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CD-Besprechung

Christoph Graupner

Jauchzet, ihr Himmel, freue dich, Erde
Bassoon Cantatas

cpo 555 353-2

2 CD • 1h 59min • 2020

02.11.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Gerade die Fleißigen haben es im Reich der hehren Künste schwer. Diese Erfahrung mussten sowohl Christoph Graupner als auch Georg Philipp Telemann mit der Musikgeschichte schreibenden Nachwelt des 19. Jahrhunderts machen. Philipp Spitta kämpfte für Bach, Friedrich Chrysander für Händel. Da kam es gerade recht, dass Telemann und Graupner jeweils mehr als 1400 geistliche Kantaten schrieben, um von Massenware räsonieren zu können, die keiner näheren Betrachtung bedürfe.

Kammermusikalische Kirchenkleinodien

Bei Graupner kommt noch hinzu, dass seine Kantaten für Chöre meist nur vierstimmige Choräle vorsehen, die häufig in kunstvolle Orchesterritornelle eingebettet werden und genauso gut vom mit anspruchsvollen Aufgaben betrauten Soloquartett übernommen werden können. Auch hat Graupner – darin Telemann verwandt – ein Faible für ausgefallene Instrumentenkombinationen wie beispielsweise 2 Bass-Chalumeaux (nicht überblasende Vorläufer der Klarinette), 2 Hörner und Fagott, die bereits auf die klassische Harmoniemusik vorausweisen.

Außer Vivaldi und Boismortier hat wahrscheinlich kein anderer Barockkomponist das Fagott so häufig mit virtuosen Soloaufgaben betraut wie Graupner. Dies liegt daran, dass einer der wenigen barocken Fagottvirtuosen, der Zerbster Johann Christian Klotsch, seit 1736 Mitglied der Darmstädter Hofkapelle war. Das Instrument selbst wurde um 1670 in Frankreich aus dem Bass-Dulzian in F entwickelt, der um Klappen für die beiden Daumen bis C hinunter erweitert und durch eine Fertigung aus mehreren einzelnen Teilen intonationsmäßig präziser gemacht wurde.

Stilistische Höchstkompetenz

Nur wenigen Barockfagottisten gelingt es – wie in dieser Aufnahme Sergio Azzolini – das Instrument so weich, lyrisch und im Klang schmelzend zu blasen. Dies nivelliert ein wenig die typische Brummigkeit, mischt sich jedoch perfekt mit den Streichern, Chalumeaux und Gesangssolisten. So kantabel und schön hört man das höchst selten. Dieses extrem hohe Niveau halten auch die anderen Mitwirkenden. Die Sänger sind zunächst dafür zu loben, dass sie ihre Da Capo-Arien sinnreich und virtuos verzieren, was auch kleine Kadenzimprovisationen einschließt. Hier gelang es dem Spiritus rector Florian Heyerick, sein Ensemble auf allerhöchstem stilistischen Niveau anzuleiten und zu einer Einheit zu verschmelzen. Herrlich, wie man in Duetten aufeinander reagiert und Ideen des Partners aufnimmt und weiterspinnt. Während alle anderen mit nur wenigen eingeschobenen „h“s in Koloraturen auskommen, macht Dominik Wörner hier eine Ausnahme, die dadurch entsteht, dass er seinen Klang möglichst frei von Vibrato halten möchte. Dies ist besonders auffällig an der Schaltstelle um das kleingestrichene A herum, die gern zu brustig genommen wird. Es trübt die Freude an dieser exzellenten Ersteinspielung von Werken eines zu Unrecht Geringgeschätzten aber nicht im geringsten! Klangtechnik und Booklet sind ebenfalls rundweg erfreulich.

Fazit: Interessante, unbedingt hörenswerte Musik, exzellent interpretiert. Große Empfehlung, durchaus auch als Alternative zur üblichen Weihnachtsbeschallung.

Thomas Baack [02.11.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Christoph Graupner
1Hebet eure Augen auf gen Himmel GWV 1102/40 00:25:11
8Jauchzet, ihr Himmel, freue dich, Erde GWV 1105/43 00:19:50
15Jesu, mein Herr und Gott allein GWV 1109/37 00:18:42
CD/SACD 2
1Kehre wieder, dun abtrünnige Israel GWV 1125/43 00:20:05
8Ach, bleib' bei uns, Herr Jesu Christ GWV 1129/46 00:16:37
15Wir werden ihn sehen GWV 1169/49 00:18:17

Interpreten der Einspielung

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