Anzeige

Teilen auf Facebook RSS-Feed Klassik Heute
Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

CD-Besprechung

Théodore Dubois

Piano Quartet & Piano Quintet

cpo 555 357-2

1 CD • 60min • 2020

28.01.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Théodore Dubois (1837-1924) wird den meisten Hörern kein Begriff sein. Organisten kennen und lieben seine Toccata in G-Dur als höchst effektvolles, dabei jedoch nur mittelschweres Bravourstück. Liebhaber der Musik Maurice Ravels dürften ihn weniger schätzen, hatte er diesem doch mehrfach den prestigeträchtigen und karrierebefördernden „Prix de Rome“ – und damit einen mehrjährigen Aufenthalt in der Villa Medici auf Staatskosten – konsequent verweigert. Diese Verweigerung führte im Jahre 1905 zu einer Pressekampagne, die sich zur Staatsaffäre ausweitete, was wiederum Dubois zum Rücktritt vom Posten des Direktors des Pariser Konservatoriums zwang.

Eleganz und Charme von leichter Hand

Dubois muss das Komponieren ungemein leicht gefallen sein. Sonst hätte er neben seiner Tätigkeit als Titularorganist der Madeleine – sein Vorgänger dort war Camille Saint-Saëns – und Professor für Harmonielehre und Komposition am Conservatoire nicht ein Œuvre von ca. 500 Werken – von Opern über Messen hin zu Orgelwerken, Sinfonien, Klavier- und Kammermusik hinterlassen können. Darüber hinaus entstanden zwei umfangreiche Lehrbücher zur Harmonielehre sowie zu Kontrapunkt und Fuge. Dabei war die Harmonielehre in Frankreich stark auf die Bearbeitung vorgegebener Bässe (basses données), häufig nützlicher Harmoniefolgen und Melodien im strengen vierstimmigen Satz in Partitur ausgerichtet, die wiederum die Grundlage für die phänomenalen Improvisationsfähigkeiten französischer Organisten bildeten.

Innovation gehörte jedoch nicht zu Dubois‘ Lebensmaximen. Viele seiner Kompositionen würde man ins zweite Drittel des 19. Jhds. datieren. Ähnlich wie beim gleichaltrigen Saint-Saëns hört man Mendelssohn und Chopin als Vorbilder heraus. Aber warum auch nicht, wenn die melodische Begabung dafür derart stark ausgeprägt ist und Musik dabei herauskommt, die einfach Freude beim Hören bereitet!

Stimmungsvoll und melodiensatt

Melodiensatt und bemerkenswert kurz für ihre Entstehungszeit 1904/5 sind auch die auf dieser CD vereinten Kammermusikwerke mit Klavier. Originell das Quintett, dem die Oboe anstatt einer zweiten Violine eine heiter-pastorale Grundstimmung verleiht. Größer angelegt und von eleganter Melancholie das Quartett, in dessen Finale auf Material der vorangegangenen drei Sätze zurückgegriffen wird, was in der Partitur genau vermerkt ist. Beide orientieren sich an der klassischen Viersätzigkeit mit einem Sonatenhauptsatz zu Beginn. Man kann das durchaus als klare Gegenposition zum herrschenden Impressionismus im Sinne einer französisch-nationalen clarté auffassen. Bemerkenswert ist, dass Ravel in seinem Spätwerk und die Gruppe „Les Six“ auf diese klassizistischen Tendenzen in der ihnen eigenen Tonsprache um 1930 zurückgreifen sollten.

Ein Lob dem Ausgräber

Zunächst einmal muss Oliver Triendl für seinen unermüdlichen Einsatz verkannter Werke höchstes Lob und Bewunderung gezollt werden. Hierfür sollte man Preise wie den Opus Klassik vergeben und nicht für die 111te Gesamteinspielung von Mainstream-Repertoire. Wie alle Einspielungen, bei denen er mitwirkt, ist das Ergebnis unbedingt anhörenswert. Leider stimmt im Quintett die Balance nicht hundertprozentig, da die Oboe (Stefan Schilli), die in der Hauptsache eine zusätzliche Farbe beisteuern soll, sich hier ein wenig zu solistisch in den Vordergrund drängt. Im Klavierquartett ist die Balance jedoch vorbildlich und dadurch die Transparenz des kontrapunktischen Satzes gesichert. Die Streicher (Nina Karmon, Anja Kreynacke, Jakob Spahn) bilden ein Team und lassen der jeweils wichtigsten Stimme den Vortritt.

Aufnahmetechnisch hätte man die etwas zu vorlaute Oboe besser in den Gesamtklang integrieren können. Das Booklet bietet alle nötigen Informationen.

Fazit: Zwei Kammermusikwerke, die keine artistische Virtuosität fordern, aber dennoch einen außerordentlichen Charme entfalten. Wer Musik zum Genießen und Träumen sucht, ist hier an der richtigen Stelle. Lehrer an Musikschulen und Kammermusikdozenten an Konservatorien sollten diese Werke für eine originelle Programmplanung unbedingt kennenlernen.

Thomas Baack [28.01.2021]

Anzeige

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Théodore Dubois
1Quintett F-Dur für Oboe, Violine, Viola, Violoncello und Klavier 00:27:52
5Quartett a-Moll für Violine, Viola, Violoncello und Klavier 00:31:45

Interpreten der Einspielung

Vorherige ⬌ nächste Rezension

25.10.2018
»zur Besprechung«

Toivo Kuula, Works for Violin & Piano / cpo
Toivo Kuula, Works for Violin & Piano / cpo

Das könnte Sie auch interessieren

03.08.2020
»zur Besprechung«

Oscar Straus, Piano Concerto • Serenade
Oscar Straus, Piano Concerto • Serenade

14.05.2020
»zur Besprechung«

David Monrad Johansen, Piano Concerto op. 29
David Monrad Johansen, Piano Concerto op. 29

10.10.2019
»zur Besprechung«

Julius Röntgen, Piano Concertos 3, 6 & 7 / cpo
Julius Röntgen, Piano Concertos 3, 6 & 7 / cpo

12.08.2019
»zur Besprechung«

Franz Reizenstein, Piano Concerto No. 2 / cpo
Franz Reizenstein, Piano Concerto No. 2 / cpo

Anzeige

Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Anzeige