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Besprechung CDSHECOMPOSED

SHECOMPOSED

53 Piano Pieces by Women Composers

Prospero Classical PROSP0129

2 CD • 2h 32min • 2024

15.05.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Das dürfte für ein Doppelalbum rekordverdächtig sein: 53 durchweg hörenswerte Stücke unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade von 53 Komponistinnen, gespielt von 11 Pianisten erweitern das Klavierrepertoire von der unteren Mittelstufe bis zum Konzertpodium! Diese wurden von Ulrike Keil und Yami CruzMontero in drei in aufsteigender Schwierigkeit angeordneten Heften unter dem Titel Komponistinnen im Klavierunterricht bei der Wiener Universal Edition veröffentlicht und in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk auf Tonträgern verwewigt.

Lateinamerika und Frankreich auf den vorderen Plätzen

Die interessantesten, sofort ins Ohr gehenden Kompositionen stammen von hierzulande unbekannten Komponistinnen aus Lateinamerika. Samba, Tango, Temperament mit der durch tropische Temperaturen bedingten lässigen Melancholie erweitern das Repertoire um dezidiert neue Farben, die das Publikum mitzureißen vermögen. Ideale Zugaben oder Überraschungen für die Jury bei Jugend musiziert. Anspieltipp: Track I/29 Danza von Cecilia Aristi, I/30 Juangriego von Modesta Bar und I/38 Chorós brasileiros von Lina Pesce; durchaus eine Alternative zu Alberto Ginastera oder Heitor Villa-Lobos.

Auch die Französinnen können sich mit ihren männlichen Kollegen messen: Elisabeth Jacquet de la Guerre mit Jean Henri D’Anglebert und François Couperin; Marie Jaell, Germaine Tailleferre, Louise Farrenc, Cécile Chaminade, Mel Boni mit Camille Saint-Saëns, Jules Massenet, Gabriel Fauré und dem jungen Debussy. Eine Ausnahmestellung nehmen Thème et Variations (II/8) von Lili Boulanger ein, worin die Tonalität bis an die Grenze ausgereizt wird, die Komponistin es aber verstehet, jede modulierende Akkordverbindung absolut logisch erscheinen zu lassen. Da das Werk nur im Manuskript vorliegt, muss offenbleiben, ob es sich hier um ein Klavier- oder Orgelwerk handelt. Für die Orgel sprächen die Bass-Oktaven, zu denen durchgehend noch eine obere Terz gegriffen werden muss und die sich deshalb auf linke Hand und Pedal aufgeteilt ideal machen. Auf dem Klavier bräuchte man ohne Vorschlagen oder unruhiges Arpeggieren Pranken à la Gilels.

Beachtliches aus Osteuropa

Wer wissen will, wer Chopin inspirierte, höre die Nocturne (I/31) von Maria Szymanowska, für die Beethoven eine Bagatelle komponierte. Sehr witzig, die Polka von Tatjana P. Nikolaevna (I/17); meditativ die Berceuse von Dora Pejacevic (I, 15).

Epigonales

Bei den Beiträgen der Damen aus Großbritannien, Skandinavien, Deutschland und Italien sah ich mich zu häufig genötigt, zum virtuellen Hut greifen zu müssen, um altbekannte Vorbilder zu grüßen. Das ist alles handwerklich solide gemacht, kam aber häufig um ein paar Jahrzehnte zu spät. Emilie Mayer ist weniger inspiriert als Carl Czerny. Josephine Lang imitiert die in Chopins fis-Moll-Polonaise eingeschobene Mazurka in ihrer Danse infernale im Walzerrhythmus, was aufgrund des zu geringeren Gegensatzes im Tempo nicht funktionieren kann. Da schneidet einzig Fanny Mendelssohn, die begabtere Schwester von Felix, noch am besten ab.

Engagierte Interpretation

Die 11 an der Einspielung dieser Doppel-CD beteiligten Pianistinnen und Pianisten sind mit einem wahren Feuereifer bei der Sache, doch würde jedes Hervorheben einzelner Meriten den Platz sprengen. Jede und jeder hat sich intensiv mit den Stücken beschäftigt und bringt sie zum Leuchten. Da hört man gern zu.

Das Booklet rekurriert eher auf die soziologischen Faktoren à la „Wir armen, armen Mädchen“ (Lortzing, Waffenschmied) als auf die Werke und deren individuelle Qualität. Zur Edition wäre anzumerken, dass man bei Sonaten nicht nur die Kopfsätze veröffentlichen sollte. Zum Glück gibt es IMSLP. Dahingegen ist die Aufnahmequalität exquisit.

