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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Khachaturian

Piano Concerto
Iyad Sughayer

BIS 2586

1 CD/SACD stereo/surround • 76min • 2021

04.11.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Der palästinensisch-jordanische Pianist Iyad Sughayer widmet sich – nachdem er sein 2019 von der Kritik sehr wohlwollend aufgenommenes Debüt-Album Solowerken von Aram Khachaturian gewidmet hatte – jetzt dem Schaffen für Klavier und Orchester des Armeniers. Hierbei begleitet ihn das BBC National Orchestra of Wales unter Andrew Litton mit reichen Farben und unbritischem Temperament.

Jenseits der bekannten Highlights

Khachaturians bekannteste Werke mit definitivem Ohrwurmpotential sind die Ballette Spartacus und Gajaneh – den „Säbeltanz“ kann ich immer noch nicht hören, ohne an die Werbung für den scheußlichen Mokkalikör „Kosakenkaffee“ aus den 70ern denken zu müssen – sowie seine Bühnenmusik zu Michail Lermontovs Masquerade, deren Zusammenfassung zur Suite Sughayer in dieser Einspielung in der Übertragung von Alexander Dolukhanian als Intermezzo zwischen die beiden Konzertstücke blendet.

Kurz gesagt, Khachaturian hat für die kaukasische Volksmusik das nachgeholt, was Smetana, Dvořák und die Russen des „Mächtigen Häufleins“ im 19. Jahrhundert für die slavische Folklore bereits vorgezeichnet hatten.

In der Klanggestaltung des folkloristischen Materials orientiert sich der Komponist an Sergej Prokofiev und Béla Bartók. Dabei ist der Einfluss des ersteren im Des-Dur-Konzert von 1936 besonders in der Instrumentation wesentlich stärker. Auch formal stand definitiv das Konzert in derselben Tonart des Älteren Pate. Allerdings wäre dieser wohl kaum auf die Idee gekommen, im Mittelsatz, der – als Referenz vor Rachmaninows Corelli-Variationen ? – mit der barocken „Follia“ spielt, eine solistische Singende Säge als äußerst aparten Klangeffekt einzubinden. Die Themen sind durchaus ohrwurmverdächtig, besonders die Apotheose des Kopfthemas im Finale sorgt für Gänsehaut.

Die Konzert-Rhapsodie – ebenfalls in Des-Dur – aus dem Jahre 1967 orientiert sich stärker am mittleren Bartók. Hier finden sich allerdings Stellen, die man spöttisch als „Durchführung ohne Themenmaterial“ bezeichnen kann.

Souveräne Interpretation

Iyad Sughayer und das BBC National Orchestra of Wales unter Andrew Litton gestalten die Werke souverän. Sughayer spielt seinen hochvirtuosen Part sehr schlank und transparent, was ideal zur großen Schlagwerkbatterie der Konzertrhapsodie mit Vibra-, Xylo- und Marimbaphon passt. Litton lässt die Orchesterfarben leuchten. Besonderes Lob sei hier den perfekten Bläsersolisten gezollt. Sehr gelungen sind auch die Transkriptionen aus Masquerade, bei denen man sich den Galopp mit seinen klirrenden kleinen Sekunden noch etwas frecher und zickiger denken könnte.

Ein guter Booklet-Text und eine exzellente Aufnahmetechnik runden die Aufnahme wohltuend ab.

Fazit: Endlich einmal beide Klavierkonzerte auf einer SACD vereint. Beim Konzert muss man sich entscheiden, ob man – wie ich – die saftigere, im Kopfsatz wesentlich rasantere Fassung von Boris Berezowsky oder die hier vorgelegte, etwas kühlere, transparentere Version vorzieht. Für die – leider schwächere – Konzert-Rhapsodie hält Iyad Sughayer aktuell den definitiven Spitzenplatz.

Thomas Baack [04.11.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Aram Khatchaturian
1Klavierkonzert Des-Dur 00:35:28
4Masquerade (Suite; Bearb. für Klavier solo) 00:16:00
9Konzert-Rhapsodie Des-Dur für Klavier und Orchester 00:23:08

Interpreten der Einspielung

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