Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

Emilie Mayer

Piano Trios • Notturno

Emilie Mayer

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 02.05.17

cpo 555 029-2

1 CD • 63min • 2015

Emilie Mayer (1812-1883) konnte sich über einen Mangel an Anerkennung nicht beklagen. Seit ihrem Berliner Debüt als Komponistin im Jahre 1850 waren ihr die Kritiker wohlgesonnen; ihre symphonischen und kammermusikalischen Werke fanden großen Anklang; um ihr tägliches Leben mußte sie sich nicht sorgen – und doch hält es die Autorin des Einführungtextes für angebracht, die alte Leier anzustimmen, wonach es auch dieser (unvermählt gebliebenen) Dame „trotz ihrer ungeheuren Produktivität zeitlebens nicht möglich [gewesen sei], von ihren Kompositionen zu leben“. Die Frage, wer das – außer vielleicht Gioacchino Rossini, Richard Strauss und einigen geschäftstüchtigen Artgenossen – überhaupt je geschafft hätte, wird vorsichtshalber gar nicht erst gestellt ...

Anstatt jedoch auf die verschiedenen Widersprüchlichkeiten des Textes einzugehen – mal heißt es, Frau Mayer habe drei, dann wieder nur zwei Klaviertrios veröffentlicht –, widme ich mich den hier versammelten Stücken, die schon beim ersten Hören einen eigenartig originellen Eindruck hinterlassen haben. Eigenartig, weil hinter der Maske traditioneller Formgebungen und vieler Vertrautheiten eine ausgeprägte Persönlichkeit steckt; und originell, weil Emilie Mayer zwar ihren Beethoven, ihren Schubert, ihren Mendelssohn und ihren Schumann gekannt, ihre Kenntnisse aber mit bisweilen geradezu experimentellen Absonderlichkeiten durchsetzt hat: Da gibt es wunderliche Stimmführungen und pianistische Kapriolen, die plötzlich wie aufgezogene Uhrfedern abschnurren; verzwicktes thematisches Spielwerk (im Finale des Opus 13 etwa) und entzückende, neckische pizzikato-Tupfer (insbesondere im Kopfsatz des Opus 16); dann wieder werden schlichte Gesten, wie sie in Beethovens Sonatinen vorkommen, zu eindrucksvollen Texturen verdichtet, und markant akzentuierte Scherzo-Elemente kräftig umhergewirbelt. Mal rumpelt Frau Mayer herzhaft los, mal gibt sie sich unverhohlenen Sentimentalitäten hin, denen das Trio Vivente indessen, so scheint es mir, mit einiger Zurückhaltung begegnet – was vermutlich geschieht, um die Reputation der Urheberin nicht zu schädigen, dem sinnlichen Erscheinungsbild dieser Episoden aber nicht wirklich zuträglich ist. Man hätte sich in solchen Momenten das Notturno op. 48 als Richtschnur nehmen sollen, das Jutta Ernst am Klavier und Anne Katharina Schreiber auf der Geige mit vielem Geschmack und wohltuender Empfindsamkeit ausgekostet haben, ohne dass dieser (vermutlich letzten) Kreation der selbstbewußt und daher erfolgreich gewesenen Komponistin dadurch der geringste Schaden entstanden wäre.

Rasmus van Rijn [02.05.2017]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 E. Mayer Klaviertrio h-Moll op. 16 00:25:44
5 Notturno d-Moll op. 48 00:06:26
6 Klaviertrio D-Dur op. 13 00:30:55

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Trio Vivente Klaviertrio
 
555 029-2;0761203502929

Bestellen bei jpc

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

⇑ nach oben

Entschleunigte Feinfühligkeit, forsche Damenpranke

Edition Stefan Askenase

Noch in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts konzertierte der aus dem galizischen Lemberg stammende Pianist Stefan Askenase reglemäßig in den europäischen Konzertsälen. Das ältere Publikum hatte den Chopin-Interpreten gleichsam abonniert, bei den Jüngeren und im abgehobenen Kreis des deutschsprachigen Kritikernachwuchses galt der zierliche belgisch-polnische Theodor Pollak- und Emil von Sauer Schüler als Vertreter einer konservativen Handhabe, als ein leibhaftiges Fossil vergangener Chopin-Stilistik.

→ weiter...

Referenz-Aufnahmen

aus dem Themenbereich
Musik für Viola

Norbert von Hannenheim
BIS 1 CD 1439
Jüdische Kammermusik
László Weiner
Contacto Tango

Neue CD-Veröffentlichungen

Richard Heuberger
A Lute by Sictus Rauwolf
Visions
Christoph Graupner

CD der Woche

Kenneth Hamilton plays Ronald Stevenson, Volume 1

Kenneth Hamilton plays Ronald Stevenson, Volume 1

Aus dunkler Tiefe steigen schwärzeste Bass-Töne auf, formen eine Tonskala und vereinigen sich mit einer weiteren Stimme zur strengen Fuge. Die ewige ...

Heute im Label-Fokus

Ambiente

Mischa Meyer, Violoncello
Hugo Distler
Naji Hakim<br />Orgelwerke / Organ Works
Anton Heiller

→ Infos und Highlights

Thema Klavier Solo

Domenico Scarlatti
Filipe Pinto-Ribeiro - Piano Seasons
Debussy
The Sacred Spring of Slavs
Domenico Scarlatti<br />Complete piano sonatas Vol. 14
SWRmusic 1 CD 93.096

 

Weitere 52 Themen

Klassik Heute Zahl des Tages

Bei Klassik Heute finden Sie

0

Festivals

→ mehr Zahlen und Infos

AGBs Impressum Kontakt Mediadaten Sitemap Datenschutz

© Klassik Heute

jpc