Obwohl das Programm sich im großen und ganzen nach der liturgischen Ordnung einer Vesper richtet (hier durch die Psalmenfolge einer Vesper für einen männlichen Heiligen), bietet diese Aufnahme keine imaginäre Rekonstruktion. Vielmehr präsentieren die Interpreten jene stilistische Vielfalt, die die Kirchenmusik am Wiener Hof in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts kennzeichnete. In den Werken von Giovanni Valentini und Giovanni Priuli trifft sich die „cori spezzati“-Technik eines Giovanni Gabrieli mit dem „modernen“, expressiven Concertato-Stil des frühen Seicento, und dieses faszinierend breite musikalische Panorama wird von den Interpreten voll zur Geltung gebracht. Profunde Stilkenntnis, souveräne gesangs- und spieltechnische Leistung sowie feine, gut ausbalancierte Klangkontraste („Echo“-Effekte im Confitebor und Magnificat von Valentini) machen die Aufnahme zum Hörgenuß – was nicht verwunderlich ist, wirken doch hier erstklassige Sänger und Instrumentalisten der „Alte Musik“-Szene mit.
Éva Pintér (18.02.2003)