Der Nussknacker - Mariinsky Ballett an Weihnachten im Festspielhaus Baden-Baden
An Weihnachten wird im Festspielhaus Baden-Baden mit dem Nussknacker ein altes deutsches Märchen durch russische Tänzerinnen und Tänzer auf prachtvolle Weise zu neuem Leben erweckt. Die Musik schuf Peter Tschaikwosky - noch gibt es Eintrittskarten. Der weltweit beliebteste aller russischen Ballettklassiker Der Nussknacker hat deutsche Wurzeln: E.T.A. Hoffmanns Novelle Nussknacker und Mausekönig lieferte die Vorlage für das große Familienballett Der Nussknacker, das auch in diesem Jahr wieder an Weihnachten im Festspielhaus gastiert - in der prachtvollen, traditionsreichen Version des Mariinsky Balletts, wo das Werk einst entstand. Für die Aufführungen am 25. und 26. Dezember 2017 gibt es noch Karten an der Abendkasse oder telefonisch unter Tel. 07221 / 30 13 101.
In Hoffmanns Erzählung verliebt sich die junge Marie sich in ihr Weihnachtsgeschenk, einen geschnitzten Nussknacker. Im Ballett wird der Nussknacker zum Prinzen, mit ihm wirbelt sie in den verschneiten Wald hinaus, tanzt mit Schneeflocken und Süßigkeiten. Peter Tschaikowsky schrieb dazu seine schönste, farbenreichste Ballettmusik - obwohl er eigentlich gar nicht glücklich war mit der Wahl des Sujets. Sein Vorgesetzter, Iwan Wsewoloschsky, als Direktor des St. Petersburg Mariinsky-Theaters einer der Vorgänger von Valery Gergiev, hatte nach dem Erfolg von Tschaikowskys Dornröschen wieder einen Märchenstoff ins Auge gefasst, der für die damals beliebte „Ballett-Féerie“, das heißt als fantastisches Ballettmärchen passen könnte. Man ließ die dunkleren Aspekte bei E.T.A. Hoffmann weg und hielt sich ans zeitgenössische Schema: Im ersten Akt dominieren Erzählung und Pantomime, der zweite, fast handlungslose Teil wird zu einer Abfolge von virtuosen Tänzen samt Grand Pas de deux und Schlussapotheose. Die Uraufführung fand am russischen Nikolaustag des Jahres 1892 statt. Der Nussknacker wurde an einem Abend mit Tschaikowskys letzter, einaktiger Oper Jolanthe gezeigt, seine Partitur ist deshalb kürzer als die von Schwanensee und Dornröschen.
Obwohl Tschaikowsky haarkleine Taktvorgaben vom Ballettmeister Marius Petipa erhielt und sich als Theaterpraktiker auch getreulich daran hielt, ragt seine Partitur mit den großen romantischen Aufschwüngen und fantasievollen Klangfarben weit über die damalige Ballett-Gebrauchsmusik hinaus. In Paris hatte er kurz zuvor die neu erfundene Celesta mit ihrem „göttlich wunderbaren Klang“ gehört. Er ließ eines der teuren Instrumente nach St. Petersburg bringen, wo der magische Glöckchen-Klang im zweiten Akt des Nussknacker zum Einsatz kommt. Für die Kinderwelt erfand er einfache Melodien und kleine Märsche, instrumentiert mit Kindertrompeten oder Trommeln. Der Schneeflockenwalzer malt nicht nur den wirbelnden Sturm nach, sondern entrückt mit den wortlos singenden Kinderstimmen geradezu ins Mystische. Erfinder des weißen Aktes in Schwanensee Petipa wurde zu Beginn der Proben krank, weshalb sein zweiter Ballettmeister Lew Iwanow die Choreographie übernahm; ihn kennen wir vor allem als Erfinder der weißen Akte von Schwanensee, wie sie bis heute als Kernstück dieses Werkes überliefert sind. Wenig ist von der Uraufführung überliefert. Die alte Ballett-Féerie galt im Sowjetreich als überholt, nun war vorwärtsstürmender Tanz gefragt und eine gesellschaftspolitische Haltung. Aber die Russen liebten ihren Nussknacker.
Vasily Vainonen stellte das Märchen in seiner Neufassung von 1934 auf etwas realistischere Beine: Marie, das junge Mädchen an der Schwelle zur Frau, erlebt das Geschehen nun als Traum, aus dem sie am Ende wie verwandelt erwacht. Seit über 80 Jahren wird diese klassisch-romantische Version jetzt am Mariinsky-Theater gezeigt. 1954 erneuerte Simon Virsaladze die Ausstattung mit einem riesigem Weihnachtsbaum, filigranen Schneeflocken-Kopfputzen und einer exotischen Kostümpracht im Lande Konfitürenburg. Aus dem großbürgerlichen Biedermeier-Deutschland nahm Nussknacker seinen Weg über das zaristische St. Petersburg in die neue Welt und hat seit vielen Jahrzehnten die USA zu seinem bevorzugten Wohnsitz erkoren: Dort spielen kleine und große Ballettkompanien im Dezember wochenlang den Nutcracker, viele von ihnen können ohne die Einnahmen aus diesem Werk nicht überleben.
Das Festspielhaus zelebriert das Weihnachtsballett in der schönen russischen, sorgfältig ausbalancierten Mischung aus kindlicher Fantasie, feinstem Charaktertanz, virtuosen Ballettvariationen und einem aus Tschaikowskys Musik geborenen Corps de ballet.
Weitere Informationen: www.festspielhaus.de.
Informationen uznd Eintrittskarten: Tel. 07221 / 30 13 101.
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