A Prologue
Schubert Chopin Rachmaninoff Scriabin
Misha Namirovsky piano
TYXart TXA25208
1 CD • 64min • 2025
29.05.2026
Künstlerische Qualität:![]()
Klangqualität:![]()
Gesamteindruck:![]()
Misha Namirovsky stammt aus Moskau und lebt in China. 2014 erhielt er den Deutschen Pianistenpreis in Frankfurt. Seitdem hat man hierzulande nicht viel von ihm gehört. Um seine Präsenz in Deutschland wieder zu stärken, veröffentlicht der Pianist nun sein Solo-Debüt bei dem bayerischen Independent-Label TYXart, wo er zuvor schon Klaviertrios eingespielt hat.
Das Programm umfasst Schuberts späte c-moll-Sonate, ein Chopin-Nocturne, einige Preludes von Rachmaninow sowie die Sonate op. 30 von Skrjabin. All das ist Standardrepertoire. Das Fehlen eines roten Fadens sei jedoch Absicht, erklärt Namirovsky im Beiheft. Es ging ihm darum, das heterogene Programm eines Live-Auftritts auf CD zu bannen; daher trägt das Album den Untertitel „Ein Studiokonzert“.
Schubert wandert nicht, er joggt
Das Beste kommt zum Schluss. Den Auftakt macht die c-Moll-Sonate D. 958 aus Schuberts Todesjahr. Misha Namirovsky geht sie analytisch und präzise an. Es fehlt seiner Interpretation an Abgründigkeit ebenso wie an Wiener Schmelz. Bei seinem Tempo kommt der unterschwellige Ausdruck des Wanderns und Verweilens nicht zum Tragen.
Im Finale, der Tarantella, staunt man über Namirovskys enorme technische Fähigkeiten. Der Pianist wählt hier ein Tempo, das an die Grenzen des Spielbaren geht. Das Ergebnis wirkt jedoch nicht dämonisch, sondern sportlich.
Auch Namirovskys Interpretation von Chopins großformatigem Nocturne fis-Moll op. 48/2 überzeugt nicht so recht. Zwar besticht sein Spiel auch hier durch technische Meisterschaft, die sich zum Beispiel am Ende bei den ebenmäßig rollenden pianissimo-Trillern zeigt. Jedoch wirkt seine Herangehensweise zurückhaltend und distanziert. Der gesangliche Fluss will nicht so recht in Gang kommen.
Weiter geht es mit fünf der Rachmaninow-Preludes op. 32, denen Namirovskys unsentimentale, kühle Herangehensweise wiederum gut bekommt. Der Pianist malt hier nicht sentimental mit „breitem Pinsel“, sondern arbeitet die Spannungsbögen und polyrhythmischen Schichten genau und stets transparent heraus.
Klare Linienführung
Auch Skrjabins zweisätzige Sonate op. 30, die dessen mystische, pantheistische Weltsicht offenbart, ist hier ein Freilegen von Strukturen. Namirovsky lässt die Harmonien nicht wie Nebelschwaden ineinanderfließen, sondern setzt auf klare Linienführung. Skrjabins vermeintlicher Klangrausch offenbart sich dem Hörer als komplex-organisiert. Die dichten Akkordballungen im Finale klingen bei Namirovsky nie verschwommen, sondern bewahren eine kristalline Klarheit.
Misha Namirovsky hat sehr klare, zuweilen durchaus eigenwillige Vorstellungen in Bezug auf Tempo, Dynamik, Phrasierung. Seine Stärke liegt in der Entfaltung formaler Strukturen, wobei man zuweilen Wärme und gesanglichen Fluss vermisst. Bei Rachmaninow und Skrjabin hingegen überzeugt sein Ansatz: Mit seiner kontrollierten Expressivität offenbart der Pianist, dass Klangrausch und mystische Tiefe auf komplexen Strukturen fußen.
Antje Rößler [29.05.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Franz Schubert | ||
| 1 | Klaviersonate Nr. 19 c-Moll D 958 op. posth. | 00:32:04 |
| Frédéric Chopin | ||
| 5 | Nocturne Nr. 14 fis-Moll op. 48 Nr. 2 | 00:07:37 |
| Sergej Rachmaninow | ||
| 6 | Prelude gis-Moll op. 32 Nr. 12 – Allegro | 00:02:16 |
| 7 | Prélude F-Dur op. 32 Nr. 7 – Moderato | 00:02:15 |
| 8 | Prelude c-Moll op. 23 Nr. 7 – Allegro | 00:02:32 |
| 9 | Prélude G-Dur op. 32 Nr. 5 – Moderato | 00:03:02 |
| 10 | Prélude h-Moll op. 32 Nr. 10 – Lento | 00:06:11 |
| Alexander Scriabin | ||
| 11 | Klaviersonate Nr. 4 Fis-Dur op. 30 Nr. 4 | 00:08:05 |
Interpreten der Einspielung
- Misha (Klavier)
