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Besprechung CDChristoph Graupner

Christoph Graupner

Ein Freudenlicht bestrahlt mich
Complete Cantatas for Tenor

MDG 602 2403-2

2 CD • 1h 32min • 2026

03.11.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Die Wiederentdeckung und Neubewertung der Kantaten Christoph Graupners (1683-1760) kann schon jetzt als ein Höhepunkt des zurückliegenden Schallplattenjahres eingestuft werden. Erst vor einigen Monaten kamen bei cpo, von der Fachpresse hochgerühmt, die sechs Kantaten für Tenor und Bass heraus. Florian Heyerick hatte sie mit dem Kirchheimer BachConsort und den Sängern Georg Poplutz und Dominik Wörner eingespielt. Jetzt legt MDG mit den Solo-Kantaten für Tenor nach. Wieder ist Heyerick der spiritus rector, diesmal leitet er das auf Originalklang spezialisierte Instrumentalensemble L’arpa festante. Der in den Duetten glanzvoll bewährte Tenor Poplutz ist der Solist und lässt auch bei dieser Gelegenheit keinen Wunsch offen.

Auf dem Wege zur Vorklassik

Dass von den etwa 1450 Kantaten, die Graupner hinterlassen hat, nur sechs für Solo-Tenor geschrieben wurden, liegt wahrscheinlich an den personellen Bedingungen, die er als Kirchenmusiker am Hofe von Hessen-Darmstadt vorfand, wo er 45 Jahre lang, von 1709 bis 1754 (dem Jahr seiner Erblindung), tätig war. Kompetente Tenöre waren dort zu dieser Zeit offenbar eine Seltenheit. 1725 entstand die Kantate Fürwahr, er trug unsre Krankheit, in der eine konzertierende Oboe zum Streicher-Ensemble tritt, danach war eine lange Pause bis in die 1740er Jahre, in der Graupner fünf weitere Kantaten schrieb, davon jeweils zwei für den dritten Pfingst- und den dritten Weihnachtstag. Mit dem Tenor Johann Lachmund war ein neuer und offenbar sehr versierter Sänger in den Dienst der Hofkapelle getreten. In diesen Kantaten seiner Reifezeit ging der Komponist dazu über, die zuvor der Aufführungspraxis überlassenen Verzierungen präzise auszunotieren. Wie schon in der vorhergehenden Veröffentlichung der Duette ist auch in dieser Sammlung eine Vielfalt der Formen und Ausdrucksmittel zu studieren. Besonders bemerkenswert ist der gleitende Übergang von den strengen Stilformen des Barock zum empfindsamen Ton der Vorklassik.

Gegen Aufklärung

In den textlichen Vorlagen sind entsprechende Innovationen allerdings nicht angelegt. Sie stammen durchweg von Graupners Schwager Johann Conrad Lichtenberg (1689-1751), einem Theologen, der nicht nur als Stadtprediger in Darmstadt engagiert war, sondern auch als Baumeister hervortrat und einige Kirchen und Profanbauten in der Region entwarf. In den Kantaten-Texten gibt er sich als protestantischer Fundamentalist zu erkennen. In Ihr Lieben, glaubet nicht einem jeglichen Geist attackiert er „die stolzen Meister der Vernunft“, die er Dieben und Mördern gleichstellt und von denen er wünscht, dass Gott sie ausrotten möge. Teilweise wortgleich äußert er sich in Ihr frommen Schafe. Die Stoßrichtung ist klar: der böse Feind lauert in der Bewegung der Aufklärung. Die biographische Pointe: Lichtenbergs berühmter Sohn Georg Christoph (1742-1799), bedeutender Physiker und Erfinder des deutschsprachigen Aphorismus, wurde später einer der herausragenden Vertreter eben dieser Aufklärung.

Mustergültige Wiedergabe

Die hier als Weltpremiere eingespielten Tenor-Kantaten Graupners erfahren durch den Sänger Georg Poplutz und das Instrumental-Ensemble L’arpa festante unter Florian Heyerick eine mustergültige Interpretation. In Poplutz‘ Vortrag verbindet sich vokale Meisterschaft mit gestalterischer Tiefe. Er nimmt in Rezitativen, Dacapo-Arien und Chorälen differenzierte stimmliche Haltungen ein. In den Rezitativen bleibt er nicht neutraler Evangelist, sondern wird zum eloquenten Prediger, der in alle Nuancen des Textes hineinleuchtet, die koloraturgesättigten Arien meistert er mit uneitler Bravour und in den Chorälen suggeriert er mit breiter Stimmführung den Einsatz eines ganzen Chores. So offenbart er auch die dramatischen Qualitäten dieser Kantaten, und so, wie sich die Stimme in den letzten Jahren zur vollen Reife entwickelt hat, könnte man ihn sich auch gut in Opernrollen vorstellen, etwa als Mozarts Belmonte und Don Ottavio. In den Musikern der L’arpa festante, die in Klangschönheit und Phrasierungskunst höchsten Ansprüchen gerecht werden, hat er ihm adäquate Partner gefunden.

Ekkehard Pluta [03.11.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Christoph Graupner
1Fürwahr, er trug unsre Krankheit GWV 1119/25 (Sonntag Estomihi 1725) 00:13:21
7Ihr Lieben, glaubet nicht einem jeglichen Geist GWV 1140/45 (Dritter Pfingsttag 1745) 00:18:10
14Ihr frommen Schafe GWV 1140/2 (Dritter Pfingsttag 1742) 00:13:31
CD/SACD 2
1Das Leben war das Licht der Menschen #gwv 1107/45 (Dritter Weihnachtstag 1745) 00:17:26
8Das ewig Licht geht da herein GWV 1107/47 (Dritter Weihnachtstag 1747) 00:14:18
15Ihr Gläubige, entäußert euch der Sorgen GWV 1148/46 (7. Sonntag nach Trinitatis 1746) 00:15:09

Interpreten der Einspielung

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