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Interview

Donnerstag, 17. Mai 2012

20 Jahre Konzertreihe "Winners & Masters"

Nachwuchsförderung contra Werteverfall und Desorientierung

Aus dem Bewusstsein heraus, dass Kultur nicht allein Angelegenheit staatlicher „Daseinsvorsorge“sein darf, haben im Mai 1995 Bürgerinnen und Bürger aus München und Umgebung den Kulturkreis Gasteig ins Leben gerufen. Ein besonderes Anliegen wurde ihnen schon bald die Förderung junger Nachwuchskünstler, eine Zielsetzung, die sie in der mittlerweile etablierten Reihe „Winners & Masters“ Jahr für Jahr vorantreiben. Seit 20 Jahren besteht diese Reihe nun schon – Grund genug für den Kulturkreis Gasteig und seine Macher, die größtenteils ehrenamtlich und unter Aufwendung erheblichen finanziellen und ideellen Engagements arbeiten, dieses Jubiläum mit einem Festkonzert am 18. April um 19.00 Uhr im Carl Orff-Saal im Gasteig gebührend feierlich zu begehen. Den musikalischen Rahmen gestalten junge Nachwuchskünstler wie Valentina Babor (Klavier), Moritz Eggert (Klavier), Konrad Jarnot (Bariton), Sebastian Klinger (Violoncello) und Peter Ovtcharov (Klavier). KLASSIK-HEUTE sprach anlässlich dieses „Jubiläumskonzerts – 20 Jahre Winners and Masters“ mit Dr. Eckhard Klapp, dem Vorsitzenden des Kulturkreises Gasteig.

KLASSIK-HEUTE: Der Kulturkreis Gasteig, dem Sie, Herr Dr. Klapp, vorstehen, veranstaltet die Reihe „Winners & Masters“. Was ist die Intention, die Zielrichtung dieser Reihe?

Dr. Klapp: Ursprünglich war daran gedacht, junge Künstler nach München zu holen, und dabei ist es geblieben. Das machen wir nach wie vor. Wir versuchen aber auch, sogenannte ,Master’ in die Reihe zu integrieren, die in ihrer Karriere schon etwas weiter sind.

D.h. also, Sie haben sich in erster Linie der Förderung junger Künstler verschrieben.

Ja. Aber um im Rahmen unserer Reihe auftreten zu können, müssen die jungen Künstler einige objektive Auswahlkriterien erfüllen. Die Künstler, die wir einladen, dürfen nicht älter als 30 Jahre sein und sie müssen – also nicht unbedingt müssen, aber sie sollten – einen großen internationalen Wettbewerb gewonnen haben. Inzwischen gibt es ja sehr viele internationale Wettbewerbe. Entsprechend gibt es auch viele Künstler, die nicht automatisch aufgrund eines Gewinns eines solchen Wettbewerbs die große internationale Karriere machen. Das ist vielleicht früher einmal so gewesen, ist aber inzwischen nicht mehr so. Und diese jungen Künstler sind zum Teil sehr dankbar, wenn sie bei uns im Gasteig auftreten können.

Wer trifft die Auswahl der Künstler?

Die Auswahl treffen Dr. Krause, der die Reihe organisiert, und ich. Häufig ziehen wir auch noch den Komponisten Wilfried Hiller hinzu, quasi als ,Musikfachmann’. Inzwischen sind wir – Herr Krause und auch ich – so weit, dass wir uns ein eigenes Urteil erlauben können.

Wir bekommen aber auch Demo-CDs zugesandt und erhalten bisweilen Empfehlungen. Wenn uns zum Beispiel jemand wie Prof. Mauser einen jungen Künstler ans Herz legt, dann ist das für uns schon wichtig. Hin und wieder – aber dazu haben wir nicht immer die Zeit und die Möglichkeit – hören wir uns auch Nachwuchskünstler an. Anregungen kommen natürlich auch von anderen Vorstandsmitgliedern und Vereinsmitgliedern.

Natürlich fahren Herr Krause und ich auch zu Wettbewerben. Das kann man allerdings nicht immer machen, aber so zwei, drei Wettbewerbe im Jahr sind doch dabei. Ich war beispielsweise vor zwei Jahren beim Geza Anda-Wettbewerb und Herr Krause war in Moskau.

Ihre Programme stellen die jungen Nachwuchskünstler selbst zusammen?

