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Besprechung CDSpark • Chiel Meijering: Kiss of Fire

Spark • Chiel Meijering: Kiss of Fire

Württembergisches Kammerorchester Heilbronn • Johannes Witt

Berlin Classics 0303731BC

1 CD • 47min • 2024

31.05.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Das Ensemble Spark gehört zu jenen Formationen, die den Klassikbetrieb dort aufmischen, wo er es am dringendsten braucht: An der Schnittstelle zwischen Tradition und Aufbruch. Mit „Kiss of Fire", erschienen bei Berlin Classics, sucht Spark die Kooperation mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn – und gerade dieses Traditionshaus erweist sich als hellhörig, offen für das Abenteuer, kammermusikalisch differenziert. Schon das Cover löst das Versprechen ein: zwei sich küssende Gesichter, deren Haare in flammenden Farben lodern – ein Bild, das die sinnliche Hitze der Musik vorwegnimmt.

Pulsierender Klangrausch

Hier muss das schöne Attribut vom Hörkino bemüht werden: Chiel Meijerings neunsätziges Konzert Kiss of Fire für Spark, Streichorchester und Percussion, bereits 2014 entstanden und nun erstmals eingespielt, hat von außen betrachtet etwas Morricone-haftes – jene Kunst, mit kleinsten Gesten emotionale Weite zu öffnen. Im Kopfsatz Love and Hate mischt sich die Perkussion feinfühlig unter die Streicherflächen, eine Ouvertüre, nach der das Klavier das Wort ergreift, sinnlich, beinahe tastend. Der zweite Satz, When Love Comes Knocking, trumpft umso mehr auf: kunstvolle Patterns, die raffinierten Minimal-Music-Patterns das Wasser reichen, flirrende Bläserfiguren, Blockflöten sogar, alles verwoben zu einem pulsierenden Klangrausch wie ein Freudenfest. Im dritten Satz I've Loved and I've Been Loved wird der Gestus friedlicher, lyrische Aperçus von Klavier und Violinkantilene – und genau hier behauptet die Musik ihren dritten Weg: zwischen amerikanischer Minimal-Tradition und intellektueller Avantgarde, zugewandt einem Publikum, das Seele sucht, und bei allem: souverän hinausgewachsen über jede kommerzielle Neoklassik-Schublade.

Hörkino mit historischem Ankerpunkt

Spark führt durch dieses Programm mit jener Mischung aus Spielwitz und Ernsthaftigkeit, die das Ensemble auszeichnet – und das Württembergische Kammerorchester unter Johannes Witt geht den Weg mit offenen Ohren mit. Die Sätze spannen eine variantenreiche Geschichte ohne Worte, ein narrativer Faden hält alles zusammen. Immer wieder findet die Musik lyrische, emotionale Ankerpunkte – etwa im achten Satz When the Party Is Over, wo ein wiederkehrendes Flöten-Aperçu über sanft frierenden Streichern aufscheint wie ein letzter Blick zurück, bevor das Licht ausgeht.

Dass sich die kürzeren Stücke von Victor Plumettaz, Christian Fritz und Andrea Ritter – allesamt Mitglieder von Spark – so stimmig in dieses Narrativ einfügen, ist kein Zufall: Hier komponiert ein Ensemble für sich selbst, aus genauer Kenntnis der eigenen Klangsprache. Wenn am Ende William Waltons elegisches Touch Her Soft Lips and Part von 1944 erklingt, jenes schmerzlich schöne Adagio aus seiner „Henry V"-Filmmusik, schließt sich der Kreis auf unaufdringliche Weise: Das Hörkino, mit dem alles begann, findet seinen historischen Ankerpunkt — und seinen in sich ruhenden Abgesang.

„Kiss of Fire" ist mehr als ein gelungenes Crossover-Album – es ist ein Plädoyer dafür, dass erfahrene Klangkörper den jungen Stimmen die Tür öffnen, ohne sich selbst zu verlieren. Spark und das Württembergische Kammerorchester führen vor, wie Verjüngung klingen kann, wenn sie als gemeinsames Atmen begriffen und praktiziert wird: neugierig, handwerklich souverän — und auf eine fast altmodische Weise herzwarm in einer Musik, die ohne wenn und aber aus dem Heute kommt.

Stefan Pieper [31.05.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Chiel Meijering
1Kiss of Fire 00:37:46
Victor Plumettaz
10The Art of Forgiving 00:02:29
Christian Fritz
11Waltz of the Ladybirds 00:01:30
12What the Night Promised 00:02:02
Andrea Ritter
13Patti is Dancing 00:01:36

Interpreten der Einspielung

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