Anzeige

Teilen auf Facebook RSS-Feed Klassik Heute
Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

Besprechung CDCarl Maria von Weber

Carl Maria von Weber

New Discoveries - Concertante Works & Arias

cpo 555 749-2

1 CD • 62min • 2025, 2026

28.10.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Carl Maria von Weber verdankt seinen Ruhm vor allem dem Freischütz. Das diesjährige Jubiläum – Weber starb vor 200 Jahren, am 5. Juni 1826 – bietet Anlass für eine Wiederentdeckung seiner Instrumentalmusik, die neben seinen Opernerfolgen in den Hintergrund rückte. Ein Beitrag dazu leistet das Münchner Rundfunkorchester und der Dirigent Johannes Moesus, die Teile von Webers selten aufgeführten Frühwerks eingespielt haben. Als Solisten sind die Cellistin Maria Zaitseva, der Bratschist Diyang Mei und die Sopranistin Elena Harsányi mit dabei. Die Musik entstand in Webers frühen Jahren, die von großer Rastlosigkeit geprägt waren. Der Knabe zog mit der wandernden Theatergruppe seines Vaters umher, der für ihn Wunderkind-Ambitionen hegte. Mit 17 Jahren wurde Weber kurzzeitig Kapellmeister am Breslauer Theater, ging dann als Sekretär nach Stuttgart und begann schließlich seine „Reisejahre“ als freischaffender Musiker.

Ein Wunderkind wird erwachsen

Die CD vereint fünf Kompositionen aus dieser turbulenten Zeit. Das Grand Potpourri für Cello und Orchester entstand am Stuttgarter Hof für den dortigen Hofcellisten. Weber verarbeitete hier beliebte Opernschlager seiner Zeitgenossen, darunter den Ohrwurm „O cara immagine“ aus der Feder des Venezianers Sebastiano Nasolini.

Das Münchner Rundfunkorchester erweist sich als einfühlsamer Begleiter von Maria Zaiseva. Spieltechnisch agiert die russische Cellistin auf höchstem Niveau. Jedoch vermisst man einen Registerausgleich – die hohen und tiefen Lagen kontrastieren, als würde sie zwischen zwei ganz verschiedenen Instrumenten wechseln. Außerdem neigt Zaitseva neigt zu schleppenden Tempi, so dass die schönen Melodien gleichsam auf der Stelle treten.

In ganz anderem Licht erscheint da Nasolinis Originalarie, die ebenfalls auf der CD erklingt: Die aus Aachen stammende Sopranistin Elena Harsányi gibt mit ihrem hellen, agilen Sopran der Musik ihren beseelten Schwung zurück.

Ebenfalls in Stuttgart entstand das Andante e Rondo Ungarese für Bratsche und Orchester. Was Weber für ein ungarisches Thema hielt, ist eigentlich ein schlesisches Volkslied, das aber von reisenden Zigeunerkapellen zum Besten gegeben wurde.

Die Anfänge des „Freischütz“-Schöpfers

Heute hat sich Webers spätere Bearbeitung für Fagott durchgesetzt. Der hier zu hörenden Erstfassung entlockt Diyang Mei, der meisterhafte erste Solo-Bratscher der Berliner Philharmoniker, mit seiner schlichten, vibratoarmen Klanggebung eine bezwingende Intensität. Zu Beginn kommt der klagende, melancholische Charakter zur Geltung. Im Rondo verbreitet Diyang Mei bei makellosen Doppelgriffen und Saitenwechseln rasantes Feuer. Am Pult sorgt Johannes Moesus dafür, dass die Solo-Bratsche klanglich nie vom Orchester überdeckt wird.

Weitere Variationen für Cello und Orchester komponierte Weber in Mannheim für einen befreundeten Jurastudenten und Amateurcellisten. Aus Zeitnot übernahm er große Teile aus dem zwei Jahre älteren Grand Potpourri, die er vereinfachte. Auf dem begrenzten Platz einer CD hätte man da auch ein anderes Stück bringen können, das dem Hörer echten Mehrwert bietet.

In La dolce speranza, Webers erster Konzertarie, ist sein dramatisches Gespür schon deutlich zu vernehmen. Der Text, der die sehnsüchtige Erwartung des Geliebten thematisiert, ist zwar ziemlich austauschbar. Jedoch bringt Elena Harsányi mit ihrem natürlich-frischen Sopran die einschmeichelnden Melodien zum Leuchten und verleiht der hoffnungsvollen Erwartung eine innige Tiefe.

Das Album ist ein echter Glücksfall zum Weber-Jubiläum. Es lässt den Opernstar links liegen und rückt Webers recht unbekannte Instrumentalmusik ins Rampenlicht. Wer wissen will, wo die Wurzeln der deutschen Romantik liegen, kommt an diesen charmanten Frühwerken nicht vorbei.

Antje Rößler [28.10.2026]

Anzeige

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Carl Maria von Weber
1Grand Potpourri WeV N.6 für Violoncello und Orchester 00:18:21
5Andante e Rondo Ungarese WeV N.7a für Viola und Orchester 00:09:41
7Variationen WeV N.2b für Viola und Orchester 00:06:43
Sebastiano Nasolini
8O cara immagine (aus: Eugenia) 00:03:55
Franz Danzi
9Thereses Rondo (aus: Der Quasimann) 00:04:09
Carl Maria von Weber
10Variationen WeV N.8 für Violoncello und Orchester 00:12:43
11Il momento s'avvicina ... La dolce speranza (Rezitativ und Rondo) 00:05:46

Interpreten der Einspielung

▲

Anzeige

Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Anzeige