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Hungaroton HCD 32288

à la Carte
Works for Cello Solo

György Déri

Klassik-heute-Empfehlung1 CD • 67 Min. • 2004

Details (06.05.2005)

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HCD 32288

Mit Superlativen sollte man als Kritiker bedächtig umgehen, doch anders als genial kann man György Déris Cellospiel nicht bezeichnen.

Der renommierte ungarische Musiker (er war Sieger des Dávid-Popper-Wettbewerbs 1988, Liszt-Preisträger und lehrt heute als Professor an der Liszt-Ferenc-Akademie in Budapest) hat mit seinem rein ungarischen Solorecital Mut und Feingefühl bewiesen. Zehn Kompositionen aus den vergangenen 50 Jahren fügen sich zu einem auf den ersten Blick bunten, aber dennoch stimmigen und konsistenten Programm, dessen roter Faden das Cello selbst ist.

Ich finde es höchst erfreulich, daß Déri mit seiner neuesten CD eben nicht auf Mainstream-Repertoire setzt, sondern den allgegenwärtigen kommerziellen Tendenzen des Plattenmarktes mit einem bewußt subjektiven Konzept Paroli bietet.

Ich weiß nicht, was man an diesem großen Künstler mehr bewundern soll: eine Beherrschung des Instruments, die ihresgleichen sucht, die perfekte Balance von virtuoser Brillanz und feinsinnigem Lyrizismus, den philosophischen Tiefgang der Interpretation oder den vollendeten musikalischen Geschmack?

Déris Klangpalette reicht von gedeckten Lontano-Klängen bis hin zu leidenschaftlichen, dramatischen Ausbrüchen. Seine Pizzikati haben ungeachtet der Dynamik stets klangliche Substanz, schwierigste Doppelgriff- und Flageolettpassagen meistert er mit lupenreiner Intonation und umschifft mit traumwandlerischer Sicherheit die zahlreichen technischen Klippen der anspruchsvollen Partituren. Dabei läßt er den Hörer keine Sekunde darüber im Zweifel, um was es ihm eigentlich geht: nicht um narzistische Nabelschau, sondern um die Musik selbst. Vielleicht nicht ganz zufällig steht der für mich interessanteste Beitrag genau im Zentrum der Aufnahme: Péter Eötvös’ “Two Poems for Polly” – ein bekenntnishaftes Werk und zutiefst poetisches Ritual, bei dem sich der rezitierende Cellist gleichsam selbst begleitet.

Der Schluß der CD überrascht. Wer bei László Melis’ “à la Carte” kulinarisch Leichtgewichtiges erwartet, sieht sich getäuscht. Das dreisätzige Stück fasziniert durch silberne Flageolette und eine virtuose, Doppelgriff- und Glissandostudie. Wahrhaft nobles Understatement also, das der Platte ganz zu Recht ihren Namen gegeben hat.

Die Tonmeister von Hungaroton haben den Celloklang mit angenehmer Räumlichkeit eingefangen. Das Booklet bietet grundlegende Informationen zu den eingespielten Werken, man vermißt allerdings die Lebensdaten der Komponisten.

Eine der interessantesten Cello-Soloplatten der vergangenen Jahre, die klar dreimal die Höchstbewertung verdient. Köszönöm szépen, Maestro Déri!

Heinz Braun (06.05.2005)

Künstlerische Qualität:

10

Bewertungsskala: 1-10

Klangqualität:

10

Gesamteindruck:

10

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