Klassische Musik und Videokunst: Die Mikrokonzerte mit Kent Nagano
Audiovisuelle Konzertserie des Philharmonischen Staatsorchesters im Stream
Mit den Mikrokonzerten haben Kent Nagano und die Philharmoniker die Zeit der Pandemie genutzt, neue Wege der digitalen Musikvermittlung und -rezeption zu beschreiten. In Zusammenarbeit mit internationalen Videokünstlern entstand ein Zyklus von fünf audiovisuellen Konzertprogrammen als Antwort auf die Zeit der Krise. Nach einem exklusiven Streaming bei Radio France sind die Videos ab sofort auch auf den Kanälen des Philharmonischen Staatsorchesters und der Staatsoper Hamburg online.
Klassische Konzertmusik und Videokunst haben üblicherweise wenig Berührungspunkte, da visuelle Übertragungen von Orchesterkonzerten meist dokumentarisch umgesetzt werden, in dem die Kamera dem Fluss der Musik folgt, Interpreten und Instrumente zeigt. Im Gegensatz dazu hat das Musikvideo aus der Popmusik bereits eine Jahrzehntelange Entwicklungsgeschichte hinter sich und eigene ästhetische Formen hervorgebracht. Mit den Mikrokonzerten bringen Generalmusikdirektor Kent Nagano, Opern- und Orchesterintendant Georges Delnon und das Philharmonische Staatsorchester Hamburg nun klassische Musik mit aktueller Videokunst zusammen.
Fünf kompakte Konzertprogramme
In fünf kompakten Konzertprogrammen von jeweils rund halbstündiger Dauer hat Kent Nagano kurze Musikwerke thematisch zu Phasen der Pandemie der letzten zwei Jahre zusammengestellt. Zur Visualisierung der fünf Programme wurden von Georges Delnon internationale Videokünstler ausgewählt: Luis August Krawen, Jonas Englert, Zbig Rybczyński/Dorota Zglobicka, Michael Bielicky/Kamila B. Richter und Virgil Widrich. „Wir wollten nicht noch das x-te Konzertstreaming produzieren, sondern den Zuschauerinnen und Zuschauern neue Bilder zeigen und Freiraum für assoziative Imagination lassen“, beschreibt Orchester- und Opernintendant Georges Delnon die visuelle Konzeption des Projekts. Avatare wie ein animierter Kent Nagano, stark verfremdetes Bildmaterial des Orchesters, Webcam-Aufnahmen oder sogenanntes „found footage“ geben der Musik einen teilweise völlig neuen Rezeptionshorizont.
Für Kent Nagano war und ist das Projekt eine Herzensangelegenheit und die Chance zu betonen, wie wichtig, relevant und notwendig Musik in Zeiten der Krise ist. Die Phase des Lockdowns nutzte er mit dem Orchester, um das ehrgeizige Projekt zu realisieren: „Die Mikrokonzerte sind eine Art musikalisches UFO, etwas, das keinem bisher bekannten ähnelt. Jedes Konzert transportiert eine Botschaft und erzählt eine Geschichte, die zeigt, wie tief Musik heute in der Gesellschaft verankert ist – ein besonderes Projekt, modern in Struktur und Form, das erst in der Situation der Pandemie entstehen konnte. Durch die Visualisierung wird jedes Mikrokonzert zu einer echten Kreation“, so Kent Nagano.
25 Werke, darunter Musik von Widmann, Schumann, Beethoven, Bach, Villa-Lobos, Dutilleux bis hin zu Xenakis wurden eingespielt. Neben Nagano und den Philharmonikern sind hochkarätige Gäste dabei: So singt Klaus Florian Vogt Mahlers Von der Jugend und Katharina Konradi, Jana Kurucová und Georg Nigl interpretieren Ligetis avantgardistische Nouvelles aventures. Weitere Mitglieder des Hamburger Staatsopernensembles wie Hellen Kwon, Gabriele Rossmanith, Kristina Stanek, Kady Evanyshyn, Bernhard Hansky singen in Werken von Bartók und Schönberg und auch externe Ensembles wie der Harvestehuder Kammerchor und der Rundfunkchor Berlin sind mit Werken von Brahms und Schönberg zu erleben.
Online abrufbar sind die Mikrokonzerte bis zum 22. Oktober 2022 auf www.staatsorchester-hamburg.de/mikrokonzerte, auf www.youtube.com/PhilharmonikerHH sowie auf www.radiofrance.fr/francemusique.
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