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CD-Besprechung

Duo Praxedis

Piazzolla
harp & piano

Ars Produktion ARS 38 592

2 CD • 1h 53min • 2021

26.08.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Man muss schon etwas Energie aufbieten, um die Flut neuer Piazzolla-Aufnahmen, die derzeit anlässlich des fiktiven 100. Geburtstags der Tango-Nuevo-Legende auf den Markt kommen, zu sichten. Souverän ragt dabei eine Doppel-CD des schweizerischen Duos Praxedis heraus. Sie liefert ein substanzielles Statement bezüglich des Wesens und der Tiefe dieser Musik, und lotet zugleich sämtliche Aspekte von Interaktion aus. Piazzollas Musik wird dabei wieder zu dem, was sie ist: Eine klassische, ernsthaft ausgearbeitete Musik – entstanden in wechselvollen Schaffensphasen ihres Urhebers und oft inspiriert durch befreundete Musiker und Ensembles.

Familiäres Duo

Praxedis Geneviève Hug (Klavier) und Praxedis Hug-Ruetti (Harfe) sind Mutter und Tochter. Sie bilden seit vielen Jahren eine produktive Einheit, die sich in sehr unterschiedlichen Themen und Sujets immer neu bewährt. Es geht dabei zum einen um die Wiederbelebung des Original-Repertoires für diese Besetzung, zum anderen um die kreative Aneignung von Musik, für die gerade die Seele brennt.

Das neue Piazzolla-Programm setzt in letztgenannter Kategorie durchaus noch eins drauf – in überlegener Gelassenheit und ohne jede Effekthascherei, zugleich mit aller nur denkbaren künstlerischen Konsequenz. Wunderbar flexibel läuft die Interaktion zwischen Harfe und Klavier, wird zwischen perkussiver Artikulation und melodischer Linie vermittelt, wechseln die beiden Spielerinnen mit intuitivem Gespür ihre jeweiligen Rollen, um in einer feingliedrig ausformulierten Klangrede eins zu werden.

Annäherung an scheinbar Bekanntes

Le Grand Tango eröffnet das Spiel. Das ewige Oblivion führt am Ende des Programms in die Zielgerade. Dazwischen geht es vielgestaltig in die Tiefenschichten vieler berühmter Piazzolla-Stücke mit all ihren sinnlichen, aber auch formstrengen, virtuosen, manchmal impressionistischen und emotional aufgeladenen Aspekten. Neugierig nähert sich das Spiel dieses Duos dem scheinbar Bekannten aus unvorhersehbaren Richtungen an, um damit den Weg des geringsten Widerstandes über den wohlfeilen Wiedererkennungseffekt dramaturgisch klug zu umgehen. Praxedis Hug-Ruetti greift zupackend in die Saiten – das verlangen Piazzollas kraftvolle Akzente. Praxedis Geneviève Hug steht ihr auf dem Flügel in nichts nach und Beide können auf ihre fabelhafte Intuition vertrauen, um im richtigen Moment am richtigen Platz zu sein. Manches, was typischer Piazzolla ist, fehlt in dieser Besetzung, dafür tut sich Neues auf: An Stelle der atmenden Crescendo-Effekte, wie sie Bandoneon oder ein Streicherensemble erzeugen, tritt eine dynamische Feinzeichnung, aus der diese Musik in einer ganz neuen, unverbrauchten Sprache spricht.

Der Aufnahme ging eine akribische Vorbereitung voraus. Pate stand bei den Neuarrangements für das Duo Praxedis der Pianist Pablo Ziegler, der jahrelang in Astor Piazzollas eigenem Quintett das Piano spielte. Diese Veröffentlichung kann gut und gerne als neuer Höhepunkt in der Diskografie des Schweizer Duos gelten und macht vor allem eines klar: Es ist noch längst nicht alles zum Thema Piazzolla gesagt. Das Duo Praxedis lässt uns hier an neuen, beglückenden Erkundungen teilhaben.

Stefan Pieper [26.08.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Astor Piazzolla
1Le Grand Tango 00:11:16
2Revirado 00:03:24
3Indroduccion del Angel 00:04:40
4La Muerte del Ángel 00:03:53
5Milonga del Ángel 00:07:43
6Violentango 00:03:32
7Undertango 00:04:01
8Michelangelo '70 00:03:11
9Tangata – Silfo y Ondina 00:08:08
CD/SACD 2
1Soledad 00:08:05
2Decarisimo (Tango) 00:02:46
3Adiós Nonino (Tango Rapsodia) 00:06:01
4Suite Porteñas de Ballet 00:11:54
5Libertango 00:04:16
6Buenos Aires Hora Cero 00:03:58
7Verano Porteño 00:06:26
8Fuga y misterio 00:05:05
9Oblivion 00:04:52

Interpreten der Einspielung

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