Im Prinzip schon. Wir haben aber in verschiedenen Jahren auch schon thematische Vorgaben gemacht. Wir hatten einmal Bach vorgegeben, im letzten Jahr war das Thema ,Nachtstücke’. Die Künstler halten sich dann mehr oder weniger – eigentlich weniger – daran. Manche ja, manche nicht. Das ist schwierig, denn das sind natürlich auch Künstler, die noch nicht das riesige Repertoire haben. Eine Vorgabe haben wir, das ist uns wichtig, davon lassen wir auch nicht ab und das kann man anhand der Programme auch verfolgen: Jeder Künstler muß ein zeitgenössisches Stück spielen. Das sind häufig Uraufführungen. Ich halte das für unverzichtbar, obwohl ich manchmal selber mit den Stücken nicht so viel anfangen kann. Aber ich finde es wichtig, auch im Sinne der Künstler, dass sie sich mit der zeitgenössischen Musik auseinandersetzen, darauf insistieren wir.

Seit wann gibt es diese Reihe „Winners & Masters“?

Die Reihe an sich gibt es seit 20 Jahren – wir feiern am 18. April das 20-jährige Jubiläum. Wir als Kulturkreis haben sie 1998 übernommen, also vor 11 Jahren. Dr. Krause hat sie bis dahin sozusagen in Eigenregie veranstaltet. Das ist ihm dann ein wenig über den Kopf gewachsen, zumal ja auch ein erhebliches finanzielles Risiko damit verbunden war. Wir sind irgendwann einmal zusammengekommen und uns sehr schnell einig geworden, dass wir als Kulturkreis Gasteig die Reihe übernehmen, dass Herr Dr. Krause die Reihe aber weiterhin organisiert.

Wie lange besteht der Kulturkreis Gasteig?

Den Kulturkreis Gasteig gibt es seit 1985. Wir feiern im nächsten Jahr unser 25-jähriges Bestehen. Da überlegen wir gerade, was wir machen. Wir haben auch schon gewisse Vorstellungen, wie wir dieses Ereignis auch würdig begehen.

Die Reihe „Winners & Masters“ ist also nur ein Projekt des Kulturkreises Gasteig. Was machen Sie noch im Rahmen des Kulturkreises Gasteig?

Das ist eine ganze Menge. Wir haben zum einen den Musikpreis, der von der Kreissparkasse München-Starnberg gesponsert wird und in diesem Jahr erstmals an die Studierenden der Münchner Musikhochschule verliehen wird. Bisher war es das Richard-Strauss-Konservatorium – die beiden haben ja bekanntlich fusioniert.

Dann hatten wir im vergangenen Jahr eine Gesprächsreihe. ,Manfred Osten im Gespräch mit ...‘ u.a. Fischer-Dieskau und anderen interessanten Persönlichkeiten. Und wir werden jetzt im Herbst eine Vortragsreihe veranstalten unter dem Titel: ,Gegen den Strich gebürstet‘, in der namhafte Leute, die nicht im Mainstream schwimmen bei uns Vorträge halten. Wir haben im letzten Jahr einen Wilhelm Busch-Abend gestaltet, wir hatten einen Rückert-Abend – das war jeweils ein Vortrag mit Musikbegleitung. Das ist auch so eine Sache, die sich bei uns in den letzten Jahren herausgebildet hat: wir verbinden sehr gerne ,Wort und Musik‘, nicht in Form von Liedern, sondern tatsächlich nebeneinander gesetzt, aber doch aufeinander bezogen.

Sie nennen sich „Kulturkreis Gasteig“. In wieweit sind Sie mit dem Gasteig verbunden, oder sind Sie eine eigenständige Institution?

Bei der Gründung des ,Kulturkreis Gasteig’ war vorgesehen, dass wir den Gasteig unterstützen, insbesondere auch finanziell.
In den ersten Jahren ist es auch so gewesen, dass wir kulturelle Veranstaltungen des Gasteig finanziell unterstützt haben. Das hat sich aber geändert, u.a. auch aus steuerlichen Gründen. Inzwischen ist es so, dass wir völlig eigenständig unsere eigenen kulturellen Veranstaltungen im Gasteig haben, wie jeder andere Veranstalter auch. Wir sind Eigenveranstalter, aber – vielleicht auch historisch bedingt – auf den Gasteig fixiert. Hin und wieder gehen wir auch mal ,fremd‘ – wir haben vor kurzem eine Veranstaltung mit der Akademie der Schönen Künste gemacht –, aber in der Regel veranstalten wir unsere Konzerte u.a. doch im Gasteig.

