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CD-Besprechung

Sergei Rachmaninoff

Complete Works for Piano Duo

cpo 555 326-2

2 CD • 2h 25min • 2018, 2019

20.04.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Bevor die Rede auf die Musik kommt, möchte ich diesmal mit dem Begleittext beginnen und Eckhardt van den Hoogen ausdrücklich dafür loben, sich, ausgehend von Sergej Rachmaninoffs eigener, lexikologisch gut begründeter Praxis, Gedanken über die optimale Transliteration russischer Namen ins Deutsche gemacht, und in seiner – wie von diesem Autor gewohnt – Faktenreichtum unterhaltsam vermittelnden Einführung ein schlüssiges System angeboten zu haben!

Gedankenreichtum eines Frühreifen

Rachmaninoffs Schaffen für zwei Pianisten gliedert sich in jeweils fünf Opera für zwei Klaviere und für Klavier zu vier Händen. Dass Der Fels, das Capriccio bohémien und die Symphonischen Tänze eigentlich für Orchester gedacht sind, fällt nicht auf, denn das feine Gespür des Komponisten für die Eigenarten des Klaviers hat ihm diese alternativen Fassungen – der Begriff trifft den Sachverhalt besser als „Bearbeitungen“ – zu idiomatischer Klaviermusik werden lassen. Von den Symphonischen Tänzen, seiner letzten Komposition, abgesehen, handelt es sich ausnahmslos um Frühwerke, allerdings um Frühwerke eines eminent begabten, frühreifen Komponisten, die in ihrer Gesamtheit den Gedankenkosmos ihres Schöpfers getreulich widerspiegeln. Sehr deutlich wird dies anhand der zwei Suiten für zwei Klaviere, die ich zum Schönsten rechne, was Rachmaninoff geschrieben hat. Beide sind viersätzig und tonal geschlossen, ansonsten aber höchst unterschiedlich gestaltet. Nr. 1 besteht, ihrem ursprünglichen Titel gemäß, aus Tableaux, zutiefst romantischen Tonbildern (drei Nachtstücken und einer taghellen Glockenstudie), die ihre Grundstimmung fortwährend intensivieren; Nr. 2 dagegen ist fast eine Sonate, scharf konturiert und vom Wechsel-Spiel der Gegensätze geprägt. Anregungen aus der Volksmusik verarbeitet der Komponist in der Russischen Rhapsodie (in ihrer Variationenform gleichsam die kleine, viel ältere Schwester der späten Paganini-Rhapsodie) und im Capriccio bohemien, sowie in zwei Stücken aus der Sammlung op. 11, deren letztes die russische Krönungshymne in majestätischer Gelassenheit paraphrasiert.

Stringente Darbietung

Aglika Genova und Liuben Dimitrov, technisch wie stilistisch ausgezeichnet aufeinander eingestimmt, haben sich hörbar zur Aufgabe gemacht, der Vielgestaltigkeit von Rachmaninoffs Schaffen gerecht zu werden, das individuelle Profil eines jeden Stückes aufzuzeigen. Stampfende Tanzrhythmen werden mit der gleichen Aufmerksamkeit dargeboten wie elegische Gesänge und der in diversen Varianten präsente Glockenschall. Dabei haben Genova und Dimitrov stets den Verlauf der Kompositionen im Blick und wissen, die einzelnen Momente so zu gestalten, dass ihre Funktion im Ganzen deutlich wird. Nur wenn es besonders geboten erscheint, lassen sie stärkere Temposchwankungen zu, verwenden ansonsten Rubati sehr dezent, eben um die unterschiedliche Intensität deutlich zu machen, mit der die musikalische Handlung voranschreitet. Dieses Formbewusstsein kommt nicht nur den frühen Stücken, sondern auch den Symphonischen Tänzen sehr zu gute. Namentlich wirkt der letzte Satz in der vorliegenden Darbietung spannungsvoll und in sich geschlossen, der ausgedehnte langsame Mittelteil nicht, wie in manch anderer Einspielung, als Fremdkörper. Ich würde nicht sagen, dass das alle Feinheiten des vielschichtigen Opus ultimum in dieser Aufnahme gleichermaßen ausgelotet worden sind – den doppelchörigen Effekten kurz vor Schluss schenken Genova und Dimitrov zu wenig Beachtung –, dennoch beeindruckt sie in ihrer Stringenz.

Als Korrektur zur Titelliste wäre anzumerken, dass die Russische Rhapsodie, obwohl ihr Thema regelmäßig auf e-Moll innehält, letztlich als Stück in G-Dur gelten muss.

Norbert Florian Schuck [20.04.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Sergej Rachmaninow
1Prélude c sharp minor op. 3 No. 2 for Four Hand Piano 00:03:20
2Russische Rhapsodie e-Moll TN ii/23 für 2 Klaviere 00:09:03
3Suite No. 1 g minor op. 5 for 4 pianos (Fantaisie-Tableaux) 00:20:27
7Der Fels op. 7 (Sinfonische Dichtung) 00:11:58
8Suite Nr. 2 C-Dur op. 17 für zwei Klaviere 00:23:15
12Romanze G-Dur TN ii/20 für Klavier zu vier Händen 00:01:57
13Polka italienne TN ii/21 für Klavier zu vier Händen 00:01:43
CD/SACD 2
1Barcarolle op. 11 Nr. 1 00:05:12
2Scherzo op. 11 Nr. 2 00:03:03
3Thème russe op. 11 Nr. 3 00:04:14
4Valse op. 11 Nr. 4 00:03:54
5Romance op. 11 Nr. 5 00:02:48
6Slava op. 11 Nr. 6 (Gloire) 00:04:55
7Capriccio bohémien op. 12 00:14:59
8Sinfonische Tänze op. 45 für 2 Klaviere 00:32:38

Interpreten der Einspielung

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