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CD-Besprechung

Carl Schuricht

Haydn

SWRmusic 93.150

1 CD • 70min • 1950, 1955, 1958

03.03.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Nach den historischen Bruckner-Dokumenten des SWR-Orchesters ist als Vol. X der Carl Schuricht Edition nun ein Beitrag mit Werken von Haydn erschienen, Grundlage waren die manchmal fragwürdigen, damals üblichen Breitkopf-Ausgaben. An Haydn-Interpreten stellt man bezüglich der Beredsamkeit heute vielleicht weitaus höhere Ansprüche; Schurichts Zugang wirkt solide und spielfreudig, sorgsam gearbeitet, zugleich aber auch in Sachen Humor und Affekt oft allzu zurückhaltend und mitunter etwas altbacken. Wer seinen Haydn leicht, musikantisch und wie selbstverständlich mag, wird von Schuricht nicht enttäuscht. Die Sinfonien sind freilich weitaus straffer geführt als das Cellokonzert, das mit 27 Minuten Gesamtspielzeit ausgesprochen gemächlich daherkommt; hier paßt sich Schuricht als guter Begleiter an das ungeheure Rubato von Enrico Mainardi an. Es ist zwar beeindruckend, wie Mainardi sein Cello zum Singen bringen konnte; auch von seinem verhältnismäßig weiten Vibrato und dem tiefen, goldwarmen Legato könnten sich manche Cellisten von heute eine Scheibe abschneiden. Aber immer waltet eine derartige Inbrunst, dass die Gefahr besteht, daß manche Hörer früher oder später innerlich abschalten. Insbesondere die Ecksätze (immerhin Allegro moderato bzw. Allegro überschrieben) wirken auf mich unerträglich statisch und kleben zu sehr am Moment. Abgesehen davon ist nicht recht einsehbar, warum Mainardi manche Achtel-Passagen im Finale derart heftig kratzt. Las er Haydns leichte Staccato-Striche als ein Martellato á la Prokofieff?

Der Raumklang der Mono-Aufnahme der Militär-Sinfonie vom 8. 4. 1958 aus dem Sendesaal der Villa Berg ist erstaunlich – insbesondere die Violinen und Violen sind räumlich links und rechts genau zu verorten. Der Gesamtklang ist glasklar – ein beeindruckendes Zeugnis damaliger Studiotechnik. Die beiden anderen Aufnahmen – das D-Dur-Cellokonzert und die Londoner Sinfonie – klingen leider nicht so gut, sie entstanden am 5. 11. 1950 bzw. 5. 4. 1955 in Stuttgart-Degerloch. Das Cellokonzert klingt wohl aufgrund des Alters der Aufnahme recht dumpf und trocken, wenn auch aus den Bändern wohl das Möglichste herausgeholt wurde. Die Londoner Sinfonie ist etwas trennschärfer und rauher, aber leider auch nicht so plastisch wie die ersten vier Tracks. Die klangliche Wertung entspricht dem Versuch eines Durchschnitts aus einer 9 (Tr. 1–4), 5 (Tr. 5–7) und 6 (Tr. 8–11).

Dr. Benjamin G. Cohrs [03.03.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Joseph Haydn
1Sinfonie Nr. 100 G-Dur Hob. I:100 00:22:27
5Violoncellokonzert Nr. 2 D-Dur Hob. VIIb:2 00:27:08
8Sinfonie Nr. 95 c-Moll Hob. I:95 00:19:52

Interpreten der Einspielung

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