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CD-Besprechung

Russian Piano Trios

Profil PH16092

2 CD • 85min • 2018

05.12.2019

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Die drei russischen Musiker Julia Okruashvili (Klavier), Uliana Zhdanov (Violine) und Denis Zhdanov (Violoncello) sind allesamt Preisträger mehrerer internationaler Wettbewerbe und mittlerweile hauptsächlich von Deutschland aus tätig, das Ehepaar Zhdanov auch als Konzertveranstalter. Auf einer Doppel-CD – mit allerdings insgesamt nur 85 Minuten Spieldauer – haben sie nun bei Hänssler drei russische Klaviertrios eingespielt, die ca. 130 Jahre umspannen. Ein konzeptioneller Grund, ausgerechnet Alexander Aljabjew (1787-1851), Sergej Rachmaninow (1873-1943) und den Armenier Arno Babadschanjan (1921-1983) in einem Programm zusammenzuführen, ist allerdings nicht ersichtlich. Ganz ohne Frage sind alle drei Werke musikalisch absolut hochrangig.

Aljabjew, noch ein wenig älter als Glinka, steht stilistisch wie von der musikalischen Substanz her ungefähr auf der Höhe eines Johann Nepomuk Hummel, also zwischen der Wiener Klassik – Aljabjew verehrte insbesondere Beethoven – und der frühen Romantik. Sein a-Moll-Trio, entstanden wohl um 1820, folgt noch ganz der gewohnten klassischen Dreisätzigkeit und konventionellen Formerwartungen. Der Klaviersatz ist formidabel und wunderbar virtuos ausgestaltet ohne sich je totzulaufen – sehr hübsch der dritte Satz mit seinen Volksmusikanklängen. In allen drei Werken erweist sich Julia Okruashvili als technisch perfekte Pianistin und sensible Begleiterin, wieselflink und klangschön besonders im Piano, die ihre Vorstellungen mühelos umzusetzen weiß. Die Zhdanovs stehen dem kaum nach, setzen insgesamt jedoch weniger Akzente, was keineswegs nur an den Stücken liegt.

Bei Babadschanjans Trio von 1952 spürt man noch das Vorbild Khatschaturjans, gerade der Klaviersatz – der Komponist war selbst ein hervorragender Pianist und auch dem Jazz nicht abgeneigt – ist bereits eigenständiger. Klanglich wieder bezaubernd, gerät dem Trio allerdings die Entwicklung innerhalb der Sätze nicht zwingend genug: Das spürt man schon an den beiden quasi Abbrüchen jeweils vor den unmittelbaren Schlüssen des ersten und dritten Satzes, die hier einigermaßen unvorbereitet erscheinen und deswegen erzwungen wirken. Wie überzeugend diese tolle Musik tatsächlich gespielt werden kann, zeigen – ebenfalls ganz aktuell – Gluzman, Moser & Sudbin auf BIS, die teilweise grober daherkommen, freilich zu jeder Zeit mehr den Funken überspringen lassen.

Rachmaninows zweites, großes Trio élégiaque – 1893 ein Epitaph für Tschaikowsky – wird in der vorliegenden Darbietung zwar ebenso zum kulinarischen Genuss, aber etwa die bedrückende Schwere des Beginns kommt lange nicht so gut zur Geltung wie beim Beaux Arts Trio. Es sind kleinste agogische Nuancen, ein Innehalten für Millisekunden, die den Unterschied ausmachen, der dann in der Summe doch spürbar wird. Der lange Variationssatz und vor allem das Finale in der Hänssler-Aufnahme zerfallen zu sehr in einzelne Abschnitte, in sich dann jeweils zu geradlinig – so wird auch der Rückgriff auf das Anfangsmotiv ganz gegen Ende nicht zum erschütternden, emotionalen Tiefpunkt. Dennoch bewegen sich hier Okrashvili und die Zhdanovs auf wirklich hohem Niveau – und die Aufnahmetechnik gibt keinen Grund zu meckern. Der Aufbau musikalischer Spannung wäre bei der vorhandenen instrumentalen Spielkultur sicher noch entwicklungsfähig.

Vergleichseinspielungen: Babadschanjan: Gluzman, Moser, Sudbin (2017, BIS 2372) -

Rachmaninow: Beaux Arts Trio (1986, Philips 420 175-2).

Martin Blaumeiser [05.12.2019]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Arno Babajanian
1Klaviertrio fis-Moll 00:22:17
Alexander Alyabyev
4Klaviertrio a-Moll 00:19:13
CD/SACD 2
Sergej Rachmaninow
1Klaviertrio Nr. 2 d-Moll op. 9 (Trio élégiaque) 00:42:59

Interpreten der Einspielung

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