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CD-Besprechung

Joseph Haydn
Complete Symphonies Vol. 10

Joseph Haydn<br />Complete Symphonies Vol. 10

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 29.08.08

Klassik Heute
Empfehlung

hänssler CLASSIC 98.522

1 CD • 61min • 2008

Unablässig beschäftigte sich Joseph Haydn mit der musikalischen Sprache seiner Zeit und mit ihren expressiven Möglichkeiten. Dementsprechend nennt Thomas Fey in seinem Vorwort zum CD-Booklet Joseph Haydn einen „Experimentator“, einen „Stürmer, Dränger und Finder“. Feys Ziel ist es, gemeinsam mit den von ihm vor 15 Jahren gegründeten Heidelberger Sinfonikern, einem historisch orientierten und international hoch geachteten Klangkörper, den Hörer für die Kühnheit und Schönheit „von Haydns affektgeladener Kontrast-Musik“ zu sensibilisieren. Auf Folge 10 der Einspielung sämtlicher Haydn-Sinfonien gelingt ihm dies geradezu umwerfend. Verantwortlich dafür ist nicht nur der bestechende Impetus, mit dem er den Sinfonien Nr. 60 und Nr. 61 zu Leibe rückt. Es ist auch die Mischung von modernen Streich- und Holzblasinstrumenten mit Blechblasinstrumenten historischer Bauart, die der sehr straffen und spannungsvollen Musizierhaltung der Heidelberger mit einem überaus lebendigen und dramatischen Ton die Krone aufsetzt – kombiniert mit einem exzellent eingefangenen Orchesterklang.

Den 1774 (Sinfonie Nr. 60 C-Dur) und 1776 (Sinfonie Nr. 61 D-Dur) entstandenen Werken hört man noch ihren höfischen Hintergrund an. Wenn beiden auch die Ausdruckskraft der Pariser Auftragskompositionen oder der Londoner-Sinfonien fehlen mag, so sind sie doch voller origineller Erfindungs- und Charakterisierungskunst, reich an Humor sowie an dynamischen und rhythmischen Überraschungen. Was die sechssätzige Sinfonie Nr. 60 an Form- und Stimmungskontrasten aufzubieten hat, wird von Thomas Fey wohltuend frisch und mit beinahe schon betörendem Glanz herausgearbeitet: das zu versiegen drohende musikalische Geschehen in der Ouvertüre, die erst nach zwei Anläufen und einem kraftvollen Orchestertutti in Gang zu kommen scheint; das gegeneinander Anspielen von Streichern und Bläsern, der Wechsel von serenaden- und marschähnlicher Gestaltung im zweiten Satz; die unerwartet rustikale Melodik im Presto; und schließlich die herben dynamischen Kontraste im schwärmerischen 5. Satz, die bereits den Beginn des Finales erahnen lassen sowie das von Haydn in das Prestissimo-Finale hinein komponierte Nachstimmen der Violinen.

In beiden Sinfonien kommt dem rhythmischen Element eine entscheidende Bedeutung zu. Deutlich unterstreicht Thomas Fey dies in den spritzigen Ecksätzen, selbst in der unwiderstehlichen Prestissimo-Gangart des Finales der Sinfonie Nr. 61 mit hinreißendem Überschwang und offen gelegten Stimmführungen. Den richtigen Ton trifft Fey auch in den Mittelsätzen der D-Dur-Sinfonie: in der Unbeschwertheit des Menuetts und der mitunter fast ein wenig spröde formulierten Innigkeit des Adagios. Das vielleicht bezwingendste Merkmal dieser wirklich hervorragenden Einspielung ist die absolute Zielgenauigkeit dynamischer Effekte und der gesamten dynamischen Gestaltung – und zwar ohne auf eine gewisse Exzentrik zu setzen, die manch anderen Haydn-Aufnahmen in historisch informierter Musizierpraxis eigen ist.

Christof Jetzschke [29.08.2008]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Haydn Sinfonie Nr. 60 C-Dur Hob. I:60 (Il distratto) 00:29:34
7 Sinfonie Nr. 61 D-Dur Hob. I:61 00:27:29
11 Ouvertüre D-Dur Hob. Ia:7 00:03:56

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Heidelberger Sinfoniker Orchester
Thomas Fey Dirigent
 
98.522;4010276021223

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