interessiert sich schon länger, eigentlich mehr oder minder ihre gesamte bisherige Laufbahn hindurch, für Begegnungen zwischen Jazz und klassischer Klaviermusik. So gibt es ein „Schumann-Album“ von ihr und eines mit „Liedern ohne Worte“, wohinter sich Adaptionen von Stücken von Chopin bis Chatschaturjan verbergen, u.a. unter Mitwirkung von Igor Levit. Dieses „Dialogisieren“ setzt Summer auf ihrem vorliegenden neuen Album fort und treibt es in gewisser Weise noch weiter, denn hier sind neben Summer mit Claire Huangci, Danae Dörken, Kit Armstrong und wiederum Igor Levit nicht weniger als vier prominente Pianisten unserer Tage beteiligt, mit denen sie über Stücke von sechs verschiedenen Komponisten die titelgebenden Dialoge führt.

Original und Reaktion darauf

Die Grundidee ist dabei, dass jeder ihrer vier Partner ein vorher nicht genanntes und oft genug auch überhaupt ihr unbekanntes Klavierstück spielt, auf das Summer dann per Improvisation reagiert – zu verstehen in Ansätzen als eine Art improvisierte, spontane Variation bei Erstkontakt, natürlich im freien Sinne. Was Summer aufgreift, kann ein rhythmisches Muster sein, eine Akkordfolge, ein Spezifikum des Klaviersatzes oder eine ornamentale Figur, transformiert in ihre musikalische Welt, etwa was Rhythmus oder Harmonik anbelangt. Ein Paradebeispiel dafür, wo dies ganz unmittelbar mitzuerleben ist, sind Track 13 und 14, wenn Summer explizit die absteigende Figur aufgreift, die der Hörer soeben noch aus den Händen von Claire Huangci vernommen hat. In vielen Fällen, aber längst nicht immer sind dabei die beiden Paare, Reiz und Reaktion sozusagen, auf der CD wie in diesem Beispiel nacheinander angeordnet, also in der „natürlichen“ Reihenfolge Original und Variation.

Verschiedene Ansätze je Dialogpartner

An dieser Stelle gilt es, ein wenig weiter ins Detail zu gehen, denn das genaue Vorgehen unterscheidet sich je nach Dialogpartner. Mit Danae Dörken interagiert Summer ziemlich genau auf die oben beschriebene Weise; Dörken hat sich dabei drei der Elf Präludien (1947) von Mikis Theodorakis (1925–2021) sowie das vierte der Fünf Präludien (1939) von Manolis Kalomiris (1883–1962) ausgesucht. Mit Claire Huangci verhält es sich ähnlich, wobei Huangci allerdings die beiden von ihr ausgewählten Werke, nämlich die Musica Nara op. 25 (2005) der japanischen Komponistin Minako Tokuyama (Jg. 1958) sowie das Prelude (2023) des chinesisch-amerikanischen Komponisten Zhou Tian (Jg. 1981), nur in einigen überdies voneinander getrennten Ausschnitten präsentiert. Bei Kit Armstrong und Igor Levit finden die Dialoge dagegen im Zusammenspiel statt, d. h. man erlebt Armstrom und Summer gemeinsam mit einem fast mikroskopisch kurzen, eher entwurfsartigen Fugatino sowie zwei (wie man sagen könnte) „Fantasien“ über Guillaume de Machauts Douce Dame Jolie sowie Beethovens Mondscheinsonate, Letzteres als Blutmond bezeichnet. Ähnlich verhält es sich mit Levit und dem Andantino de Clara (Wieck) aus Schumanns Klaviersonate Nr. 3. All dies ergibt ein Programm von gut 40 Minuten Spieldauer, aufgeteilt auf 25 Tracks, insgesamt also deutlich miniaturhaft angelegt.

Sich einfühlen, aufgreifen und reflektieren als Prinzip

Bei ihren Improvisationen geht es Summer nicht um dezidierte Kontraste zu ihren Vorlagen, sondern eher um ein Sich-Einfühlen, Aufgreifen und Reflektieren. Insbesondere ist das Jazzelement zwar meistens spürbar, steht aber nicht notwendigerweise im Vordergrund – hier mag gerade der eher legere Beginn (Arrival, wie das Ende dann auch eine Departure ist) zunächst womöglich etwas täuschen. Eher schon erscheinen die Improvisationen als durchaus angenehme, nicht selten intim-gedämpft gehaltene kleine musikalische Augenblicke. Die Duobeiträge mit Armstrong und Levit sind nicht nur im Allgemeinen etwas umfangreicher, sondern gehen in diesem Zusammenhang auch weiter, bis hin zu einem recht pathetisch auftrumpfenden Höhepunkt in Blutmond – was mich in summa etwas weniger überzeugt. An seinen besten Stellen ist dies ein persönlich geprägtes, durchaus stimmungsvolles und von Zwischentönen geprägtes Album von Johanna Summer.

Holger Sambale [04.07.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johanna Summer
1Arrival 00:02:08
Mikis Theodorakis
2Sostenuto e cantabile 00:02:11
Minako Tokuyama
3Obstinacy 00:01:01
Johanna Summer
4On a Mission 00:00:30
5Figatino 00:00:36
Zhou Tian
6Espressivo, poco animato 00:00:47
Johanna Summer
7Can Only Be Me 00:01:58
8Silhouettes 00:00:50
Manolis Kalomiris
9For Lila Lalaouni 00:02:06
Johanna Summer
10Andantino de Clara (nach Robert Schumann) 00:03:15
11Mirage 00:01:35
Mikis Theodorakis
12Adagio 00:01:16
Minako Tokuyama
13Laughing Buddha 00:00:33
Johanna Summer
14Seeing Faces 00:01:33
15Evening Edge 00:02:12
Mikis Theodorakis
16Andante semplice 00:01:14
Johanna Summer
17Douce Dame Jolie (nach G. de Machaut) 00:02:29
18Blue Deep 00:01:31
Minako Tokuyama
19Deva King 00:01:30
Johanna Summer
20Your Embrace 00:01:57
Zhou Tian
21Allegro con brio 00:01:26
Johanna Summer
22Sergei's Spirit 00:01:10
23Blutmond (nach L. v. Beethoven) 00:04:42
Minako Tokuyama
24Silence, After the Temple Gong 00:01:04
Johanna Summer
25Departure 00:01:31

Interpreten der Einspielung

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