La Luce
Simone Kermes
Prospero Classical PROSP0141
1 CD • 58min • 2020
07.06.2026
Künstlerische Qualität:![]()
Klangqualität:![]()
Gesamteindruck:![]()
Mit extravaganten Outfits und einem an Popstars orientierten Vortragsstil begann die Leipzigerin Simone Kermes vor einem guten Vierteljahrhundert eine Opern- und Konzert-Karriere, die ihr auch eine hohe Medienpräsenz verschaffte, wobei die Barockmusik einen Schwerpunkt ihres Repertoires bildete, ihre systematischen Grenzüberschreitungen in Richtung U-Musik aber zu einer Art Markenzeichen wurden. Als „Nina Hagen der Barockmusik“ wurde sie 2010 in der NDR Talk Show angekündigt, wo sie auch mit dem von ihr begeisterten Karel Gott im Duett sang. In einigen Gesamtaufnahmen und zahlreichen Solo-CDs hat sie sich in ihrer Glanzzeit verewigt. Ein neues, allerdings schon vor sechs Jahren in Warschau entstandenes Album zeigt die gereifte Sängerin in guter stimmlicher Verfassung mit einem sehr persönlichen Programm, das wie früher von einer Vermischung der Gattungen und Stilrichtungen geprägt ist.
Weiterhin auf dem Weg
Das Licht (la luce), das dem Album den Titel gibt, ist für Simone Kermes nicht der „Gegenpol zur Dunkelheit, sondern das, was bleibt, wenn Gewissheiten zerbrechen. Als Hoffnung. Als innere Bewegung“. Im Corona-Jahr 2020 aufgenommen, ist diese CD ein Dokument des Innehaltens. Die damals 55jährige Sängerin will sie aber nicht als Bilanz verstanden wissen, „sondern als Weitergehen – mit weniger Ego, mit mehr Dankbarkeit“. So ist das Programm kein rückblickendes „Best of“, sondern enthält durchweg Stücke, die sie vorher noch nicht aufgenommen hatte, die aber lange auf einer „inneren Wunschliste“ standen. Selbstverständlich steht die Barockoper dabei an prominenter Stelle, nämlich am Anfang, am Schluss und in der Mitte, doch handelt es sich um weniger bekannte Titel wie Leonardo Vincis Catone in Utica und Vivaldis Tito Manlio. Als kostbares Fundstück erweist sich eine Arie aus dem Oratorium Giob von Carl Ditters von Dittersdorf. In zwei Klassikern der Neuzeit, Leonard Bernsteins Candide und Carl Orffs Carmina burana, verwischen sich die Grenzen zwischen E- und U-Musik.
Liebe zum Kino
Als bekennende Kino-Liebhaberin hat Simone Kermes auch einige Filmmusik ins Programm aufgenommen. Eine Leitmelodie aus Sergio Leonis Once upon the time in the West gestaltet sie als Vokalise und gleichzeitig Hommage an den Komponisten Ennio Moricone, der am Tag der Aufnahme gestorben ist. Viele Male hat sie Roman Polanskis Die neun Pforten (mit Johnny Depp) gesehen und war von der Musik Wojciech Kilars verzaubert. Schließlich fand sie die Noten der Vocalise in einem polnischen Musikgeschäft. Der bei uns weniger bekannte Kilar (1932-2013) gilt als einer der bedeutendsten Komponisten Polens und hat ein sehr vielseitiges Werk hinterlassen. Bei Zbigniew Preisner (Jg. 1955) liegt der Schwerpunkt der Arbeit beim Film. Er hat viel mit seinem Landsmann Krzysztow Kieślowski zusammengearbeitet, aus dessen Film Die zwei Leben der Veronika eine Arie zu hören ist, des weiteren das Lacrimosa aus einem Requiem, das Preisner zu Ehren des verstorbenen Regisseurs geschrieben hat.
Künstlerische Reife
Simone Kermes zeigt in allen Stücken eine frisch gebliebene Stimme und kann weiterhin mit den von ihr gewohnten Koloraturfeuerwerken auftrumpfen. In Sachen Barockoper ist die Konkurrenz allerdings mit Cecilia Bartoli und einer ganzen Armada von Sopranisten mittlerweile sehr groß. In der unverwüstlichen Bravour-Arie „Glitter and be gay“ aus Bernsteins Candide zeigt Kermes mit vielen Zwischentönen und wechselnden Stimmfarben gewachsene künstlerische Reife. Die Musiker der Warschauer Kammeroper unter Julien Salemcour erweisen sich als ebenbürtige Partner der Sängerin, die ihr auch stilistisch mühelos bei ihren Sprüngen zwischen den Zeiten und Genres folgen können.
Ekkehard Pluta [07.06.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Leonardo Vinci | ||
| 1 | Se in campo armato (aus: Catone in Utica) | 00:05:42 |
| Joe Sample | ||
| 2 | One Day I'll Fly Away | 00:05:09 |
| Wolfgang Amadeus Mozart | ||
| 3 | Vorrei spiegarvi, oh Dio! KV 418 (Einlagearie zu "Il curioso indiscreto" von P. Anfossi) | 00:06:44 |
| Carl Ditters von Dittersdorf | ||
| 4 | È follia d'un alma stolta (aus: Giob, Oratorio a sei voci in due Parti) | 00:06:40 |
| Antonio Vivaldi | ||
| 5 | Sonno, se pur sei sonno (aus: Tito Manlio RV 738, Dramma per musica, 1719) | 00:02:34 |
| Ennio Morricone | ||
| 6 | Vocalise (aus: Once Upon A Time in the West) | 00:03:50 |
| Zbigniew Preisner | ||
| 7 | Van den Budenmayer Concerto E Minor SBI 152 (aus: The Double Life of Véronique) | 00:04:49 |
| 8 | Lacrimosa (aus: Requiem for My Friend) | 00:03:45 |
| Wojciech Kilar | ||
| 9 | Vocalise (aus: The Ninth Gate) | 00:03:57 |
| Krzysztof Penderecki | ||
| 10 | I. Aria (aus: Drei Stücke im Alten Stil (nach Musik zu dem Film "Die Handschrift von Saragossa")) | 00:01:43 |
| Leonard Bernstein | ||
| 11 | Glitter and be Gay (Cunegonde - aus: Candide) | 00:06:28 |
| Carl Orff | ||
| 12 | Cour d'amours, In trutina (aus: Carmina Burana (Lieder aus Benediktbeuren. Weltliche Gesänge für Soli, Chor und Orchester)) | 00:02:04 |
| Georg Friedrich Händel | ||
| 13 | Verso già l'alma col sangue (aus: Aci, Galatea e Polifemo HWV 72) | 00:04:03 |
Interpreten der Einspielung
- Simone Kermes (Sopran)
- Musicae Antiquae Collegium Varsoviense (Orchester)
- Warsaw Chamber Opera Choir (Chor)
- Julien Salemkour (Dirigent)
