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Oremus

Jens-Uwe Popp

Klassik-heute-Empfehlung1 CD • 8 Min. • 2010

Details (23.01.2012)

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Außer spärlichen biographischen Informationen zu den Komponisten finden sich im Beiheft nur wenige und allgemeine Informationen über die Konzeption dieser Platte; stellvertretend für ein ausformuliertes Konzept sollen ein einschlägiges Zitat E.T.A. Hoffmanns, in dem der Dichterkomponist die Musik über die Sprache stellt, sowie der Hinweis in der biographischen Skizze zum Gitarristen Jens-Uwe Popp genügen, nach welchem Popps Darbietungen „Gebet“ sein sollen als eine „reine und vollkommene Verbindung von Komposition und Interpret“.

Dieses erste Solo-Album des Gitarristen Jens-Uwe Popp ist also eine Konzeptplatte, mehr eigene künstlerische Aussage als Kompilation von klingenden Deutungen fremder Kompositionen. Dazu kommt, dass Popps Debüt mit 38 Minuten im Vergleich zu gut einstündigen Konkurrenzproduktionen äußerst knapp geraten ist. Dennoch bietet „Oremus“ – als Ganzes genommen - ein faszinierendes Hörerlebnis, gerade, weil Popp die insgesamt 13 Nummern der vier Komponisten mehr als eine Einheit darstellt denn als eine nur lose zusammenhängende oder kontrastierende Folge. Somit können sich eher feine Unterschiede, quasi Binnendifferenzierungen, herausbilden als tatsächliche, historische, stilistische oder ästhetische, Unvereinbarkeiten oder Differenzen.

Es unterscheiden sich die Stücke durchaus sehr stark voneinander – man höre nur die eleganten Walzer Antonio Lauros gegen die meditativ-innerlichen Studien La Catedral Agustin Barrios-Mangorés. Doch Popp gelingt über die 38 Minuten dieses Programms das Kunststück, die Differenzen der verschiedenen Kompositionen sehr subtil aufeinander zu beziehen, förmlich eine Art des heimlich zugrundeliegenden Unterstroms all dieser Stücke aufzuzeigen, ohne jedoch die einzelnen Werke mutwillig auf eine einheitliche Sichtweise zu abonnieren. Popps sehr sensible, überaus klangbewußte, reizvollerweise aber auch Geräuschhaftes (etwa in Barrios-Mangorés fesselnder Catredal-Studie Nr. 3) nicht aussparende Spielweise hält also einen enormen Spannungsbogen und läßt den Hörer somit über die vollen 38 Minuten nicht los. Fast schon überflüssigerweise ist die Klangregie so einzigartig perspektivenreich und realistisch geraten, dass man diesem wortkarg kommentierten, dafür aber um so musikreicheren Album gerne öfter als nur einmal zuhört.

Michael B. Weiß (23.01.2012)

Künstlerische Qualität:

10

Bewertungsskala: 1-10

Klangqualität:

10

Gesamteindruck:

10

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