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CD-Besprechung

Richard Strauss

Zueignung

CAvi-music 8553041

1 CD • 61min • 2020

17.12.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

„Jetzt kommt Kunstgewerbe!“, sagte mein verstorbener Freund Hans-Georg Kluge, Musikwissenschaftler und Studienleiter, bei einer Meisterklasse in Bayreuth, als ihm eine Studentin in der Korrepetitionsstunde ein Lied von Richard Strauss auf den Flügel legte. Bei einer solchen Meisterklasse (mit Gwyneth Jones) habe ich die Sopranistin Sarah Wegener zum ersten Mal gehört und sie hat einen sehr guten Eindruck bei mir hinterlassen. Das ist zehn Jahre her. Nun habe ich ihr ganz dem Liedschaffen von Strauss gewidmetes Recital vor mir und ich muß Prof. Kluges hartes Urteil, das ich geteilt habe, nun doch ein bisschen revidieren. Sicher, die vertonten Texte von Autoren wie Hermann von Gilm, Adolf Graf von Schack oder Karl Friedrich Henkel sind keine hohe Poesie und streifen das Kunstgewerbliche oft sehr deutlich. Und die Musik von Strauss bleibt in einem gefälligen, dem Ohr schmeichelnden Ton, aber sie kann in der richtigen Interpretation ihren ganz eigenen Charme entwickeln.

Noch im Geiste der Spätromantik

Was den Vortrag von Sarah Wegener auszeichnet, ist ihre völlige Ungekünsteltheit. Sie steht hinter dem, was sie singt und bringt die Lieder auch emotional auf den Punkt. Dabei gelingt ihr, was man nicht vielen Strauss-Sängerinnen nachrühmen kann, die Einheit von Text und Musik, wie sie Strauss im Alter in seinem Konversationsstück Capriccio postuliert hat. Die vorliegende Auswahl von 22 Titeln aus dem reichen Lied-Œuvre des Komponisten widmet sich dem Frühwerk, beginnend mit den Arbeiten des 16jährigen – Die erwachte Rose, Begegnung (1880) – und endend mit der Goethe-Vertonung Gefunden (1903). Die Lieder, geschrieben vor allem für die Sängerin Pauline de Ahna, Strauss’ Frau, sind stilistisch durchweg dem 19. Jahrhundert verhaftet. Von den harmonischen Kühnheiten der bald darauf folgenden großen Opern Salomé und Elektra ist da noch nichts zu ahnen.

Feine Differenzierungen

Feine Differenzierungen

Sarah Wegener, ein besonders in der Höhe aufblühender lyrischer Sopran mit dramatischen Möglichkeiten, hat ein feines Gespür für die unterschiedlichen Stimmungen der Lieder, die mal lyrisch-verhalten, fast kontemplativ daherkommen, gelegentlich auch elegisch, dann wieder einen fast opernhaften Überschwang vermitteln. Die gängigsten Titel wie Morgen!, Traum durch die Dämmerung, Allerseelen und Zueignung gestaltet sie mit großer Schlichtheit und lässt sie dadurch wie neu erleben. Lieder wie Heimliche Aufforderung oder Ständchen, die man meist von Männern gesungen hört, bekommen in ihrem jungmädchenhaften Tonfall einen zusätzlichen Reiz. Ihr Partner Götz Payer, ist mit männlich-markantem Anschlag, aber auch zarter Klaviertöne fähig, zugleich einfühlsamer Begleiter und anregender Herausforderer.

Ekkehard Pluta [17.12.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Richard Strauss
1Zueignung op. 10 Nr. 1 00:01:47
2Gefunden op. 56 Nr. 1 00:02:08
3Begegnung AV 72 00:01:46
4Heimliche Aufforderung op. 27 Nr. 3 00:03:09
5Das Rosenband op. 36 Nr. 1 00:02:57
6Die erwachte Rose AV 66 00:02:50
7Glückes genug op. 37 Nr. 1 00:02:29
8Rote Rosen AV 76 00:02:28
9Freundliche Vision op. 48 Nr. 1 00:02:21
10Die Nacht op. 10 Nr. 3 00:02:57
11Ständchen op. 17 Nr. 2 00:02:24
12Traum durch die Dämmerung op. 29 Nr. 1 00:02:24
13Morgen! op. 27 Nr. 4 00:03:34
14Die Georgine op. 10 Nr. 4 00:03:39
15Die Verschwiegenen op. 10 Nr. 6 00:01:13
16Cäcilie op. 27 Nr. 2 00:02:14
17Breit über mein Haupt dein schwarzes Haar op. 19 Nr. 2 00:01:32
18Waldseligkeit op. 49 Nr. 1 00:02:46
19Winterweihe op. 48 Nr. 4 00:02:44
20Allerseelen op. 10 Nr. 8 00:02:50
21Ruhe, meine Seele! op. 27 Nr. 1 00:03:12
22Befreit op. 39 Nr. 4 00:05:25

Interpreten der Einspielung

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