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CD-Besprechung

Viola à L'École de Paris

Martinů • Tcherepnin • Harsányi • Tansman • Mihalovici

CAvi-music 8553028

1 CD • 72min • 2019

31.12.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Wie aufregend, wenn der ARD-Preisträger 2018 und seit Februar 2022 erster Solo-Bratschist der Berliner Philharmoniker, Diyang Mei, mit dem wohl besten deutschen Kammer-Pianisten und Repertoire-Enzyklopäden Oliver Triendl ein Album mit Stücken erarbeitet, die bisher wohl kaum jemand im Konzertsaal gehört hat. Nämlich Werke von osteuropäischen Komponisten, die in den 1890er Jahren geboren wurden und später zu Wahl-Parisern wurden.

Spätromantik und Moderne mit folkloristischen Anklängen

Im Zentrum der Aufnahme stehen die Sonaten für Viola und Klavier von Bohuslav Martinu (Tschechoslowakei), Tibor Harsányi (Ungarn) und Marcel Mihalovici (Rumänien). Diese werden durch kurze Stücke spätromantisch-süffigen Charakters von Alexander Tcherepnin (Russland) und Alexandre Tansman (Polen) ergänzt. Somit reicht der stilistische Spielraum etwa von Sergej Rachmaninoff bis hin zu Béla Bartók und Paul Hindemith. Alle drei Sonaten sind in erweiterter Tonalität komponiert, da ballen sich als Kontrast durchaus einmal die Dissonanzen, um dann wieder einfacheren Melodien Raum zu geben. Sie erzählen aber auch Geschichten und sind in ihrem Themenmaterial so prägnant, dass sich auch ohne Partitur das musikalische Geschehen mitvollziehen lässt. Nichts wirkt konstruiert, weil ein klarer Formwille die Kompositionen zusammenhält. Der Bratschenpart ist generell anspruchsvoll, jedoch nur selten auf virtuosen Flitter angelegt. Der Pianist ist technisch häufig stärker gefordert und muss sich zudem in der Mittellage erheblich bremsen, um die im Vergleich zu Geige oder Cello sanftere Viola nicht zu übertönen.

Zwei Ausnahmekünstler verschmelzen zur Einheit

Wenn zwei Musiker zusammenfinden, die ihre Instrumente mit einer solchen Selbstverständlichkeit beherrschen, dass sie auf demonstrative Show-Effekte verzichten können, muss das als Glücksfall betrachtet werden. Denn beide haben die Musik, die sie interpretieren, verstanden und so gelingt es ihnen, alle Vorgaben des Notentextes mit Sinn zu erfüllen. Da blühen schnelle Farb- und Stimmungswechsel wie aus einem Guss. Oliver Triendl erzeugt am Flügel eine reiche Farb- und Dynamikpalette, ist höchst variabel in den Anschlagsparametern. Eine Stelle habe ich mehrfach nachgehört, um herauszufinden, ob ein vermeintliches Pizzicato nicht doch aus hingetupftem Klavierlängen bestand. Zudem vermag er, nur durch ihre Spitzentöne markierte Melodien als Gesangsphrase zusammenzuhalten, was für mich die Krone aller Pianistik darstellt. Dabei geraten ihm selbst die schärfsten Akzente niemals perkussiv.

Diyang Mei verfügt ebenfalls über ein ganzes Kaleidoskop an Klangfarben, das er überlegen einzusetzen versteht. Er vermag, auf seinem Instrument zu singen, kann jedoch auf ihm auch sprechen. Man höre hierzu die subtil abgetönten Pizzicati im Adagio der Harsányi-Sonate (Track 5) und die Schauer erzeugenden Flageoletts der Tcherepnin-Elegie (Track 8). Er ist zu Klangentladungen fähig, wobei sein Ton immer nobel und sehnig – wenngleich etwas kühl – bleibt.

Klangtechnik und Booklet-Text erweisen sich der erlesenen musikalischen Qualität als ebenbürtig.

Fazit: Für Bratscher wegen des Repertoires und dessen stupender Interpretation Pflichtkauf. Ebenso für Pianisten, die einen absolut souveränen Kollegen erleben möchten, der es nicht nötig hat, Publicity über Twitter zu erhaschen. Schließlich für alle Kammermusikfreunde – auch als originelles Geschenk – unbedingt empfohlen.

Thomas Baack [31.12.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Bohuslav Martinů
1Sonate H 335 für Viola und Klavier 00:15:33
Alexander Tscherepnin
3Violinromanze A-Dur (bearb. für Viola und Klavier) 00:02:20
Tibor Harsányi
4Sonate für Viola und Klavier 00:18:10
Alexandre Tansman
7Alla Polacca für Viola und Klavier 00:01:44
Alexander Tscherepnin
8Elegie op. 43 für Violine und Klavier (bearb. für Viola und Klavier) 00:04:04
Marcel Mihalovici
9Sonate op. 47 für Viola und Klavier 00:29:40

Interpreten der Einspielung

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