Jewish Chamber Orchestra Munich feiert Mieczysław Weinberg
Mit einem einwöchigen Festival begeht das Jewish Chamber Orchestra Munich den 100. Geburtstag von Mieczysław Weinberg. Orchesterwerke, Kammermusik und eine Oper des lang unterschätzten Komponisten jüdisch-polnischer Herkunft kommen im NS-Dokumentationszentrum München, in den Münchner Kammerspielen und in Schloss Elmau zur Aufführung. 2010 sorgte die szenische Uraufführung Mieczysław Weinbergs Oper Die Passagierin bei den Bregenzer Festspielen für eine Sensation. Dennoch sieht das Jewish Chamber Orchestra Munich das Œuvre des 1996 verstorbenen Künstlers in seiner Vielfalt nach wie vor nicht angemessen gewürdigt. Mieczysław Weinberg, der im kommenden Dezember seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, war ein äußerst produktiver und vielseitiger Komponist. 154 seiner Werke sind bis heute erhalten, darunter 22 Symphonien, vier Kammersymphonien, sechs Opern (darunter auch die Oper Lady Magnesia) sowie Ballette, Film- und Zirkusmusik. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft floh Weinberg vor den Nazis aus seiner Heimat Polen in die Sowjetunion, wo er während der Stalin-Herrschaft verfolgt wurde.
Der Höhepunkt der Festivalwoche ist die Aufführung der einaktigen Kammeroper Lady Magnesia (1975) am 23. Mai in den Münchner Kammerspielen. Weinberg ließ sich beim Komponieren des absurd-komischen Werkes durch barocke Klänge, Unterhaltungsmusik, Tänze und Jazz inspirieren. Sein Libretto basiert auf der Farce Passion, Poison and Petrifaction des irischen Dramatikers George Bernard Shaw, in der es um Ehebruch und Mord geht. Erst 2009 erlebte Lady Magnesia beim Weinberg-Festival in Liverpool ihre konzertante Uraufführung. Drei Jahre später brachte sie das Theater Erfurt erstmals in einer szenischen Fassung auf die Bühne. In der Hauptrolle tritt die Sopranistin Susanne Bernhard auf.
Der Filmkomponist Weinberg rückt bei einer Veranstaltung im Neuen Rottmann Kino am 22. Mai in den Fokus. Das 1957 entstandene Melodram Die Kraniche ziehen, bei dem Michail Kalatosow Regie führte, handelt von einem Liebespaar in Moskau, das durch den Zweiten Weltkrieg für immer voneinander getrennt wird. Der Film, zu dem der Dramatiker Wiktor Rosow das Drehbruch verfasste und Weinberg die Musik schrieb, hatte nicht nur im Ostblock, sondern auch im Westen Erfolg. 1958 gewann er bei den Filmfestspielen von Cannes die Goldene Palme.
Um Weinbergs Leben in der Sowjetunion geht es am 26. Mai bei einem Gesprächskonzert zum Abschluss des Festivals in den Münchner Kammerspielen. Bei der Matinee werden neben der Rhapsodie über moldawische Themen auch 3 Stücke für Geige und Klavier (1934) und die Sonate für zwei Violinen solo op 69 (1959) gespielt. Solisten sind die Geiger Tassilo Probst und David Frühwirth, die von dem Pianisten Johannes Umbreit am Flügel begleitet werden.
Die Termine:
20. Mai 2019, 19:00 Uhr | Auditorium, NS-Dokumentationszentrum München
21. Mai 2019, 20:00 Uhr | Kammer 1, Münchner Kammerspiele
22. Mai 2019, 20:00 Uhr | Neues Rottmann-Kino
23. Mai 2019, 20:00 Uhr | Kammer 1, Münchner Kammerspiele
25. Mai 2019, 20:30 Uhr | Schloss Elmau
26. Mai 2019, 12:00 Uhr | Kammer 3, Münchner Kammerspiele
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