Fazit: Abwechslungsreiche, angenehm zu hörende Anthologie unbekannter Klaviermusik. Schüler ab der unteren Mittelstufe finden hier und in den bei Schott bereits früher veröffentlichten 3 Heften der Woman Composers interessantes Material für Klavierunterricht und Vorspiele. Allerdings ist die von Ulrike Keil im Vorwort zur Druckausgabe bei Universal geäußerte Annahme, dass unsere Konzertprogramme in Zukunft zu 50% von Komponistinnen gefüllt werden könnten, wohl doch zu hoch gegriffen, da einzig die Variationen von Lili Boulanger dem Vergleich mit Brahms oder César Franck standhalten.

Thomas Baack [15.05.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Florence Price
1Hoe Cake, Corn Cake 00:01:20
Maria Matilde Alea
2Paseo en la Alameda 00:00:34
Dorothee Eberhardt
3Das Kaninchen - melancholisch 00:01:38
Lilia Vázquez Kuntze
4El chinito trabajador 00:00:33
Emilie Mayer
5Sechs Klavierstücke für die Kinderwelt op. 48 Nr. 1 00:00:57
Teresa Carreño
6Valse (Piano Pieces for Children No. 5) 00:01:51
Isidora Zegers
7La Pompone 00:00:51
Elisabeth-Claude Jacquet de la Guerre
8Suite d-Moll (Menuet) 00:01:21
Mary Wurm
9Marsch der Bleisoldaten 00:01:43
Elisabetta de Gambarini
10Tambourin op. 2 Nr. 7 (aus: Lessons and Songs op. 2) 00:01:01
Freda Swain
11Chanson du petit berger 00:01:21
Ethel Smyth
12Invention 00:01:26
Anna Severine Lindemann
13Aftenstemning op. 5 Nr. 3 00:01:58
Germaine Tailleferre
14Lavendin de Haute-Provence (aus Fleurs de France) 00:00:49
Dora Pejačević
15Berceuse op. 2 00:02:27
Louise Farrenc
16Étude op. 50 Nr. 2 00:01:42
Tatjana Petrowna Nikolajewa
17Polka op. 19 Nr. 3 00:01:18
Khadija Zeynalova
18Präludium Nr. 6 00:01:25
Amy Beach
19The Returning Hunter op. 64 Nr. 2 00:01:18
Maria Enma Botet Dubois
20Diablito Carnavalesco 00:01:00
Déborah Halász
21Na beira da Estrada 00:01:32
Marie Jaëll
22IV. Petite pluie fine (aus: Les jours pluvieux) 00:00:44
Anna Bon di Venezia
23Sonate C-Dur op. 2 Nr. 4 00:04:24
Vítězslava Kaprálová
24Pisnička 00:01:22
Marguerite Roesgen-Champion
25Chant pastoral (Bucoliques) 00:02:46
Teresa Catalán
26Juguetes Rotos Nr. 1 00:02:26
Katharina Nohl
27Crystal 00:02:58
Luise Adolpha Beau
28Fantasiestück op. 1 Nr. 1 00:02:53
Cecilia Arizti
29Danza 00:02:02
Modesta Bor
30Juangriego 00:02:41
Maria Szymanowska
31Nocturne B-Dur 00:05:16
Ruth Schonthal
32Sweet America 00:00:53
Julia Schwartz
33Vignette XIV 00:01:18
Sofia Gubaidulina
34Invention 00:00:50
Aurora Román Casares
35Tristezza índia 00:04:04
Josephine Lang
36Danse infernale op. 46 (Ein unheimlicher Tanz für das Pianoforte) 00:05:40
Anna Caroline de Belleville-Oury
37Devonshire Polka 00:02:17
Lina Pesce
38Bem-te-vi atrevido 00:01:52
CD/SACD 2
Karen Tanaka
1Techno Etudes II Nr. 2 00:03:53
Gisela Herández
2Toque de clave (aus Cubanas para piano) 00:02:04
Alicia Terzian
3Danza Criolla op. 1 00:02:34
Clara Schumann
4Präludium und Fuge op. 16 Nr. 3 00:05:15
Maria Anna Martinez
5Sonate A-Dur (1. Satz Allegro) 00:03:29
Fanny Mendelssohn-Hensel
6Lied ohne Worte E-Dur op. 8 Nr. 4 (Wanderlied) 00:02:38
Leopoldine Blahetka
7Nocturne op. 46 Nr. 1 00:06:03
Lili Boulanger
8Thème et variations 00:10:28
Agathe Backer Grøndahl
9Suite op. 20 (Nr. 5: Scherzo) 00:03:36
Mélanie Bonis
10Barcarolle op. 71 (À Gabrielle Monachablon) 00:05:13
Cécile Louise Chaminade
11Etudes de concert op. 35 00:06:45
Philippine Schick
12Metemorphosen op. 52 00:10:12
Beatriz Lockhart
13Joropo 00:03:14
Lia Cimaglia Espinosa
14Tango 00:04:00
Dorothea Hofmann
15unter dem Baum steht mein Schatz (aus: Zwei serbische Lieder für Klavier solo) 00:04:25

Interpreten der Einspielung

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