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CD-Besprechung

Claudio Monterverdi

Vespro della Beata Vergine

Claudio Monterverdi

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 16.12.08

Klassik Heute
Empfehlung

Challenge Classics CC72311

2 CD • 1h 26min • 2007

Eine Aufnahme von Monteverdis Marienvesper, jenem Höhepunkt der frühbarocken Kirchenmusik, fehlte bisher in Sigiswald Kuijkens Diskographie, der Künstler begründete das mit dem Fehlen eines zeitgerechten Streicherinstrumentariums. Nun hat sich La Petite Bande jeweils zwei für die Musik des frühen 17. Jahrhunderts passende Geigen und Bratschen nebst den dazugehörigen Bögen anfertigen lassen und die Aufnahme des Vespro della Beata Vergine konnte endlich stattfinden. Kuijken hat sich für eine konsequent solistische Besetzung der Vokalpartien entschieden, verzichtet also auf eine Verstärkung der einzelnen Stimmen in den Ripieno-Abschnitten durch weitere Sänger („Ripienisten“) und unterscheidet sich hiermit von Kollegen wie beispielsweise Andrew Parrott, der sonst auch ein Verfechter der solistischen Aufführungspraxis ist. Kuijken lehnt die Mitwirkung von Ripienisten zwar nicht grundsätzlich ab, zieht aber aus Gründen des „persönlicheren Ausdrucks“ die solistische Besetzung vor, für die er in Monteverdis Aufführungsanweisungen auch deutliche Hinweise zu finden meint.

Das exquisite Sängerensemble, das Sigiswald Kuijken sich für seine Einspielung zusammengestellt hat, betont zusätzlich zu den eigens für diese Ausnahme angefertigten Streichinstrumenten den hohen Rang, den der Künstler selbst offensichtlich diesem Projekt in seiner Diskographie zumisst – die Zuhörer dürfen hier Zeugen der Erfüllung eines lang gehegten Wunsches werden! Margit Sämann und Marie Kuijken ergänzen mit ihrem schlanken Timbre die Altisten und die übrigen Männerstimmen zu einem vollkommenen Ensemble, und auch im Zusammenwirken zwischen Vokalisten und Instrumentalisten herrscht perfekte Harmonie. Das mag auch daran liegen, dass Kuijken auf die Rolle des Dirigenten verzichtet, im Instrumentalensemble mitwirkt und sich so als „primus inter pares“ versteht, der „koordinierend und stimulierend“ auf das Geschehen einwirkt, wie er es selbst im Begleittext ausdrückt.

Wie nur wenige große Kirchenmusikwerke vereint Monteverdis Marienvesper Grandiosität mit Innigkeit. Zweifellos geht von der Pracht des Werkes eine ebenso beeindruckende Wirkung aus wie von der großartigen Architektur des Markusdoms in Venedig, dessen byzantinische Hallen zweifellos der passende Rahmen für eine Aufführung mit allem Prunk der Zeit Claudio Monteverdis wären. Und wenn dieser festliche Akzent in Sigiswald Kuijkens Interpretation der Marienvesper auch keinesfalls zu kurz kommt, liegt beim Anhören dieser Einspielung indessen gleichfalls die Vorstellung nahe, wie die Herzen der Kirchenbesucher damals von dem Ausdruck intensiven religiösen Gefühls ergriffen wurden, das immer wieder aus dem Inneren dieser Musik aufleuchtet.

Einen Tadel muss zum Schluss leider das sparsam redigierte Beiheft einstecken, das die großartigen Musiker dieser Einspielung keiner persönlichen Erwähnung würdigt, die Vokalisten lediglich in der Trackliste aufführt und außer einer Standardbiographie von La Petite Bande die Instrumentalisten nicht einmal namentlich erwähnt. Allein die Firma Challenge Classics hat es also zu verantworten, dass nicht auch noch als Gesamteindruck dieser herrlichen Marienvesper die Höchstnote prangt.

Detmar Huchting [16.12.2008]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 C. Monteverdi Vespro della Beata Vergine (Marienvesper, 1610)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
La Petite Bande Orchester
Sigiswald Kuijken Dirigent
 
CC72311;0608917231120

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