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CD-Besprechung

Gustav Mahler: Des Knaben Wunderhorn (Liedzyklus - Der Schildwache Nachtlied, Verlorne Müh, Trost im Unglück, Wer hat dies Liedlein erdacht, Das irdische Leben, Des Antonius von Padua Fischpredigt, Rheinlegendchen, Lied des Verfolgten im Turm, Wo die schönen Trompeten blasen, Lob des hohen Verstandes, Es sungen drei Engel, Urlicht, Revelge, Der Tamboursg'sell)

Decca 1 CD 467 348-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 5

Klangqualität:
Klangqualität: 6

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 4

Besprechung: 28.05.03

Decca 467 348-2

1 CD • 67min • 2000

Trotz des Mahler-bewährten Dirigenten und Orchesters ist dies eine zwiespältige Aufnahme und keine, die in die Annalen eingehen dürfte. Chailly wählt, wie andere Dirigenten, seine eigene Anordnung der Lieder. Mahlers Reihenfolge wird immer wieder verändert, und das ist gewiß kein Sakrileg. Interessant ist freilich, wie der Hörer in die Klang-, Stimmungs- und Gedankenwelt dieses Zyklus eingeführt wird: mit der Schildwache (wie Mahler und Chailly) oder Revelge (wie Szell und Abbado), und was am Ende steht: der Ausblick auf das himmlische Leben (wie bei Chailly) oder Wo die schönen Trompeten blasen (wie bei Szell).

Enttäuschend ist vor allem Matthias Goerne, der zu oft mit falscher Emphase, laut, doch nuancenarm und positivistisch singt, will heißen: der uns nicht in die Tiefe und die Abgründe der Seele der handelnden Personen führt: Der Schildwache Nachtlied kommt etwas behaglich, der Tambourgsell nur als dramatische Szene, ohne wirkliche Beklommenheit oder Bedrohlichkeit, die Fischpredigt ohne Ironie usw.

Barbara Bonney fehlt trotz imponierender vokaler Fähigkeiten die Lieblichkeit (Wer hat dies Liedlein erdacht), das leicht Neckische (Verlorne Liebesmüh) oder der spezifische Witz für das Lob des hohen Verstands). Erst in Wo die schönen Trompeten blasen findet sie zu großer Kunst, zu Zartheit, Innigkeit und lässt uns auch etwas von der Melancholie des Liedes spüren. Das abschließende Himmlische Leben liegt ihr in Ton und Gestik.

Gösta Winbergh hat man besser in Erinnerung als von diesem Zeugnis; seine Revelge jedenfalls klingt fast unbekümmert, hat keine Schrecken. Insgesamt geschieht im Orchester zu oft mehr als im Vokalpart.

Wer diesen Zyklus exemplarisch hören möchte, der greife zur schon betagten, für mich aber immer noch singulären Aufnahme von George Szell mit dem London Symphony Orchestra und den herausragenden Solisten Elisabeth Schwarzkopf und Dietrich Fischer-Dieskau (EMI 5672362). Diese Einspielung mag nicht frei von Manierismen sein, doch weiß jeder der Beteiligten in jedem Augenblick, worum es geht!

Mario Gerteis † [28.05.2003]

ClavierTage Göttingen

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Mahler Des Knaben Wunderhorn (Liedzyklus - Der Schildwache Nachtlied, Verlorne Müh, Trost im Unglück, Wer hat dies Liedlein erdacht, Das irdische Leben, Des Antonius von Padua Fischpredigt, Rheinlegendchen, Lied des Verfolgten im Turm, Wo die schönen Trompeten blasen, Lob des hohen Verstandes, Es sungen drei Engel, Urlicht, Revelge, Der Tamboursg'sell)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Barbara Bonney Sopran
Sara Fulgoni Mezzosopran
Gösta Winbergh Tenor
Matthias Goerne Bariton
Royal Concertgebouw Orchestra Orchester
Riccardo Chailly Dirigent
 
467 348-2;0028946734827

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