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CD-Besprechung

Insomnia

piano music by Gershwin / Cage / Crumb / Belet / Stark

Insomnia

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 07.07.15

Klassik Heute
Empfehlung

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SWRmusic 93.334

1 CD • 52min • 2015

„INSOMNIA, das sind fünf Hymnen an die Nacht, komponiert von fünf amerikanischen Komponisten in einem Zeitraum von fast 100 Jahren“ – so liest man es, natürlich neugierig auf Erklärung des ungewöhnlichen CD-Mottos, auf der zweiten Seite des Begleitheftes. Dem lateinischen Begriff nachspürend, liegt es auf der Hand – und auf und unter den zwei Händen eines fruchtbar ruhelosen Pianisten –: hier geht es nicht um ruhigen, schönen Schlummer, sondern um die bald störende, bald anregende Qualität der Schlaflosigkeit. Kai Schumacher, der an der Essener Folkwang-Hochschule mit Auszeichnung klassisch ausgebildete Pianist, versteht es, den dunklen, schattigen, verstörenden, aber auch nachdenklichen, ja nächtlich leuchtenden und zuweilen sogar tänzerischen Phänomenen nachzuspüren, wie sie in den verschiedensten Ausprägungen amerikanischer Unterhaltungs- und (Selbst-) Reflektionsstücke akustisch zum Brodeln und zum Glimmen gebracht werden.

In letzter Zeit sind ja einige CD-Zusammenstellungen mit ruhigen, andächtigen Stücken angeboten worden, wie jüngst auch eine umfangreiche Edition mit originalen, zumeist aber von Michael Riesman für Klavier adaptierten Philip Glass-Kompositionen. Ihnen versteht die ukrainische Pianistin mit großem Durchhaltevermögen Kontur und ein Mindestmaß an Lebensbejahung zu sichern (Decca 4788079 /2 CD). Kai Schumacher jedoch leistet hier, wie der Titel ja sagt, alles andere als klavieristische Träumerei und Tastenstreichelein im Wiegenliedformat. John Cages „Dream“, Gershwins „Sleepless Night“-Prelude (in der Kay Swift-Version von 1946) oder die am CD-Ende platzierten „Urban Nocturnes“ von Bruce Stark führen, zwingen, locken den Hörer in Stimmungen und Räume von unterschiedlichster klanglicher, bildhafter Plastizität – und zuweilen scheinen die Miniaturen geradezu zu duften.

Im Zentrum der Werkfolge steht George Crumbs „A Little Midnight Music“. Es handelt sich hier um neun „ruminations“ des Jazzstandards „Round Midnight“ von Thelonious Monk. In diesen neun, je nach Belieben als „Wiederkäuereien“, „Essstörungen“ oder auch „Grübeleien“ ins Deutsche zu übersetzende Nummern „führt Crumb Hörer und Interpreten von den Leuchtreklamen der New Yorker Jazzclubs der 1040er Jahre in die teilweise beklemmende Finsternis der pianistischen Avantgarde“ (Kai Schumacher). Und der im Verlauf dieser im Stillen wie in ihren indirekten und fahlen Beleuchtungen ungemein feinfühlig, jederzeit stimulierend hantierende und klangmalende Pianist fährt in seinem Text fort: „Durch diverse Spieltechniken des ‚String Piano‘, Obertoneffekte und mitunter auch den perkussiven Einsatz des Flügelrahmens, entwickelt sich Monks Melodie zum manischen Scherzo (,Cobweb ans Peaseblossom‘) zur dämonischen Beschwörung (‚Incantation‘) oder zum fragil-düsteren ‚Blues in the Night‘.“

Die aufnahmetechnisch vorzüglich gelungene, spürbar alle Feinheiten der musikalischen Vorlagen und der pianistischen Umsetzung berücksichtigende Einspielung ist ein starkes Votum für eine knappe Stunde beglückender Schlaflosigkeit. Und das Cover-Foto beweist es: Kai Schumacher ist hellwach und hat den Durchblick!

Peter Cossé [07.07.2015]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Gershwin Sleepless Night (Prelude) 00:02:42
2 J. Cage Dream 00:07:50
3 G. Crumb A Little Midnight Music (Rumination about Round Midnight) 00:22:23
12 Belet Summer Phantoms (Nocturne) 00:11:07
13 Stark Urban Nocturnes 00:07:56

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Kai Schumacher Klavier
 
93.334;4010276027935

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