Erhalten Sie für die Durchführung Ihrer Veranstaltungen auch öffentliche Mittel?

Nur ganz selten. Hin und wieder übernimmt die Stadt die Miete. Auch wir als Förderverein Gasteig müssen Miete zahlen im Gasteig, wir sind da allen anderen Veranstaltern gleichgestellt. Wir haben die Spendenbeträge unserer Mitglieder und dann müssen wir, wie alle anderen auch, ganz banal Förderer und Sponsoren, wie etwa die Kreissparkasse, akquirieren. Für die Reihe ,Winners & Masters’ bekommen wir in diesem Jahr u. a. von der LfA einen namhaften Betrag und auch von der Swiss Re. Das Hotel Holiday Inn bringt unsere Künstler kostenlos unter. Aber wir müssen schon baggern und arbeiten im Grunde an vielen Fronten: einmal an der Veranstaltungs-Front, dann an der Akquise-Front, wir müssen sehen, dass wir Mitglieder werben und zusammenhalten, wir müssen die Künstler auswählen und engagieren, ich würde sagen, das alles ist fast ein Fulltimejob.

Herr Dr. Klapp, Sie sind ja Jurist und machen das alles ehrenamtlich…

Ja. Inzwischen habe ich mich aus meiner anwaltlichen Tätigkeit aber ziemlich zurückgezogen. Was die Arbeitsteilung betrifft, ist es etwa fifty-fifty. Ich stelle meine Arbeitskraft kostenlos zur Verfügung und investiere zusätzlich noch erhebliche Eigenmittel, durch Schreiben, durch Telefonate, ich lade auch immer wieder junge Künstler und Kooperationspartner ein. Das ist schon eine sehr aufwändige Sache.

Was hat Sie persönlich bewogen, sich für die Kultur und speziell für junge Künstler zu engagieren?

Ich bin großer Musikliebhaber, das ist wirklich meine Leidenschaft. Und ich wäre am liebsten natürlich Musiker geworden. Aber ich hatte in jungen Jahren wenig Möglichkeit, zum Beispiel Klavier zu spielen. Vielleicht hat auch mein Talent dazu nicht gereicht. Als der Studienwunsch dann akut wurde, war klar, dass die Voraussetzungen dafür fehlten. Meine Liebe gehörte aber nach wie vor der Musik. Und es war fast ein bisschen ein Glücksfall, dass der Kulturkreis Gasteig diese Reihe übernommen hat, die sich auf junge Musiker fokussiert hatte. Meine Liebe zur Musik hängt natürlich nicht nur von jungen Künstlern ab, ich gehe auch sonst in Konzerte. Wobei – das muss ich sagen – mit den jungen Künstlern macht es wirklich großen Spaß, weil die noch sehr engagiert bei der Sache sind. Wenn man mit ihnen redet und nach dem Konzert auch zusammen sein kann, das macht große Freude und ist jedes Mal ein besonderes Erlebnis.

Und Sie sind seit der Gründung des Kulturkreises Gasteig mit dabei?

Ja, ich bin seither Vorsitzender.

Wie wird die Konzertreihe denn vom Publikum angenommen?

Das ist sehr unterschiedlich. In der Regel haben wir eine gute Auslastung. Wir spielen vor allem im Kleinen Konzertsaal im Gasteig, das sind 200 Plätze. Manchmal, wie bei einem der letzten Konzerte, ist er ausverkauft, es gibt aber natürlich auch Vorstellungen, bei denen nur 100-120 Plätze verkauft sind. Unsere Konzerte werden besonders wahrgenommen von jungen Leuten, vor allem von Studenten der Musikhochschule, die sich sozusagen für die Konkurrenz interessieren. Insofern kommen wir ganz gut hin und sind sehr zufrieden. Besonders stolz sind wir aber darauf, dass die Reihe inzwischen ein weit über München hinausreichendes Ansehen genießt. Das zeigt uns die Tatsache, dass wir Bewerbungen aus ganz Europa, ja sogar aus Übersee erhalten. Wir könnten jedes Konzert mehrfach mit Künstlern besetzen, so dass wir bei der Auswahl durchaus die Qual der Wahl haben.

Josef Manhart, 9.4.2009

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