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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Ammann | Ravel | Bartók

Piano Concertos

BIS 2310

1 CD/SACD stereo/surround • 76min • 2019

14.11.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Andreas Haefliger startete seine Karriere zusammen mit seinem Violine spielenden Bruder Michael, der heute Intendant des dortigen Festivals ist, 1985 in Luzern. Beide hatten an der Juilliard School in New York studiert. Andreas machte früh mit einer Aufnahme der Klaviermusik von Sofia Gubaidulina (Sony, 1994) auf sich aufmerksam; trotz sehr breit gefächerten Repertoires blieb seine Diskographie jedoch eher schmal. Die Serie Perspectives (Avie, später BIS) ist unter Kennern allerdings ein Geheimtipp. Einen ganz großen Coup landet der schweizerische Pianist nun mit der vorliegenden Ersteinspielung des Klavierkonzerts seines gleichaltrigen Landsmanns Dieter Ammann (Jg.1962). Dieser begann auf diversen Instrumenten (Keyboard, Trompete, Bassgitarre…) in der Jazz- und Funk-Szene, bevor er Komposition studierte und Meisterkurse bei Wolfgang Rihm oder Witold Lutoslawski besuchte. Ammann, der wenig und langsam schreibt, ließ sich für sein Klavierkonzert Gran Toccata (2016-19) mehr als zwei Jahre Zeit. Das Ergebnis – bereits in London, Boston, München und Helsinki höchst erfolgreich aufgeführt – ist eine wirkliche Sensation, die nach Meinung des Rezensenten andere nicht weniger publikumswirksame, aktuelle Gattungsbeiträge – etwa von John Adams, Thomas Adès oder Mark-Anthony Turnage – noch deutlich übertrifft.

Ammanns Klavierkonzert: ein Meisterwerk

Die Riesen-Partitur, trotz halbwegs normaler Besetzung – 3-faches Holz und Blech, 50 Streicher und großes Schlagwerk – auf bis zu 60 Systemen notiert, schlägt über 31 Minuten einen abwechslungsreichen dramatischen Bogen. Helle Klangmischungen dominieren, jazzinspirierte Rhythmen lodern nur so und wirken stellenweise, obwohl bis ins kleinste Detail ausnotiert, improvisiert: Ein Gefühl enormer Freiheit kommt da auf. Das Werk ist für Solist wie Orchester gleichermaßen hochvirtuos, das mit kompromissloser Perfektion organisierte Zusammenspiel verlangt die Präzision eines Schweizer Uhrwerks. Die Vielfalt an Farben erreicht Ammann u.a. durch spektrale Harmonik à la Grisey, die dann aber auch mal in einen einfachen Choral münden kann, zudem sehr überzeugende Klangkombinationen des Soloklaviers mit dem Schlagzeug – daher der Untertitel. Für den Hörer bleibt dabei alles immer emotional unmittelbar nachvollziehbar; dieses Konzert macht einfach Spaß! Andreas Haefliger bewältigt den komplexen, schweißtreibenden Klavierpart souverän und der zuverlässigen Susanna Mälkki sowie der auch diesmal wieder phänomenalen BIS-Tontechnik gelingt es, den über Strecken außergewöhnlich dichten Orchestersatz durchsichtig zu halten – eine echte Glanzleistung und Bereicherung des Repertoires.

Bei Ravel und Bartók punktet vor allem Susanna Mälkki

Dass Ravels Konzert für die linke Hand und Bartóks letztes Klavierkonzert sich längst beim Publikum etabliert haben, ist selbstverständlich. Bei beiden Werken gebührt nochmals Mälkki besonderes Lob: Auch hier leistet das Helsinki Philharmonic Orchestra Erstaunliches bei der klanglichen Abstufung. Die großen Kontraste dunkler Farben – bedrohlich bei Ravel, innigst besonders im Adagio religioso bei Bartók – und heiterer Spielfreude – großartig das Fugato im Bartók-Finale – werden mit Delikatesse ausgekostet. Haefliger erweist sich als Interpret, der Zartheit über demonstrative Tastenzauberei setzt. Die schwierige Kadenz für die linke Hand gelingt wunderbar, bei Bartók nimmt er sich streckenweise vielleicht etwas zu viel zurück. Insgesamt reicht seine Darbietung längst nicht an meine Lieblingseinspielungen (Béroff bzw. Kovacevich) heran, kann sich aber durchaus mit Genuss hören lassen. Allein wegen der gewichtigen Ammann-Aufnahme ist diese CD jedenfalls ein absolutes Muss für Freunde des Klavierkonzerts.

Vergleichsaufnahmen: Ravel - Michel Béroff, London Symphony Orchestra, Claudio Abbado (DG 423 665-2, 1988); Bartók – Stephen Bishop Kovacevich, London Symphony Orchestra, Colin Davis (Philips 426 660-2, 1975).

Martin Blaumeiser [14.11.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Dieter Ammann
1Klavierkonzert (Gran Toccata) 00:31:02
Maurice Ravel
4Klavierkonzert Nr. 2 D-Dur (Für die linke Hand) 00:18:48
Béla Bartók
7Klavierkonzert Nr. 3 Sz 119 00:24:35

Interpreten der Einspielung

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