Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

T. Takemitsu

Naxos 1 CD 8.555859

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 04.03.04

Naxos 8.555859

1 CD • 71min • 2001

Ende der sechziger Jahre brachen die New Yorker Philharmoniker noch in Gelächter aus, als sie erstmals mit Musik des Japaners Toru Takemitsu konfrontiert wurden – um dann am Ende derselben Probe in ehrfürchtigem Schweigen zu verharren. Eine Musikergeneration später trifft das Schaffen des 1996 verstorbenen Komponisten allerorten auf offene Ohren und vorurteilsfreie Hörer. Für einen an Debussy oder Webern geschulten „Westler“ klingen die Kompositionen Takemitsus keineswegs verstörend fremd oder exotisch fern. Überdies besänftigen sie den geplagten Großstädter durch meditative Ruhe, ein entrücktes Zeitempfinden, tönende Weisheit und stille Naturbetrachtung. Takemitsu verglich die eigenen Werke mit den kunstvollen japanischen Gärten: „Kein Element übt seine Individualität aus, sondern erreicht einen Zustand von Anonymität. Das ist es, was meine Aufmerksamkeit anzieht. Auf diese Weise möchte ich Musik schaffen.“

Eine langjährige Freundschaft verband Toru Takemitsu mit den Musikern des Nexus Ensembles und der New Music Concerts in Toronto. Die ausgewählten Werke, die er mit ihnen einstudierte oder sogar für sie komponierte, werden auf dieser CD von Interpreten der ersten Stunde vorgestellt – allen voran der Flötist Robert Aitken. Er versteht es, die Klangschönheiten und spieltechnischen Eigenarten des Shakuhachi, der japanischen Bambusflöte, auf sein modernes Instrument zu übertragen und wie selbstverständlich mit den Experimenten der westlichen Avantgarde zu verbinden, bis hin zu stimmlichen Attacken und geheimnisvollen Einflüsterungen. Als ein anderer Zeitzeuge und „Eingeweihter“ wirkt der Schlagzeuger Robin Engelman an dieser Aufnahme mit. Für dessen Sohn, damals noch im Kindesalter, schuf Takemitsu in den siebziger Jahren eine Komposition, die er dem Jungen widmete und die obendrein seinen Namen trägt: Bryce für Flöte, zwei Harfen, Marimba (gespielt von Vater Engelman) und Schlagzeug darf natürlich nicht fehlen auf der CD aus Toronto, einem zutiefst beeindruckenden Gemeinschaftswerk. Es verrät viel über die gute Arbeitsatmosphäre, den Geist dieses Projekts, daß der Gitarrist Norbert Kraft, der zusammen mit Aitken die Urfassung von Toward the Sea musiziert, zugleich als Produzent verantwortlich zeichnet. Jeden Ton dieser schwerelosen Musik weiß er als etwas unendlich Kostbares und Einzigartiges behutsam aufzunehmen – nicht festzuhalten, sondern fortzugeben wie ein Geschenk. So dachte sich Takemitsu die Musik: unmerklich wandelbar wie der Wechsel der Gezeiten.

Wolfgang Stähr [04.03.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 T. Takemitsu And Then I Knew 't Was Wind für Flöte, Viola und Harfe (1992)
2 Rain Tree für 3 Perkussionisten (1981)
3 Toward the Sea (The Night, Moby Dick, Cape Cod)
4 Bryce für Flöte, 2 Harfen, Marimba und Percussion (1976)
5 Itinerant für Flöte solo (1989)
6 Voice für Flöte solo
7 Air für Flöte solo (1995)
8 Rain Spell (1983)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Robert Aitken Flöte
Toronto New Music Ensemble Ensemble
 
8.555859;0747313585922

Bestellen bei jpc

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

⇑ nach oben

Entschleunigte Feinfühligkeit, forsche Damenpranke

Edition Stefan Askenase

Noch in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts konzertierte der aus dem galizischen Lemberg stammende Pianist Stefan Askenase reglemäßig in den europäischen Konzertsälen. Das ältere Publikum hatte den Chopin-Interpreten gleichsam abonniert, bei den Jüngeren und im abgehobenen Kreis des deutschsprachigen Kritikernachwuchses galt der zierliche belgisch-polnische Theodor Pollak- und Emil von Sauer Schüler als Vertreter einer konservativen Handhabe, als ein leibhaftiges Fossil vergangener Chopin-Stilistik.

→ weiter...

Neue CD-Besprechungen

Giacomo Puccini
François Campion
Felix Mendelssohn Bartholdy
Colors
Carlo Graziani

Interpreten heute

  • Armoniosa
  • Stefano Cerrato

Neue CD-Veröffentlichungen

Richard Heuberger
A Lute by Sictus Rauwolf
Visions
Christoph Graupner

CD der Woche

Kenneth Hamilton plays Ronald Stevenson, Volume 1

Kenneth Hamilton plays Ronald Stevenson, Volume 1

Aus dunkler Tiefe steigen schwärzeste Bass-Töne auf, formen eine Tonskala und vereinigen sich mit einer weiteren Stimme zur strengen Fuge. Die ewige ...

Heute im Label-Fokus

Thorofon

... und sie dreht sich doch!
Auf dem Meer der Lust in hellen Flammen
Erich J. Wolff
Pervez Mody plays Scriabin Vol. 5

→ Infos und Highlights

Thema Klavier Solo

hänssler CLASSIC 1 CD 98.013
Charles Koechlin - "... des jardins enchantes..."<br />Klavierwerke Vol. 1
Hyperion 1 CD CDA67176
Béla Bartók
Leopold Godowsky<br />Transcriptions of Bach Cello Suites No. 2, 3 and 5
Dance Passion

 

Weitere 52 Themen

Klassik Heute Zahl des Tages

Bei Klassik Heute finden Sie

39641

Interpreten
• 242 Kurzbiographien
• 1099 tabellarische Biographien

→ mehr Zahlen und Infos

AGBs Impressum Kontakt Mediadaten Sitemap Datenschutz

© Klassik Heute

jpc