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Besprechung CDResurgence

Resurgence

Leokadiya Kashperova Cello Sonatas op. 1
Janne Fredens cello, Søren Rastogi piano

OUR Recordings 8.226946

1 CD • 61min • 2026

27.10.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Noch vor rund zehn Jahren war die Musik der russischen Komponistin und Pianistin Leokadija Kaschperowa (1872–1940) weitestgehend unbekannt, vielleicht bis die BBC 2018 (Neu-)Aufnahmen einiger weniger Werke ausstrahlte. Seither hat sich viel getan, und so handelt es sich bei der vorliegenden Neuerscheinung des Labels OUR Recordings bereits um die zweite komplette Kaschperowa-CD, die auf den Markt kommt. Vorgestellt wird ihr Opus 1, ein Doppelopus von zwei Cellosonaten, gespielt von den dänischen Musikern Janne Fredens (Cello) und Søren Rastogi (Klavier).

Eine feste Größe im Petersburger Musikleben der Jahrhundertwende

Kaschperowa, aus der Oblast Jaroslawl stammend, studierte in St. Petersburg bei Anton Rubinstein (Klavier) und Nikolai Solowjow (Komposition); um die Jahrhundertwende war sie als Pianistin und Komponistin eine feste Größe des Petersburger Musiklebens. Der junge Igor Strawinski und später auch Alexander Tscherepnin erhielten von ihr Klavierunterricht; dass sich Strawinski über ihre musikalischen Standpunkte später nicht immer so freundlich äußerte wie in den im Begleittext abgedruckten Passagen, sollte allein schon mit Blick auf seine Kommentare über seinen Kommilitonen und Konkurrenten Maximilian Steinberg niemanden davon abhalten, sich mit Kaschperowas Musik zu befassen. Nach der Oktoberrevolution wurde es stiller um sie; die Werke, die sie ab 1922 dann in Moskau schrieb, sind offenbar nicht mehr publiziert worden. Überhaupt: wie umfangreich ihr Schaffen tatsächlich ist, ist mir noch nicht völlig klar; eine Werkliste bei IMSLP nennt knapp 20 Werke, ist aber anscheinend auch nicht komplett. Nach jetzigem Stand gehe ich von einem relativ überschaubaren Œuvre aus, das sich zwar auf ihre frühen Jahre konzentriert, aber doch bis in die 1930er Jahre reicht.

Romantische Tradition und Fin de siècle

Die beiden Cellosonaten entstanden 1895 bzw. 1896 – Musik, die ganz in der Tradition der Romantik steht; Kaschperowas Lehrer Rubinstein hat hier und da relativ deutlich Pate gestanden, im Kontext der russischen Musik jener Zeit ansonsten eher Tschaikowski als die Gruppe der Fünf, auch Chopin und ein Hauch von französischer Atmosphärik sind zu spüren. Im Originaldruck sind die Werke nicht von ungefähr als Sonaten für Klavier und Violoncello bezeichnet, denn es handelt sich unzweifelhaft um Musik, die vom Klavier her kommt, mit üppigem, virtuosem Satz, während das Cello vor allem als Melodieinstrument dient, mit sanglichem, in weiten Bögen gedachtem Part. Die erste der beiden Sonaten ist ihren beiden Ecksätzen ein überwiegend gelöstes, auch versonnenes Werk, kultivierte, klangschöne Musik; robuster (2. Satz) und auch ernster (3. Satz) die beiden Mittelsätze, wobei eine Spur von wohliger Nostalgie alle vier Sätze eint. Die zweite Sonate ist erkennbar das etwas spätere Werk, harmonisch avancierter, klanglich noch weiter verfeinert mit sehr apartem Gespür für die unterschiedlichen Register beider Instrumente; ein dunkleres, elegisches Werk des Fin de siècle, das sich mit Beginn des Finales dann aufhellt, weniger majestätisch (so die Vortragsbezeichnung) denn eher freundlich und mit Wärme.

Sensible Interpretationen im Einklang mit der Charakteristik der Musik

Fredens und Rastogi begreifen diese Sonaten grundsätzlich mit großer Sensibilität und feinem Gespür für die lyrischen, versponnenen Seiten dieser Musik. Es sind beseelte Interpretationen, die von einer gewissen (im Übrigen sehr adäquaten) Zurückhaltung ausgehen, sich zugleich aber einige Freiheiten nehmen, was die Agogik, das Auskosten von Zäsuren, temporäre Tempowechsel und das Nachvollziehen von Spannungsbögen anbelangt – niemals exzentrisch übersteigert, sondern im Einklang mit der Charakteristik der Musik und basierend auf einer Position grundsätzlicher Ruhe. Dieser Ansatz bekommt Kaschperowas Sonaten ausgezeichnet (wie auch die Entscheidung der beiden Interpreten, auf die Expositionswiederholungen zu verzichten) – eine sehr schöne, gediegene, hörenswerte Musik, die echten Charme entfaltet. Werke, mit denen man sich also gerne wiederholt befasst, wobei die Behauptung von Kaschperowas Wiederentdecker Graham Griffiths, die beiden Sonaten zählten „sicherlich zu den eindrucksvollsten Opus-1-Kreationen eines jungen Komponisten überhaupt“, dann doch eine deutliche Übertreibung ist – die allerdings auch gar nicht notwendig ist, um die beiden Werke mit Genuss zu hören. Die warme, natürliche Klangqualität dieser Aufnahmen trägt ein Übriges zu einem ungemein positiven Gesamteindruck bei.

Holger Sambale [27.10.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Leokadiya Kashperova
1Violoncellosonate Nr. 1 in G op. 1 Nr. 1 00:33:26
5Violoncellosonate Nr. 2 e-Moll op. 1 Nr. 2 00:29:06

Interpreten der Einspielung

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