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Besprechung CDFor Four

For Four

Bellevue String Quartet

OUR Recordings 8.226943

1 CD • 62min • 2026

04.11.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Das im schwedischen Malmö beheimatete Bellevue String Quartet besteht aus Streichern führender skandinavischer Barockensembles wie Concerto Copenhagen sowie Höör Baroque und ist somit eines der ganz wenigen skandinavischen in historischer Aufführungspraxis musizierenden Quartette. Auf seiner Debüt-CD umklammert es historisches Material aus englischer Spätrenaissance und Barock mit der Ersteinspielung zweier Kompositionen des 21. Jahrhunderts, was als durchaus originell angesehen werden darf. Eine Scharnierfunktion bilden drei Contrapuncti aus der Kunst der Fuge von Johann Sebastian Bach.

Consort of Violins

Das Bellevue String Quartet agiert auf dieser Aufnahme somit also weniger als klassisches Streichquartett, sondern als ein Ensemble, das die zeitgenössischen Engländer wohl als Consort of Violins bezeichnet hätten. In der Renaissance gab es neben den bekannten Gamben-Consorts – glaubt man Bildquellen vorwiegend aus Italien – die alternative Möglichkeit, deren Repertoire auf Mitgliedern der von der „Viola da braccio“ abgeleiteten Instrumentenfamilie zu musizieren. Denn „Violine“ bedeutet nichts anderes als „kleine Viola“ und Violoncello „kleiner Violone“, weil das größte Instrument der Familie – unser heutiger Kontrabass – damals „Violone“, „große Viola“ genannt wurde.

Die Werke von Mathew Locke, John Jenkins und Henry Purcell funktionieren in dieser Besetzung durchaus, allerdings sind Barockviolinen wesentlich dominanter als Renaissance-Diskantgamben, was die Balance arg diskantlastig macht. Da diese ausgesprochen tanzorientiert sind, ergänzen sie sich hervorragend mit dem fröhlich-folkloristisch inspirierten, titelgebenden For Four von Hanna Blomberg.

Abgebrochener Bach

Ob sich die Kunst der Fuge ideal für Streichquartett eignet, mag man bezweifeln. Gustav Leonhardt hat relativ überzeugend nachgewiesen, dass Bach hier wohl eher an die Ausführung auf dem Cembalo gedacht haben dürfte. Ärgerlich wird es allerdings, wenn C. P. E. Bachs Schutzbehauptung, der Komponist wäre über der Vollendung der Tripel- oder womöglich sogar Quadrupel-Fuge des Contrapunctus 14 verstorben, perpetuiert wird, die Christoph Wolff in seiner Bach-Biographie anhand der Quellenlage berechtigt in Zweifel zieht. Dieser stellt nämlich einen Nachgedanken zum eigentlich abgeschlossenen 14-teiligen Werk dar, entstand bereits 1748/49 und liegt bis Takt 239 in Reinschrift vor. Die Skizzen für den Schluss gingen wohl erst bei der Aufteilung des musikalischen Erbes unter den vier Brüdern verloren. Deshalb wäre es an dieser Stelle sinnvoller gewesen, eine der mittlerweile 80 Ergänzungen einzuspielen, oder Guido Marini, der sich in seinem die CD beschließenden, anrührenden Compianto di Didone ja als virtuoser Kontrapunktiker erweist, mit einer weiteren Vollendung zu beauftragen.

Etwas zu bohrend

Ob ein Violinen-Consort mit einem hochbarocken Quartett realisiert werden kann, erscheint mir nach dem Anhören dieser und der nahezu gleichzeitig erschienenen CD Sulla Piazza des Consort La Capriola, das sich bezüglich der Rekonstruktion der Instrumente an der bildlichen Überlieferung orientiert, bereits den Alt mit einer Violetta besetzt und auf diese Weise ein wesentlich runderes Klangbild erzielt, recht zweifelhaft. Das Bellevue String Quartet musiziert die Werke zwar intonationssicher und transparent, klanglich bohrt es sich allerdings mehr ins Ohr, als dass es ihm schmeichelt. Zudem erfordern die Tanzsätze eine wesentlich ausgiebigere Ornamentierung, wie man unschwer dem Fitzwilliam Virginal Book oder den italienischen Diminutions-Traktaten hätte entnehmen können. Exzellent gelingen hingegen die beiden zeitgenössischen Kompositionen, in denen die Vier befreit aufspielen.

Aufnahmetechnisch ist – wenn die Anstrengung gewollt ist – nichts Negatives zu vermelden.

Fazit: Die CD lohnt sich, um die beiden klangschönen und dankbaren Werke von Blomberg und Marini kennenzulernen. Ansonsten handelt es sich um die typische „CD zum Konzert“.

Vergleichsaufnahme: Sulla piazza, Consort La Capriola, Ricercar.

Thomas Baack [04.11.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Hanna Blomberg
1For Four 00:05:58
Johann Sebastian Bach
2Contrapunctus I 00:02:58
Henry Purcell
3Fantasia G-Dur 00:03:26
Matthew Locke
4Consort of Fower Parts Nr. 3 in F 00:07:51
Henry Purcell
8Fantasia c-Moll Z 738 (a 4) 00:04:04
William Byrd
9In nomine 00:02:26
Johann Schop
10Lachrimae Pavan 00:01:00
Thomas Morley
11Lamento 00:02:55
Matthew Locke
12Fantasia D-Dur (aus The Broken Consort) 00:01:50
Anon.
13Pavan 00:05:56
Johann Sebastian Bach
14Contrapunctus IX (a 4 alla Duodecima, Doppelfuge) 00:02:27
Matthew Locke
15Consort of Fower Parts Nr. 2 d-Moll 00:07:39
Johann Sebastian Bach
19Contrapunctus IX (Fuga a 3 soggetti) 00:07:33
Guido Morini
20Compianto di Didone 00:05:28

Interpreten der Einspielung

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