Konzerthaus Dortmund: Zeitinsel mit Lera Auerbach
Neues Streichquartett und Neufassung der „Arctica“-Sinfonie
Die künstlerischen Facetten von Lera Auerbach stehen im Fokus der aktuellen „Zeitinsel“ am Konzerthaus Dortmund. Der Programmschwerpunkt beginnt am 5. November, die Komponistin präsentiert unter anderem ihr neues Streichquartett und dirigiert eine Neufassung ihrer Arctica-Sinfonie. Die Zeitinsel-Reihe ist eines der beliebtesten Formate am Konzerthaus Dortmund. Das seit vielen Jahren stattfindende mehrtägige Festival ist jeweils einer Persönlichkeit der Gegenwartsmusik gewidmet und stellt in Konzerten und Gesprächsrunden deren Werke und Interpretationen, aber auch traditionelle Musik in den Fokus. Erst vor drei beziehungsweise vier Jahren waren Sofia Gubaidulina und Ondrej Adámek zu Gast; vom 5. bis zum 7. November 2026 ist es die russisch-amerikanische Komponistin Lera Auerbach.
Uraufführung im Eröffnungskonzert
Lera Auerbach ist Komponistin, Pianistin, Dirigentin, Dichterin, Malerin und Bildhauerin, und die Liste ihrer künstlerischen Tätigkeiten ließe sich noch mühelos verlängern. Beim Zeitinsel-Festival des Konzerthauses Dortmund wird es im Eröffnungskonzert am 5. November schon gleich zur Uraufführung ihres neuen, im Auftrag des Konzerthauses Dortmund komponierten Streichquartetts Nr. 11 Nox: tenebrae lucis mit dem Ariel Quartet kommen. Das Ensemble stellt es in den Kontext von Johannes Brahms’ Streichquartett c-moll op. 51 Nr. 1 und des frühen Streichquartetts Nr. 3 Cetera desunt Auerbachs. Auch letzteres Werk trägt einen außermusikalischen Untertitel – wie alle Streichquartette der Komponistin; er bezieht sich auf ein Zitat des argentinischen Schriftstellers Jorge Luis Borges: „Ein Mensch macht es sich zur Aufgabe, die Welt abzubilden. Im Laufe der Jahre füllt er eine bestimmte Fläche mit Bildern von Provinzen und Königreichen, Bergen, Buchten, Schiffen, Inseln, Fischen, Räumen, Instrumenten, Himmelskörpern, Pferden und Menschen. Kurz vor seinem Tod entdeckt er, dass dieses geduldige Labyrinth von Linien eine Zeichnung seines eigenen Gesichts ist. Sapienti sat. Cetera desunt.“
Wechselspiel zwischen Anfang und Ende
Dem Werkkommentar zu ihrem neuen 11. Streichquartett mit dem Untertitel „Nacht: Dunkelheit des Lichts“ stellt Auerbach einen Aphorismus aus ihrem 2015 veröffentlichten Buch „Excess of Being“ voran: „Gib der Dunkelheit nicht die Schuld an den Schatten. Sie werden durch das Licht verursacht.“ „Der zyklische Durchlauf von Abend, Nacht, Morgendämmerung und Tag“, erklärt die Komponistin weiter, ist seit jeher mit tiefer Symbolik verbunden. Er spiegelt die Vergänglichkeit des Lebens wider sowie das Wechselspiel zwischen Anfang und Ende, dem Bekannten und dem Unbekannten. Die Dunkelheit – gefürchtet und verehrt zugleich – verkörpert das Unsichtbare, das Unerforschte und das Verborgene, sowohl in der äußeren Welt als auch in den inneren Gefilden der menschlichen Psyche.“
Dirigat der revidierten Arctica-Sinfonie
Am 6. November leitet Lera Auerbach im Rahmen des Zeitinsel-Festivals ein Konzert des MDR-Sinfonieorchesters und -Rundfunkchors, bei dem neben Werken von Veljo Tormis, Alexander Mossolow und Charles Ives auch ihre Sinfonie Nr. 4 Arctica zu hören ist. Auerbach hat sie im Auftrag des Konzerthauses Dortmund nun noch einmal revidiert.
Das im Auftrag der National Geographic Society komponierte Werk thematisiert die Schönheit und die mystische Klangwelt der Arktis, aber auch die Gefährdung dieser Region infolge der globalen Erwärmung. Neben dem historischen elektronischen Instrument Theremin (gespielt von Thorwald Jørgensen) ist auch der grönländische Schauspieler und Trommler Hans-Henrik Suersaq Poulsen mit Gesang und einer traditionellen Trommel seiner Heimat an der Aufführung beteiligt.
Gesprächskonzert und Abschlusskonzert
Am Vormittag des 7. November begleitet Lera Auerbach am Klavier den Cellisten Claudio Bohórquez bei ihren 24 Präludien für Violoncello und Klavier op. 47. Der Zyklus ist Teil einer umfangreichen Werkfolge von 24 Präludien für unterschiedliche Besetzungen (op. 34, 41, 46 und 47). Am Nachmittag erörtert Konzerthaus-Intendant Raphael von Hoensbroech zusammen mit Lera Auerbach im Gesprächskonzert „Salut“ ihre Arbeit und ihre Pläne.
Im abendlichen Abschlusskonzert steht Auerbachs faszinierendes 72 Angels für Chor und Saxophonquartett auf dem Programm; Philipp Ahmann leitet das vom Raschèr Saxophone Quartet begleitete Chorwerk Ruhr.
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