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CD-Besprechung

Sacred Music by Jan Dismas Zelenka

Hyperion CDA67350

1 CD • 74min • 2002

20.06.2003

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Die Wiederentdeckung des Bach-Zeitgenossen Jan Dismas Zelenka (1679–1745) führte in den letzten dreißig Jahren zwar nicht zu einer solchen Renaissance wie bei Telemann, indes bezweifelt niemand, daß Zelenka zu den interessantesten und eigenwilligsten Musikern seiner Epoche gehörte. Das nicht sehr umfangreiche Instrumentalwerk des Böhmen, der lange Zeit an der Dresdener Hofkapelle als Kontrabassist arbeitete, ist inzwischen in mehreren sehr guten Aufnahmen verfügbar, während von seinen zahlreichen Kirchenkompositionen nur ein Bruchteil – unter anderem mangels moderner Editionen – auf CD vertreten ist. Insbesondere Frieder Bernius hat sich diesbezüglich mit seinem Stuttgarter Kammerchor bereits große Verdienste erworben, doch Robert King gelingt es nun, die Meßlatte noch höher zu legen. Sein Chor verfügt nicht nur über die Stimmbildung, sondern auch über den typisch englischen Fokus, der zum Kern der Musik vordringt und bei aller Dichte zugleich eine erstaunliche Transparenz der einzelnen Stimmen hervorbringt. Zelenkas Musiker gehörten zu den besten ihrer Zeit, und dementsprechend anspruchsvoll konnte er, der immer vergeblich auf den Posten eines Kapellmeisters hoffte, seine Werke in vokaltechnischer und kontrapunktischer Hinsicht schreiben – ein Anspruch, dem Kings Musiker aufs höchste gerecht werden.

Die vorliegende Werkauswahl bringt im Vergleich zu früheren Aufnahmen, die sich vor allem um die Messen kümmerten, wirklich Neues: Eine Litanei, zwei Mariengesänge und Auszüge aus dem Officium Defunctorum, in dem Zelenka harmonische Wagnisse eingeht, die jedem anderen (außer vielleicht Bach und Telemann) das Genick gebrochen hätten. Ihr Affektreichtum kommt in Kings Interpretation ebensogut zur Geltung wie die Balance von intellektuellem Anspruch und emotionalem Ausdruck. Hervorzuheben ist überdies der historisch richtige Ansatz, das Kirchenlatein nicht – wie heute leider vielfach üblich – mit italienischem Akzent, sondern in der nordalpinen Humanistentradition auszusprechen, auch wenn James Gilchrist das lateinische Wort me manchmal richtig („me“), manchmal aber englisch („mi“) zum Klingen bringt; ein kleiner Lapsus, der den sehr erfreulichen Gesamteindruck nicht im geringsten trüben kann.

Dr. Matthias Hengelbrock [20.06.2003]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Jan Dismas Zelenka
1Litaniae de Venerabili Sacramento Z 147
2Regina coeli laetare Z 134
3Salve Regina, mater misericordiae Z 135
4Officium Defunctorum Z 47

Interpreten der Einspielung

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