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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

J.S. Bach

Sonatas & Partitas Vol. 1
Frank Peter Zimmermann

BIS 2577

1 CD/SACD stereo/surround • 68min • 2020, 2021

01.06.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Künstlerisch gereift, nimmt sich Frank Peter Zimmermann der 6 Partiten und Sonaten für Violine solo von Johann Sebastian Bach an. Auf der hier vorliegenden ersten von zwei Folgen spielt er (in dieser den grundlegenden Kadenzstufen Tonika-Subdominante-Dominante entsprechenden Reihenfolge) neben der Sonate in a-moll die Partiten in d-moll und in E-Dur. Ein fein überblickender, Wesentliches ausgewogen herausarbeitender Essay von Dominik Sackmann trägt zur Hochwertigkeit des Albums im Kleinen bei, ebenso bei wie die phänomenale Aufnahmetechnik und Post-Produktion Hans Kipfers (2. Sonate und 2. Partita in der Evangelischen Kirche Honrath, E-Dur-Partita im Stockholmer Konserthuset).

Heikles Rubatospiel

Technisch ist Frank Peter Zimmermann von staunenmachender Makellosigkeit, ausdrucksmäßig von souveräner Gelöstheit, tonlich von äußerster Flexibilität, artikulatorisch von frappierender Wendigkeit. Mit anderen Worten: was er ausdrücken will, gelingt ihm mit untadeliger Präzision und fesselnder Entschiedenheit.

Für mich gerät das Album zugleich zu einer Meditation über die Frage des angemessenen Rubato, des Wechselverhältnisses von künstlerischer Freiheit und Verwirklichung der Struktur des Tonsatzes auf allen Dimensionen (die Vielschichtigkeit der wechselseitigen Durchdringung der Parameter wird ja zudem im Booklet intelligent thematisiert): Wenn der Solist allzu eigenwillig – und einseitig – auf bestimmte Sinnzusammenhänge setzt, indem er diese entschieden sich vom Kommenden (und Vorhergehenden) absetzend artikuliert, so beraubt er uns anderer, diese überlagernder Sinnzusammenhänge und beschädigt damit die Kontinuität und Vielschichtigkeit der lebendigen Form. Dies passiert in besonders dramatischer Weise in der seit jeher so heikel zu phrasierenden, nur ganz selten überzeugend zu hörenden Allemande aus der d-moll-Partita. Dann haben wir eben das Problem, dass sich kein durchgängiger Spannungsverlauf einstellen kann und wir mit Sinndeutungen gefüttert werden, die nur Aspekte hervorkehren und kein erlebbares Ganzes entstehen lassen. Auch in der Fuge der a-moll-Sonate präsentiert sich dieses Problem, wenngleich in anderer Weise: eine Fuge verträgt in ihrem sich aus sich selbst erzeugenden, monadisch gesteuerten Verlauf nicht einen solchen Zickzack-Kurs von Puls und Atem, ohne sich in kurzatmigen Konturgebungen zu verlieren.

Wunderwerk kreativer Verzierungskunst

Weit mehr Freiheit verträgt da beispielsweise das improvisatorisch angelegte Grave-Präludium der a-moll-Sonate, doch generell ist die Darstellung dann am überzeugendsten, wenn bei aller Liebe zu fein ziselierten, charakteristischen Details das Tempo – feine Schwankungen der Geschwindigkeit aus spontaner Inspiration heraus integrierend, und eben keineswegs mechanisch geradeaus – in seinem lebendig fortwährenden Pulsieren nicht gestört wird. Dies gelingt Zimmermann ganz besonders fein in weiten Abschnitten der E-Dur-Partita, darunter dem prachtvoll orgelartig verstandenen Präludium.

Als großer Clou dieser Aufnahme erstrahlt meines Erachtens vor allem die herrliche Verzierungskunst Zimmermanns, der damit die Wiederholungen unglaublich lebendig macht, in schönster Weise mit Überraschungen spickt und expressiv auflädt. Exemplarisch für dieses Wunderwerk kreativer, durchaus auch mutiger und gelegentlich übermütiger Ergänzung der Bach’schen Größe sei hier die Loure aus der E-Dur-Partita hervorgehoben. Wir dürfen uns schon auf die zweite Folge des Zyklus freuen.

Christoph Schlüren [01.06.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Sonate Nr. 2 a-Moll BWV 1003 für Violine solo 00:21:17
5Partita Nr. 2 d-Moll BWV 1004 für Violine solo 00:28:05
10Partita Nr. 3 E-Dur BWV 1006 für Violine solo 00:17:21

Interpreten der Einspielung

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